Gebieter über Edessa

Kreuzfahrer Balduin sichert sich die Perle im Osten

Der Überraschungs-Coup im Tal fährt den Seldschuken so gewaltig in die Knochen, dass sie sich für längere Zeit von den christlichen Heeren fernhalten. Die Schlacht von Doryläum, die auf beiden Seiten Tausende Tote gefordert hat, endet mit einem glanzvollen Sieg der Kreuzfahrer.

Der Weg durch Anatolien ist nun frei. Doch die Christen fürchten weitere Hinterhalte moslemischer Krieger. Daher wählen die meisten von ihnen nicht den direkten Weg ins Heilige Land, sondern die längere, wesentlich beschwerlichere Strecke über das Anti-Taurus-Gebirge.

Unerwartete Gegner

Drei endlose Wochen lang quält sich der Zug unter schmerzlichen Verlusten über die unwegsamen Höhensteige. Erschöpft erreichen die Truppen schließlich die Ebene von Pisidien. Dort erwarten sie Gegner, mit denen sie nicht gerechnet haben: glühende Hitze und todbringende Trockenheit. Der Chronist Wilhelm von Tyros hat die Leiden dokumentiert.




Erbarmungslos setzt die Natur den Kreuzfahrern zu. Die Vorräte nahezu aufgebraucht, schleppt sich Gottfrieds Truppe vorwärts. Für Frauen wird es besonders gefährlich. Die Männer können ihnen kaum noch Schutz garantieren. Nach monatelangen Entbehrungen stirbt auch Godehilde, die Gattin Balduins von Boulogne.

Habgier und Machtstreben

Mit dem Tod seiner wohlhabenden Frau verliert Balduin den Zugriff auf ihr Vermögen. Damit ist sein Traum von einer sorglosen Zukunft im Heiligen Land geplatzt. Nun muss er selbst sehen, wie er zu Ländereien und Wohlstand gelangt. Habgier und Machtstreben sind fortan die treibenden Kräfte des Ritters. Er fasst einen kühnen Plan.


Etwa 160 Kilometer östlich der Kreuzfahrer-Route liegt Edessa, eine christliche Stadt, die allerdings unter ständigen Angriffen durch moslemische Truppen zu leiden hat. Gewürz- und Textilhandel bilden die Basis des blühenden Gemeinwesens - ein durchaus lohnendes Objekt. Balduin und einige Getreue trennen sich vom Hauptheer der Kreuzritter, um sich der Perle im Osten zu bemächtigen. Toros, Oberhaupt der armenischen Stadt, begrüßt die Ankömmlinge mit freundlicher Zurückhaltung. Er ist ein schwacher, unbeliebter Regent und ohne Nachkommen. Toros erhofft sich von den Europäern vor allem Hilfe gegen die Seldschuken.

Fataler Fehler

Balduin hält mit seinen Vorstellungen nicht lange hinterm Berg. Selbstverständlich helfe er gern, aber das habe seinen Preis: die Herrschaft über die Stadt. Toros sträubt sich zunächst, bietet dann die verbriefte Nachfolge nach seinem Ableben an. Um dies zu garantieren, adoptiert er den Fremden - ein fataler Fehler. Zu spät bemerkt der alte Armenier die Falle. Der Mord an ihm macht Balduin zum Gebieter über Edessa.

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