Fußgänger am Treffpunkt der Längengrade

Wally Herbert gelingt die erste Eismeer-Überquerung der Geschichte

Er zählt zu den großen Polar-Autoritäten des 20. Jahrhunderts. Während vier Jahrzehnten durchwanderte der britische Forscher, Autor und Maler Walter William "Wally" Herbert Arktis und Antarktis. Sein historischer Fußmarsch von Alaska über den Nordpol nach Spitzbergen enthielt einen Rekord, den der international anerkannte Pol-Spezialist erst Jahre später durch die Überprüfung von Pearys Aufzeichnungen erkennt.

Wally Herbert
Wally Herbert Quelle: ZDF

Die ersten Menschen, die weder per Schiff noch mit irgendeinem Fluggerät, sondern zu Lande und über das Eis zum Nordpol gelangten, sind unbestritten Ralph Plaisted und seine Begleiter Jean-Luc Bombardier, Walt Pederson und Gerry Pitzl. Nach einem 1967 medienwirksam inszenierten, aber gescheiterten Versuch, den Pol mit Schneemobilen zu erreichen, starteten der Versicherungsvertreter und seine Freunde 1968 erneut - diesmal mit Erfolg, jedoch ohne das erhoffte ganz große Echo in der Öffentlichkeit.

Verkannte Leistung

Brüchiges Nordpoleis

Mehr als 1300 Kilometer legten die vier Männer auf ihren Ski-Doos zurück, ehe sie am 20. April 1968 den Nordpol erreichten. Sie waren unterwegs aus der Luft mit Proviant versorgt und vom Ziel nach Hause ausgeflogen worden. Obwohl ihnen ein trotz aller technischer Hilfsmittel großartiger Coup gelungen war, blieb den frisch gebackenen Eroberern die Anerkennung in den Medien weitgehend versagt. Offenbar haftete ihnen nach der "Show" des Vorjahres der Makel von Ruhmsucht an.

Mörderischer Marsch

Aus ganz anderem Holz war Wally Herbert geschnitzt. Der ernsthafte Polarforscher hatte bereits einen immensen Erfahrungsschatz in Arktis und Antarktis gesammelt, als sein Entschluss reifte, das Nordpolarmeer von der pazifischen zur atlantischen Seite hin zu überqueren und dabei über 90°N zu gehen. Vier Jahre lang bereitete Herbert seine Expedition minutiös vor, ehe er am 21. Februar 1968 von Point Barrow in Alaska mit drei Begleitern und Hundeschlitten aufbrach.

Herbert überließ nichts dem Zufall. Sein Team war handverlesen. Neben Sanitätsoffizier Major Kenneth Hedges und Fotograf Allan Gill war auch der namhafte Gletscherspezialist Dr. Roy "Fritz" Koerner mit von der Partie. Jeder Mann bekam einen schweren Holzschlitten zugewiesen mit jeweils eigener Husky-Gruppe. 16 Monate waren für den Trip veranschlagt. Während dieser Zeit sollten siebenmal Öl, Nahrung und andere Versorgungsgüter von einem Flugzeug nachgeführt und abgeworfen werden.

Instabiles Eis und hungrige Eisbären bedrohten die Männer wohl am meisten. Immer wieder mussten sie Bären "in Notwehr" erlegen. Das Fleisch diente als Hundefutter. Die Zugtiere waren bestens ernährt und ermöglichten gute Tagesstrecken. Der Rekord lag bei 42,6 Kilometern. Doch um den Erfolg nicht zu gefährden, wurde nach der ersten Etappe das Winterlager aufgeschlagen. Erst am 24. Februar 1969 machte sich das Team wieder auf den Weg, um am 5. April nach mörderischem Marsch den geografischen Nordpol zu erreichen.

Verdiente Ehren

Knapp acht Wochen später kommen die Männer auf einer kleinen Insel vor Spitzbergen an. Insgesamt 6115 Kilometer liegen hinter ihnen. Eine Pioniertat ist vollbracht. Bis dahin hatte noch niemand das Polarmeer zu Fuß durchquert. Mit dem Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde und weiteren Ehrungen werden die enormen Leistungen des Polar-Quartetts gewürdigt. International anerkannt, darf Herbert als Einziger mit Erlaubnis von Pearys Familie und der National Geographic Society Robert Pearys Tagebuch einsehen. Doch auch er kommt zu keinem klaren Urteil.

Die höchste Auszeichnung erfährt Wally Herbert im April 2000. Königin Elizabeth II. erhebt den Polar-Pionier in Anerkennung seiner Verdienste in den Adelsstand. Die zahlreichen wissenschaftlichen Daten, die vor allem der Arbeit Dr. Koerners zu verdanken sind, haben bis heute Bestand und bilden eine Grundlage für aktuelle vergleichende Untersuchungen. Am 12. Juni 2007 stirbt Sir Walter William Herbert im schottischen Inverness.

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