Sie fragen, Experten antworten

Auflösung der Terra X Facebook-Aktion

Wir haben vor dem Dreh mit unseren Alexander-Experten auf unserer Facebook-Seite nach Ihren Fragen zu Alexander dem Großen gefragt und Sie haben uns viele Fragen zu seinem Leben, seiner Kriegsführung und den weltgeschichtlichen Zusammenhängen gestellt. Vielen Dank dafür! Hier finden Sie nun die Antworten unserer Experten.

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Persönlichkeit

Alexander der Große mit Helm (Spielszene)
Wer war Alexander? Quelle: ZDF/Simon Varsano

Frage: Alexanders Persönlichkeit hat sich offenbar im Laufe seines kurzen Lebens erstaunlich verändert: Anfangs genial und charismatisch, später dann jähzornig, maßlos, größenwahnsinnig. Das Verhältnis zu seinen Gefährten veränderte sich, er tötet Philotas. Was sagt das über seinen Charakter aus?

Prof. Demandt: Das sind Dinge, die auf sehr verschiedenen Ebenen liegen. Philotas muss sich sehr kritisch gegenüber Alexander geäußert haben und von einer Verschwörung gewusst haben, die berühmte Pagenverschwörung, die Alexander ans Leben wollte. Er hat keinen Bericht erstattet uns das kam raus. Philotas wurde von der Heeresversammlung verurteilt und auch hingerichtet. Das ist eine Sache, die man zu diesen Zeiten nachvollziehen kann. Der Parmenion, der Vater des Philotas, saß im Westen und Alexander fürchtete, dass er ihm nach der Nachricht vom Tode seines Sohnes den Weg abschneidet. Es war also ein machiavellistischer Machtakt, dass der Parmenion von Alexander beseitigt worden ist. Der Kleitos, ist "im Suff" umgebracht worden. Das war eine Affekthandlung, die Alexander auch tief bedauert hat. Das ist also keine Sache von Größenwahn oder ähnlichem. Das Verhältnis zu diesen Leuten war verhältnismäßig gesund. Abgesehen davon, dass es natürlich einen Konflikt gab, mit seiner wachsenden Zuneigung zu den Persern. Da gab es Eifersüchteleien. Die Makedonier sagten, "Wieso bevorzugst du jetzt unsere Feinde?" Alexander selbst hat die Perser nie als Feinde empfunden, sondern nur als Gegner. Und alle Leute, die etwas geleistet haben, hat er sofort eingestellt. In seinen engsten Beraterkreis hat er auch seine Gegner aufgenommen. Eifersuchtsszenen waren die Folge, die er aber dann auch aufgrund seines Charismas gemeistert hat. Wenn er sich in Hungerstreik zurückzog, kamen die Soldaten und haben gewinselt: "Alexander, bitte, bitte, komm sei wieder nett zu uns!"

Kriegsführung

Alexander und seine Truppen in der Schlacht von Gaugamela
Alexander und seine Truppen (Spielszene) Quelle: ZDF/Simon Varsano

Frage:  Wie war es möglich, dass die griechische Kultur die persische Kultur dominieren konnte und Alexander mit einem so kleinen Heer siegte?

Prof. Gehrke: Die Erfolgsstrategie Alexanders war es, die Dinge im Wesentlichen so zu lassen, wie sie waren, wenn sie sich bewährt hatten. Das heißt, man übernahm gewachsene Traditionen, wenn es irgendwie möglich war, sobald die Leute die neue Herrschaft akzeptierten. Was vielen nicht schwer gefallen ist und was auch von dem neuen Herrscher angemessen beantwortet wurde, der ihre Traditionen respektierte, der in Ägypten in die Rolle des Pharao schlüpfte und eben in Babylon in die Rolle des Geliebten des Marduk, des höchsten Gottes. Damit hatte Alexander schnell eine Zustimmung erreicht und sein Aufwand zu regieren war denkbar gering. Das war die beste Strategie. Auf der anderen Seite ging er, sobald man sein Angebot zur Zusammenarbeit nicht akzeptierte, mit exemplarischer Härte vor. Das förderte sicher bei vielen den Gedanken, sich besser friedlich zu arrangieren. Vereinfacht gesagt ist es eine Kombination aus Zuckerbrot und Peitsche, die das Erfolgsgeheimnis Alexanders darstellt.

Frage: Wie sehr hat sich Alexander um seine Truppe gekümmert? War er der einsame Held an der Spitze? Haben seine Leute ihn verehrt, oder war er "nur" gefürchtet?

Dr. Scheer: Die Faszination, die Alexander auf seine Truppen ausgeübt hat, ist wohl nicht zuletzt durch sein ganz persönliches Beispiel auch im Kampf zu erklären. Immer wieder wird berichtet, dass er sich mit unglaublicher todesverachtender Tapferkeit an der Spitze seiner Truppen in den Kampf gestürzt hat. Immer dorthin, wo es am gefährlichsten war. Er schien hierbei so vom Glück begünstigt gewesen zu sein, dass seine Soldaten offenbar der Meinung waren, hinter diesem Anführer Anteil an seinem Glück und der Unverwundbarkeit zu haben. Hinzu kommt natürlich auch eine gewisse Klugheit Alexanders, der es verstand, seinen Soldaten die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen. Dadurch, dass er ihnen die fremde Welt, in die er sie führt, zu einer vertrauten werden lässt. Er suggeriert ihnen: "Wir sind da, wo unsere großen Vorfahren Herakles und Dionysos schon gewesen sind. Das ist nicht die Fremde mit den Ungeheuern, sondern vor uns waren schon Griechen da und wir gehen in deren Spuren, aber wir sind noch besser und werden noch über sie hinauswachsen."

Prof. Gehrke: Alexander war eine ausgesprochen charismatische Figur. Er übte eine unglaubliche Faszination auf sein persönliches Umfeld, auch auf größere Menschengruppe, wie Soldatenversammlungen oder Heeresversammlungen, aus. Der makedonische König war in erster Hinsicht traditionell ein militärischer Anführer. Trotzdem wurde eine persönliche Beziehung zwischen dem König und vor allen Dingen den Soldaten bei den Makedonen sehr stark betont. Alle Soldaten hießen eigentlich die Kameraden, die ‘Hetairoi‘ des Königs. Da gab es zwar dann die eigentliche Elite, die Ritter oder Reiter, die ‘Hetairoi‘ zu Pferde, aber es gab auch bei der Infanterie eine Eliteeinheit, die ‘Pezhetairoi‘ hieß, also Kameraden zu Fuß. Das spielte eine große Rolle und wenn man die sehr gut bezeugten Berichte liest über die letzten Tage Alexander des Großen, wird das deutlich. Da zitiert der Biograf Plutarch die offizielle Berichterstattung, die es gab, die sogenannten ‘Hypomnemata‘ und da heißt es dann, dass die Soldaten an dem im Sterben liegenden König vorbeigezogen sind und sich von ihm verabschiedet haben. Das ist eine enge persönliche Beziehung und ohne die könnten wir diesen gigantischen Feldzug überhaupt nicht erklären.

Vermächtnis

Reiterstandbild Alexander des Großen an der Uferpromenade von Thessaloniki
Reiterstandbild an der Uferpromenade von Thessaloniki

Frage: Wie schätzt die heutige Forschung die Bedeutung Alexanders ein? War er ein "Großer“?

Dr. Demandt: Das Vermächtnis von Alexander, liegt auf verschiedenen Ebenen, es gibt das politische und es gibt das mythische, legendäre, literarische Vermächtnis. Das politische ist seine Weltreichsidee, die Vorstellung, dass die Völker selbstverwaltet, aber friedlich miteinander leben müssen unter einer monarchischen Spitze. Das legendäre Vermächtnis ist natürlich, dass er eine Integrationsfigur war wie keine andere Figur der Geschichte. Das heißt, Alexander ist von der Nachwelt akzeptiert worden, von Island bis nach Sumatra. Die Könige Malaysias betrachten sich noch heute als Nachfahren Alexanders. Alexander kommt im Talmud vor, Alexander ist ein offizieller jüdischer Vorname. Alexander spielt eine große Rolle im Islam, Alexander soll Mekka erobert haben und in Mekka schon den Götzendienst bekämpft haben, Alexander ist ein erster Mohammed, in der islamischen Tradition. All das sind Dinge, die finden sie sonst nirgendwo.

Dr. Schaar: Ob wir heute als Historiker Alexander noch als den Großen bezeichnen sollten, ist eine schwierige Frage. Denn worin besteht historische Größe? Das 19. Jahrhundert hätte vermutlich gesagt: Selbstverständlich, wer am meisten Territorium erobert, wer ein großer Eroberer ist, der besitzt historische Größe. Heutzutage würde man vielleicht doch eher andere Kriterien anlegen. Wie sieht das konstruktive oder das destruktive Potential aus, das mit einer Persönlichkeit der Geschichte verbunden gewesen ist? “Der Große“ klingt sehr positiv. Insofern würde ich von dieser Bezeichnung vielleicht eher absehen wollen. Aber man kann sagen er war ganz bestimmt jemand, ohne den die Entwicklung der griechischen Welt anders ausgesehen hätte, der also durchaus auch als Einzelperson die Dinge verändert hat. Denn ohne seinen Drang, möglicherweise die Welt zu erobern, hätte dieses griechische Heer vielleicht unter Philipp nach der ersten oder zweiten Perserschlacht den Zug beendet.

Prof. Gehrke: Man muss sich fragen: Was soll Größe bedeuten? Historiker haben früher sehr viel und sehr gerne über historische Größe reflektiert, was das eigentlich ist und wem man sie zu schreiben kann. Wir sind da heute wesentlich vorsichtiger geworden. Wenn wir von Größe sprechen, müssen wir sehr konsequent einen historischen Maßstab anlegen, der sehr stark erfolgsorientiert ist und nicht moralisch. Und das darf man nicht verwechseln. Es gibt nur wenige einzelne Menschen, die die Geschichte so stark mit ihren Ideen, Plänen, Leistungen und Taten beeinflusst haben, wie Alexander der Große. Er hat dazu beigetragen, dass sich eine neue Welt entwickeln konnte, er hat die Voraussetzungen dafür geschaffen. Das ist historisch höchst bedeutsam und insofern meinetwegen "groß", aber er war deswegen nicht ein großer Mensch, in dem Sinne, dass wir ihn uns zum Vorbild nehmen können. Man muss unterscheiden zwischen einem historischen Urteil und einem ethisch-moralischen. Und da kann man Alexander sehr unterschiedlich einschätzen.

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