Friedenspakt

Übereinkunft zwischen Römern und Goten

Vielen gotischen Königen waren die Christen in ihrem Volk eher suspekt, sie nannten sie "Römlinge". Deshalb verlangten sie von ihnen, den Göttern der Ahnen zu opfern. Wer sich weigerte, wurde verfolgt und ermordet. Goten gehören deshalb mit zu den frühen Märtyrern und Blutzeugen des Christentums.

Ein anderes wichtiges Zeugnis der Völkerwanderung wird im Kunsthistorischen Museum in Wien aufbewahrt: der kostbarste Münzschatz der Völkerwanderung. Gefunden wurde er in Rumänien, der neuen Heimat der Goten.

Der Numismatiker Günther Dembski hütet den Schatz von Szilágysomlyó: zwei Kilogramm pures Gold, ein Medaillon mit dem Bildnis Valens, des oströmischen Kaisers. Mit der Inschrift "Gloria - Romanorum" propagierte Kaiser Valens den Ruhm der Römer bei den Goten. Aus dem Gold der Römer wurde Schmuck für die Barbaren. Denn zwischen dem Imperium und den Goten herrschte nicht nur Krieg, sondern gelegentlich auch Waffenruhe - erkauft mit Gold. Davon zeugt der Schatz.

Historisches Treffen

Die Donau in Rumänien war einst Grenze des Imperiums. Hier fand im September 369 ein historisches Treffen zwischen Goten und Römern statt. Athanarich, Sprecher der Gotenkönige, ein erklärter Feind Roms, hatte geschworen, nie römischen Boden zu betreten. Deshalb musste Kaiser Valens widerwillig zustimmen, sich mit ihm an einem neutralen Ort zu treffen. Eigentlich war es unter seiner Würde, dem Barbaren entgegen zu kommen. Aber nach drei Jahren Krieg war es besser, miteinander zu reden. Deshalb kamen sie zum gotisch-römischen Gipfel in der Mitte der Donau zusammen.

Valens war verärgert, so ist es von Ammianus Marcellinus überliefert. Er konnte die Goten jenseits der Donau nicht unterwerfen. Ihren Guerillakämpfern waren seine Truppen nicht gewachsen. Obendrein kostete ihn der Krieg Unmengen. Auch Athanarich war nur widerwillig gekommen. Seine Goten waren nicht stark genug, um die verhasste römische Macht zu vernichten. Also musste man verhandeln. Valens hatte Athanarich Rex nennen lassen, König der Goten. Der missverstand "reiks" und war verstimmt. Denn das war nur ein niederer Rang.

Von gleich zu gleich

Keiner richtete das Wort direkt an seinen Widersacher. Man verhandelte über Legaten. Athanarich hatte vom Kaiser Frieden und freien Handel verlangt. Was das betreffe, ließ Valens ausrichten: kontrollierter Handel an zwei Grenzübergängen. Mehr sei mit ihm nicht zu machen. Athanarich wollte darüber hinaus freie Hand bei der Verfolgung der gotischen Christen, der "Römlinge", wie er sie abfällig nannte.

Valens war desinteressiert am Schicksal seiner christlichen Brüder im Gotenland. Athanarich könne mit ihnen machen, was er wolle. Ansonsten würde man sich schon einigen: "In Anbetracht des Nutzens für den Staat, entschloss sich Kaiser Valens, den Goten Frieden zu gewähren." Pax et amicitia: In der Mitte der Donau wurde von gleich zu gleich ein Friedens- und Freundschaftspakt zwischen der Weltmacht und den Goten geschlossen. Die Welt schien in Ordnung.

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