Frühe Hochkultur

Schrift, Handel und Architektur der Sumerer

Fast 2000 Jahre lang war Uruk eine der bedeutendsten Städte im Zweistromland. Der wachsende Wohlstand lockte immer mehr Menschen aus den Dörfern in die Hauptresidenz. Die steigenden Zahlen erhoben Uruk zur Mutter aller Metropolen. Anfang des 3. Jahrtausends vor Christus lebten dort zwischen 30.000 und 60.000 Einwohner.

Das Land Sumer als "Garten Eden" Quelle: ZDF

Zu den frühen Errungenschaften gehört die Erfindung der Töpferscheibe. In großem Stil fertigten Handwerker Keramikgefäße für den täglichen Gebrauch. Die erste Massenfabrikation der Weltgeschichte zog wieder neue Berufe nach sich - Händler, Verwalter und Lagerarbeiter.

Töpferscheibe Quelle: ZDF

Geburtsstunde der Schrift

Für den Transport der Güter erdachten die Kaufleute ein Zeichensystem, das zu den wichtigsten Errungenschaften der Menschheit werden sollte. Händler transportierten ihre Waren in Tongefäßen, die mit einem Deckel aus Tuch verschlossen wurden. Das Ganze versiegelten sie anschließend mit einem Tonklumpen - eine Maßnahme zum Schutz gegen Verschmutzung und Diebstahl. Irgendwann kam ein Buchhalter auf die Idee, einfache Symbole in das feuchte Etikett zu drücken, um Inhalt und Menge auszuweisen. Damit entfiel das Öffnen der Ware zu Kontrollzwecken. Das frühe Verwaltungssystem ergänzten entsprechende Lieferlisten - die Geburtsstunde der Schrift.

Keilschrift "Die Frauen aus den Bergen" Quelle: ZDF

Ein Schamdreieck bedeutete Frau, drei Dreiecke standen für Berge. Als Kombination hieß das: Frauen aus den Bergen - gemeint waren Sklavinnen. Später wurden die Zeichen quer gestellt, um schneller schreiben zu können. Erst im Lauf der Jahrhunderte kamen Zeichen für Laute und Silben hinzu. Endlich war es den Sumerern möglich, auch gesprochene Sprache niederzuschreiben. Bis dahin überlieferten Geschichtenerzähler alles Wissenswerte. Sie fesselten ihr Publikum mit Fakten, Mythen und Legenden. Auch das Epos von Gilgamesch war als mündlicher Vortrag gedacht.

Historische Gegebenheiten

Im Altertum dehnten sich die Zedernwälder vom Libanon bis ins heutige Syrien aus. Der Export des seltenen Holzes brachte den Herrschern in der gesamten Region großen Wohlstand. Auch die einstige Handelsstadt Ebla profitierte damals vom Bauboom im Vorderen Orient. Die Archäologin Margarete van Ess kennt die wechselvolle Geschichte der Ruinenstätte. In der Episode vom Raub der Zedernbäume sieht sie einen handfesten Hinweis auf historische Gegebenheiten.

Fest steht: Als rohstoffarmes Land musste Sumer nicht nur Holz vom Libanongebirge einführen, sondern auch Silber, Kupfer, Lapislazuli und Gold aus weit entfernten Reichen. Ohne die vielen Importe hätte Uruk seine Pracht niemals entfalten können.

Karte Waren-Importe nach Sumer Quelle: ZDF

Riesige Grabungsfläche

Für Archäologen zählt Uruk zu den größten Herausforderungen. Die Siedlungsschichten aus vier Jahrtausenden können zwar datiert, aber ohne eindeutige Funde keinem Regenten zugeordnet werden. Das Gebiet umfasst mit fünfeinhalb Quadratkilometern eine riesige Fläche - knapp drei Mal so groß wie Monaco. Doch erst ein Hundertstel ist ausgegraben.

Überreste des Zikkurats Quelle: ZDF

Einzigartige Aufnahmen der Kampagne von 1963 lassen erahnen, wie eindrucksvoll die Architekten der Sumerer Tempel und Paläste geplant und gebaut haben. Das hätte eine Fundgrube sein können - wenn Wind und Wetter den Lehmziegeln nicht massiv zugesetzt hätten. Im Zentrum der Anlage ragt ein Hügel zum Himmel empor - die Reste eines Tempelturms, einer so genannten Zikkurat. Überall in Mesopotamien dienten sie als Heimstatt der Götter.

Versammlung von Gottheiten

Das Pantheon der Sumerer ist eine Versammlung weiblicher und männlicher Gottheiten. Über Uruk wachte die schöne Innana-Ischtar. Die Herrin der Liebe und Fruchtbarkeit, des Krieges und des Todes. Ihr allein widmete Gilgamesch den höchsten Tempel der Stadt. So steht es im Epos: "Hoch zum Eanna, dem Sitz der Göttin Ischtar - ein Bauwerk, das kein König nach ihm zu bauen verstand."

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