"Für Gott und für Frankreich"

Die letzten Jahre des Hundertjährigen Krieges

Als König Edward III. im Jahr 1377 stirbt, ist nicht mehr viel von Glanz und Gloria vergangener Jahre übrig. England ist mit Thronfolgefragen beschäftigt und wird von sozialpolitischen Krisen gebeutelt - Frankreich ist ebenfalls "geschlagen und geschunden".

Die Ländereien werden weitestgehend den Engländern überlassen, die Städte dienen als Zufluchtsstätten. Trotz Belagerung durch die Engländer tritt Frankreich, auch durch die neuerliche Residenz eines Frankreichnahen Papstes in Avignon, in den Vordergrund. Frankreich erlebt einen neuerlichen Höhepunkt, während England von einem brutalen Bauernaufstand vereinnahmt wird.

Ein Jüngling an der Macht

Richard II., der Enkel des verstorbenen Königs ist gerade mal zehn Jahre alt, als er den Thron besteigt. Er erweist sich jedoch während des Bauernaufstandes als mutiger und kaltblütiger Herrscher. In Frankreich hat unterdessen das Land unter der Belagerung durch die Engländer und neuen Pest-Epidemien zu leiden. Die durch Karl V. kurzzeitig wiedergewonnene Stärke zerrinnt unter seinem geistesschwachen Nachfolger Karl VI.

Nachdem der Herzog von Orléans im Oktober 1407 ermordet wird, gibt der burgundische Herzog Johann ohne Furcht bedenkenlos zu, dass er die Tat befohlen hat. Der Streit eskaliert 1411 in einem weiteren Krieg. Heinrich V. von England, mit dem sich Johann ohne Furcht zusammentut, verlangt von Karl VI. den Rücktritt von der französischen Krone. Im August 1415 landet er mit seiner Armee in der Nähe der Seinemündung.

Die Schlacht von Azincourt

Einige Monate später, am 25. Oktober, schlagen dreizehntausend Engländer bei Azincourt das mehr als dreimal so große französische Ritterheer in die Flucht. Englischen Fußtruppen gelingt es, den Angriff schwerer Reiterei durch Langbogengeschosse weitgehend zu zerschlagen. Englische Langbogenschützen sind in der Lage, bis zu zehn Pfeile in der Minute zu schießen. Weder die Rüstungen der Ritter noch die der Pferde halten dem Beschuss stand. Der Pfeilhagel auf die Pferde der französischen Reiterei vermag, die schlechter als die Reiter geschützten Pferde zu töten, zu verletzen oder sie panisch in die Reihen der französischen Armbrustschützen zu treiben. Die verletzten Tiere trampeln die Nachrückenden nieder.

Die schwere Reiterei besteht hauptsächlich aus französischen Edelleuten. Viele von ihnen sterben auf dem Schlachtfeld. In den ersten paar Stunden der Schlacht fallen an die 5000 französische Ritter. Unter ihnen: Herzöge, Grafen und andere wichtige Personen, die politische, administrative und wirtschaftliche Funktionen im Land ausüben. Dieser Verlust ist daher ein besonders harter Schlag für Frankreich.

Geisteskrank und ausgedient

Heinrich V. von England setzt seinen Eroberungsfeldzug fort. Er fällt in Nordfrankreich ein und Paris wird von den kooperierenden Burgundern durch einen Hinterhalt erobert. Karl VI. muss sich dem Einfluss seiner Gemahlin Isabeau und Herzogs Johann ohne Furcht stellen. Im Vertrag von Troyes versuchen die Beiden ein Ende der Kriegswirren zu erreichen.

Karl VI. war mittlerweile nur noch selten zurechnungsfähig und so bestimmen seine Gemahlin und der burgundische Herzog Johann ohne Furcht das weitere Vorgehen. Heinrich V. wird mit der Krone Frankreichs betraut, heiratet die französische Königstochter Katharina und rückt auf Kosten ihres Bruders Karl zum Thronerben auf. Der zurückgesetzte Königssohn nimmt daraufhin den Kampf gegen die Engländer wieder auf. Er erobert Nordfrankreich bis zur Loire-Linie und beginnt 1428 mit der Belagerung von Orléans. Diese Okkupation gilt als Wendepunkt im Hundertjährigen Krieg. Die dritte und letzte Phase beginnt.

Jeanne d'Arc für Gott und für Frankreich

In dieser letzten entscheidenden Phase des Hundertjährigen Kriegs tritt ein junges Mädchen in die Kriegshandlungen, deren Wirken bis heute legendär ist. Mitten in der Aussichtslosigkeit der Kriegswirren spricht die damals erst 18-jährige Bauerntochter vor dem König von ihren Visionen, die dem noch immer ungekrönten Karl VII. zum Sieg verhelfen sollen. Sie zieht gegen die Engländer in die Schlacht. Ihre Bewährungsprobe besteht Johanna bei der Befreiung von Orléans am 7. Mai 1429. Ihr unerschütterlicher Mut und das von ihr ausgehende Zusammengehörigkeitsgefühl eint das Volk und gibt ihm neues Selbstvertrauen. Sieg um Sieg kann Jeanne d'Arc, oder Johanna von Orléans, wie sie auch genannt wird, verzeichnen.

Nach weiteren französischen Erfolgen lässt sich Karl VII. 1429 in Reims krönen. Einige Monate später scheitert der Versuch der Franzosen, Paris zu befreien. Johanna von Orléans fällt im Mai 1430 den Burgundern in die Hände, die sie gegen eine große Geldmenge an ihre englischen Verbündeten abschieben. Der Ketzerprozess in Rouen wird der 19-jährigen 1431 zum Verhängnis. Allein gelassen von "ihrem" König und Volk wird sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Erkaufter Frieden

Doch trotz des Todes der Rädelsführerin Jeanne d'Arc ist der Sieg der Engländer im Hundertjährigen Krieg aussichtslos. 1435 kann Karl VII. durch die Schlichtung von Papst Eugen IV. und dem Konzil von Basel im Vertrag von Arras eine Lösung der Burgunder von England erwirken. Mit dieser neuen Anordnung der Mächte sind die Franzosen nun endgültig auf dem Vormarsch.

Im Jahr 1436 gewinnen die Franzosen das hart umkämpfte Paris zurück. Rund zehn Jahre später fällt auch Rouen wieder in französische Hand. Bis 1453 müssen die Engländer abgesehen von Calais auch die restlichen Gebiete aufgeben. Der Hundertjährige Krieg endet ohne Friedensabkommen. Ein solches findet man im Vertrag von Picquigny erst 1475. Am 29. August erkaufen die Franzosen bei Picquigny den Frieden mit England und entlassen die Burgunder aus ihrer Lehnsabhängigkeit. Ihren Anspruch auf die französische Krone geben die englischen Monarchen allerdings erst im Jahr 1802 endgültig auf und beenden damit den über ein Jahrhundert währenden Konflikt.

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