Fund des Lebens in Baktrien

Der Archäologe Viktor Sarianidi

Bereits vor 20 Jahren hat der Archäologe Viktor Iwanowitsch Sarianidi den Fund seines Lebens gemacht. Viktors märchenhafte Schatzgeschichte spielt im Land aus 1001 Nacht.

Jenseits des Kaspischen Meeres, wo Afghanistan, Uzbekistan und Turkmenistan aneinander stoßen, lag das alte Baktrien. Die Griechen nannten es "Land der 1.000 Städte". Eine davon war Tillya-tepe, nicht weit entfernt von den alten Kulturstädten Samarkand und Buchara.

Der Goldhügel

Im Herbst 1978 entdeckte Viktor Sarianidi in Tillya-tepe einen Grabhügel mit sechs ungeöffneten Gräbern. Tillya-tepe, Goldhügel, nennen Baumwollbauern aus der Umgebung die etwa drei Meter hohe und 100 Meter breite Erhebung. Im Grab fanden die Archäologen das Skelett einer Frau. Eine Prinzessin, vielleicht sogar die Gemahlin eines längst vergessenen Herrschers, wie Stoffreste und vor allem die Unmenge von Goldgegenständen verraten. Sarianidi traute kaum seinen Augen. Ende des 20. Jahrhunderts sind nichtgeplünderte Gräber der Antike so selten wie Regen in der Wüste.

Der sensationelle Goldschatz besteht aus über 20.000 Einzelstücken. Sie stammen aus einer Epoche, die bis dahin im Dunkel der Geschichte verborgen war. Das Grabungsteam hat Stücke aus den verschiedensten Kulturen gefunden: Indien, Iran, Griechenland, Rom und von Nomaden. Darin liegt sicher seine größte Bedeutung.

Das Grab der Fürstin

Viktor Sarianidi glaubt, dass der Schatz zwei Jahrtausende unentdeckt blieb, weil die Scheinbestattungen vor Grabräubern schützten. So nimmt er an, dass die tote Kuschanfürstin für das Leben im Jenseits hergerichtet wurde. Eine kleine, geflügelte Aphrodite zierte ihr Gewand.


Das Zepter wies sie als Fürstin aus. Doch vor der feierlichen Bestattung mit großem Zeremoniell wurde die Tote in einen einfachen Holzsarg umgebettet und an einem unauffälligen, geheimen Ort gebracht. Ihr Grab blieb in den Ruinen des verfallenen Dorfes geschützt - bis Sarianidi die Nekropole fand.

Einmalige Symbiose

In den Wirren des Afghanistan-Krieges in den 80er-Jahren wurde der Schatz ins Museum nach Kabul gebracht. Viktor glaubt, dass der Schatz verloren ist. Ein paar Kleinigkeiten sind vielleicht noch da, aber alle wichtigen Stücke sind verschwunden. Tillya-tepe ist ein Stück von Viktors Leben. Er würde viel darum geben, noch einmal dort zu stehen, wo alles angefangen hat. Am Ort seines unfassbaren Glücks und Unglücks zugleich.



Sarianidis Fund war, wie die Fachwelt später feststellte, einer der sensationellsten des 20. Jahrhunderts, vergleichbar mit dem Schatz des Tut-ench-Amun und der chinesischen Reiterarmee aus Terrakotta. Vor allem aber besticht die einmalige Symbiose unterschiedlichster Kulturen von Orient bis Okzident. Iran, China, Indien und Griechenland haben dem Goldschatz ihren Stempel aufgedrückt.

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