Freiheit und Gleichheit

Geburt der Demokratie in Frankreich

Der Sturm auf die Bastille gehört zu den wichtigsten Ereignissen der Französischen Revolution. An den einstigen Schauplatz der Weltgeschichte erinnern heute noch die Umrisse der Festung auf dem Straßenpflaster - und der Name: Place de la Bastille.

Aus den Steinen wurden patriotische Reliquien. Und jedes Department erhielt eine Bastille en miniature, mit der Inschrift: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

"Nichts geschossen"


(14. /15. Juli 1789, 00.45 Uhr) Ludwig XVI. ist zwar darüber informiert, was sich in den letzten 24 Stunden in Paris abgespielt hat. Dennoch schreibt er am 14. Juli nur ärgerlich 'Rien', "nichts geschossen", in sein Jagd-Tagebuch.

Versailles schläft. Nur der Kammerherr der Königs, der Herzog La Rochefoucauld-Liancourt fragt sich ob er seinen Herrn wecken darf, denn dieser Tag hat alles verändert. Er übermittelt ihm die Nachricht "Sire, die Situation ist ernster, als wir dachten: Die Nationalgarde hat sich mit dem Volk verbündet; die Bastille ist gefallen." Während Ludwig XVI. von einer Revolte spricht begegnet ihm La Rochefoucauld-Liancourt: "Nein Sire, das ist eine Revolution."

Voller Hoffnung

Im Ballhaus von Versailles tagen die Deputierten der Nationalversammlung auch am 14. Juli bis in die späten Stunden: Längst haben sie von den Ereignissen in Paris gehört. Dann überbringt La Rochefoucauld-Liancourt die Nachricht, dass der König am nächsten Tag vor der Nationalversammlung erscheinen wird. Die Abgeordneten sind voller Hoffnung. Auch die königlichen Truppen weigern sich nun, gewaltsam gegen die Deputierten vorzugehen. Die Abgeordneten wissen: Der König muss kapitulieren und sich in sein Schicksal fügen. Gelassen können sie den nächsten Tag erwarten, an dem Ludwig XVI. die Nationalversammlung als Vertretung der Nation anerkennt.

Im Nationalarchiv von Frankreich werden die Heiligtümer der Nation aufbewahrt. In einem Tresor, mehrfach gesichert durch Codes und geschützt hinter dicken Türen liegt das Erbe der Französischen Revolution. So auch das Original der Menschenrechtserklärung. "Alle sind frei und gleich geboren", so beginnt die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte: Die Franzosen sind keine Untertanen mehr, sondern Bürger, die ihr Schicksal selbst bestimmen. Es ist die Geburt der Demokratie in Frankreich. Von Paris aus treten die neuen Grundsätze der Freiheit und Gleichheit ihren Siegeszug in ganz Europa an. Als universelle Prinzipien sind sie heute nicht mehr wegzudenken.

Geburtsstunde der Trikolore

Am 17. Juli fährt der König nach Paris. War es nicht klüger, sich an die Spitze der Bewegung zu stellen als gegen sie? Er wird mit Hochrufen empfangen. In einem symbolträchtigen Akt soll er die Bürgerwehr und das Volkskomitee als neue Stadtregierung anerkennen. Vor dem Rathaus überreicht der neue Bürgermeister Bailly dem König die blau-rote Kokarde des Volkes. Ludwig XVI. heftet sie zur weißen Kokarde der Monarchie: Es ist die Geburtsstunde der Trikolore.


Erst 100 Jahre nach dem Sturm auf die Bastille wird der 14. Juli zum Nationalfeiertag. Bis dahin war die Nation gespalten, wenn es um die Bewertung der Revolution ging: Heute ist die Nation stolz auf ihre Vergangenheit.

Opfer und Volkshelden

De Launay wurde das erste Opfer auf seiten des Ancién Regime, obwohl er den Krieg gegen das Volk nicht gewollt hatte. "Ich werde meinen Klerus und Adel nicht im Stich lassen", hatte Ludwig XVI. gesagt. Das kostete ihn den Kopf. Hulin, der mit seiner Garde alles gewendet hatte, wurde zum Volkshelden.



Charpentier-Bericht: "Und ich? Ich würde es nicht glauben, hätte ich es nicht selbst miterlebt: Am 14. Juli 1789 ereignete sich die größte Revolution der Geschichte. Als einzige Frau erhielt ich eine Auszeichnung als 'Siegerin der Bastille'."

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