Gebirgsjäger in Gefahr

Äthiopische Wölfe sind durch Seuchen bedroht

Er hat die Gestalt eines Schakals, eine lange Schnauze und geht gern allein auf die Pirsch. Und doch ist er eng verwandt mit Canis lupus – ein Wolf durch und durch: Der Äthiopische Wolf ist der seltenste Wildhund der Erde. Weniger als 500 Exemplare vermutet man noch verstreut in den Bergen des Hochlands. Die Art ist aufgrund von Seuchen wie Tollwut stark gefährdet. Wissenschaftler versuchen den Wolf vor dem Aussterben zu bewahren und beschreiten dabei neue Wege.

Die baumlosen Höhen des äthiopischen Hochlands sind das Reich des schakalähnlichen Wolfes. Hier trifft er auf seine Lieblingsbeute: die Afrikanische Maulwurfsratte. Dieser Nager lebt die meiste Zeit unterirdisch und muss nur zum Fressen an die Oberfläche. Der Äthiopische Wolf ernährt sich fast ausschließlich von Ratten und Mäusen. Daher jagt er auch nicht wie andere Wölfe im Rudel, sondern lauert, eher nach Katzenart, in der Nähe des Baus seiner Opfer und stürzt sich auf sie, sobald sie ins Freie kommen.

Fatale Begegnungen

Wölfinnen mit Hütehund
Vor den Hütehunden sind die Wolfweibchen nicht sicher. Quelle: ZDF

Die üppige Nahrungsgrundlage des Wolfes schrumpft allerdings zusehends. Da immer mehr Boden auch in größeren Höhen landwirtschaftlich genutzt wird, verschwinden nach und nach die Grasflächen, in denen die Nagetiere so zahlreich leben. Die Menschen bringen mit ihrer Viehwirtschaft den Äthiopischen Wolf aber noch auf andere Weise in Schwierigkeiten: Haus- und Hütehunde verbreiten Krankheiten wie Tollwut und Staupe unter den Wölfen. Das passiert vor allem, weil sich aufgrund der engen Verwandtschaft läufige Wolfweibchen immer wieder einmal mit Hunderüden paaren. Die Folgen sind fatal: Tollwut hat die Wolfspopulation schon stark dezimiert. Die IUCN stuft den Wolf mit dem wissenschaftlichen Namen Canis simensis als gefährdet ein.

Wissenschaftler bemühen sich seit Jahren um eine Eindämmung der Seuche durch Impfungen. Doch das Problem ist: Schluckimpfungen der Wölfe durch Auslegung von Ködern, wie sie in Europa üblich sind, sind in Äthiopien verboten. Die Tiere einzeln einzufangen, um sie zu impfen, ist wiederum sehr aufwendig und gleicht einer Sisyphusarbeit. Da ist es einfacher, statt der Wölfe die Hirtenhunde zu impfen. Je mehr Hunde man immunisieren kann, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass sie Krankheiten auf Wölfe übertragen. An die 70.000 Tollwutspritzen sind bisher an Haushunde verabreicht worden. Und das eröffnet neuen Spielraum für den Äthiopischen Wolf.

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