Friedhof der Garamanten

Grabfunde deuten auf egalitäre Gesellschaft

Bahr bela mar - Meer ohne Wasser - nennen die Araber die Sahara. Existieren noch Spuren vom versunkenen Reich der Garamanten? Gab es wirklich ihre sagenhafte "höchst berühmte" Hauptstadt Garama, nach der Herodot das Volk benannte?

Chef der italienischen Mission ist Savino di Lernia von der Universität Rom. Mit wissenschaftlicher Akribie und sicherem Instinkt spürt der junge Professor den Garamanten nach. Bei der Stadt Ghat in der Region Fessan vermuten die Forscher das südliche Zentrum des Garamantenreiches - mitten in der Sahara, rund 1.000 Kilometer von der Küste entfernt.

Hohe Bevölkerungsdichte

Die Archäologen sind am Rande eines Wadis, eines ausgetrockneten Flussbettes, auf einen Friedhof mit bis zu 100.000 Gräbern gestoßen. Dies ist ein Hinweis auf eine unglaublich hohe Bevölkerungsdichte mitten in der Einöde. Die C 14 Datierungen weisen in das zweite Jahrhundert vor Christus - laut den antiken Chronisten: die Zeit der Garamanten.




Ein spannender und ungewöhnlicher Befund: Die Garamanten waren eine in Ansätzen egalitäre Gesellschaft - zumindest war Wohlstand nicht nur wenigen vorbehalten. Auch unerwartete Gemeinschaftsgräber entdecken die Archäologen. In einem Grab liegen Tote von weißer und schwarzer Hautfarbe, wie die DNA-Analyse ergeben hat.
Bei den Funden ist jeder Splitter wichtig. Jede kleinste Spur kann Hinweise darauf geben, wie die Garamanten lebten, sich in dieser menschenfeindlichen Leere ernährten und noch dazu eine hohe Kultur pflegten.

Mächtig und Respekt einflößend

Ein Volk aus der Wüste auf Augenhöhe mit den klassischen Griechen? Es klingt bewundernd, wenn Herodot notiert, wie mächtig und Respekt einflößend dieses rätselhafte "Barbarenvolk" sei. Spätere antike Chronisten rühmen ihre Könige und "höchst beweglichen" Krieger. Auch schreiben sie, dass die Garamanten Tätowierungen an ihren Ellenbogen hätten. Genau wie in der über 3000 Jahre alten Darstellung libyscher Fürsten aus der Grabkammer des Pharaos Sethos I. im Tal der Könige. Die Griechen waren das bis heute verehrte Maß aller Dinge an den Küsten des Mittelmeers und in Europa. Doch sie beherrschten nicht den Handel quer durch die tödliche Sahara. Ein gefährliches, aber auch lukratives Geschäft.



Auf der Suche nach einer möglichen Quelle des Garamanten-Reichtums entdeckt Di Lernia einen Karawanenposten mit Zitadelle. Der Wasserspeicher wurde durch eine massive Mauer geschützt. Auf der Felsnase von Aghram Nadharif befindet sich sogar ein Jahrtausendealter Mahlstein der Besatzung.

Die Garamanten beherrschten die wichtigsten Handelsrouten durch die Sahara mit befestigten Stützpunkten wie dem von Aghram Nadharif. Von vier Wachtürmen aus überblickten sie eine Engstelle des Wadi-Tales. Dort mussten die Karawanen passieren. Ein Geheimnis ihres Erfolges lag in dem Ausbau militärisch gesicherter Karawanenposten und Handelsstützpunkte.

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