Gaius' Bittgang

Ex-Sklave als Geldgeber

Gaius will ins Magistrat, denn dort sitzen Pompejianer, die es geschafft haben. Sie geben die Regeln vor, ungeschriebene Gesetze, die keiner - und schon gar nicht die Freigelassenen - überschreiten dürfen.

Doch welchen Rang nahmen die dem Sklavenstand Entkommenen in der Gesellschaft eigentlich ein? Zwar ermöglichte ihnen das erworbene Vermögen ein Leben im Luxus. Doch stets haftete ihnen der Makel des Sklaven an.

Üble Methoden

Die noblen Herren schätzen es gar nicht, wenn sich einer dieser "Halb-Bürger" auf eine Stufe mit ihnen stellt. Sie fühlen sich sofort belästigt und wissen sich zu wehren. Sie fordern Genugtuung. Dabei waren sie in der Wahl der Mittel nicht zimperlich. Für sein anmaßendes Verhalten wird der Übeltäter vor den Ältestenrat gezerrt. Die anschließende Verhandlung ist ein Schauprozess. Kein Geld der Welt kann ihm die Schande ersparen: Die Toga - das stolze Zeichen seiner Freiheit - nehmen die Staatsdiener dem Angeklagten ab. Zur Strafe muss er in die Verbannung - weit weg, ohne Recht auf Rückkehr. Sein gesamter Besitz fällt der Stadt zu. Eine üble, aber übliche Methode, um den Reichtum Pompejis zu mehren.

Schwere Demütigung

Gaius Terentius bewegt sich beim morgendlichen Empfang von Scaurus Vettius auf fremdem Terrain. Der Hausherr hat ihn her zitiert. Der Patrizier gesellt sich zu der bunt gemischten Gruppe von Bittstellern. Die Sklaven warten schon seit Sonnenaufgang darauf, vorgelassen zu werden - mit kleinen oder großen Wünschen, die der Patron erfüllen soll. Der öffentliche Bittgang in unwürdiger Gesellschaft bedeutet für den verwöhnten Sohn eine schwere Demütigung.

Die tägliche Audienz ist eine römische Tradition. Vor den Häusern der Reichen finden sich oft mehrere hundert Schützlinge ein. Doch nicht alle erhalten Einlass. Pünktlich erscheint der Patron und hält Hof. Ein Brauch, der sich vor allem in Italien über viele Jahrhunderte gehalten hat. In manchen Kreisen sogar bis heute. Entscheidet der Pate auch über das Schicksal des jungen Möchtegern-Politikers? Scaurus genießt den Augenblick seiner Macht.

Pekuniäre Zuwendung

Auch Scaurus hat die Inszenierung fest im Griff. Das Ritual verläuft immer nach dem gleichen Schema. Wer fern bleibt, dem kündigt der Pate die Freundschaft. Alle anderen empfängt er mit offenen Armen. Viele Besucher erwarten eine pekuniäre Zuwendung. Von den Münzen können die Ärmsten einen ganzen Tag leben. Wie ein übermächtiger Familienvater agiert Scaurus. Er übernimmt die Verantwortung für einen ausgewählten Teil der Gesellschaft und stellt sie unter seine Protektion. Auch Gaius gehört jetzt dazu. Aber um welchen Preis - fortan wird er einem ehemaligen Sklaven verpflichtet sein. Eine bittere Pille, doch er sieht sein Ziel in greifbarer Nähe und überwindet den Dünkel. Zwei Männer, die sich verachten, gehen ein Bündnis ein. Eine Zweckgemeinschaft, um von unterschiedlicher Position aus die Strippen zu ziehen. Für beide Seiten der perfekte Deal.

Die befreiten Sklaven sind vom politischen Leben ausgeschlossen. Aber sie finden andere Wege, ihre Macht und Würde zu zeigen. Den Wiederaufbau des Isis-Tempels finanziert ein superreicher Ex-Sklave. Zur Belohnung darf sein Sohn im Alter von sechs Jahren in den Stadtrat einziehen - als Marionette seines Vaters.

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