Gefährdetes Plateau

Architektonische Meisterleistung vom Einsturz bedroht

Das Inka-Reich war das größte des amerikanischen Kontinents. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts sollen hier neun Millionen Menschen gelebt haben. Bis im Jahr 1532 Francisco Pizarro kam, und die Spanier das Inka-Reich mit blutigen Schwerthieben eroberten.

Computergrafik bewohntes Machu Picchu Quelle: ZDF

Geblieben sind Geschichten, aufgeschrieben von den Chronisten der Sieger. Sie erzählen vom Ursprung und Untergang des größten Indianerreiches und berichten von sagenhaften Goldschätzen. Das wohl größte Juwel der Inka, Machu Picchu, wird nirgends erwähnt. Der Ort bewahrt sein Geheimnis bis heute. Fast 100 Jahre nach der Entdeckung ist die Bedeutung der Stadt noch immer nicht geklärt. War Machu Picchu eine Zufluchtsstätte der Inka, eine Sommerresidenz der mächtigen Herrscher oder gar der Ort der legendären Sonnenjungfrauen? Mythische Erklärungen, die Machu Picchu zur größten Touristenattraktion Südamerikas gemacht haben.

Risse in der Befestigungsanlage von Machu Picchu Quelle: ZDF

Vom Einsturz bedroht

2007 wurde die Stätte zu einem der sieben neuen Weltwunder gekürt. Doch die Ruinen sind gefährdet. Deutlich zeigen sich tiefe Risse im Haupttempel. Die steilen Andenhänge sind anfällig für Erdrutsche. Der letzte forderte elf Todesopfer. Valencia Zegarra verwaltet das Erbe der Inka. Der Archäologe und seine Mitarbeiter versuchen mit aller Macht, die Stadt vor dem Einsturz zu bewahren. Doch dabei stehen sie einem weiteren, viel größeren Gegner gegenüber. Seit langem fordern die Archäologen, die Anzahl der Besucher zu begrenzen, bislang ohne Erfolg. Die Wirtschaft Perus braucht jeden Touristen.

Auf einem künstlich angelegten Plateau in 2360 Metern Höhe, nur über steile Dschungelpfade zu erreichen, errichteten die Inka Machu Picchu. 216 Gebäude, die mit Treppen verbunden sind. Wasserkanäle, Brunnen und riesige Terrassenfelder verteilen sich auf dem Felssporn. Das gesamte Baumaterial - Erde, Sand und Steine - wurde aus dem Urubamba-Tal nach Machu Picchu gebracht. Doch wie konnten bis zu 80 Tonnen schwere Blöcke den steilen Berg hinauf gewuchtet werden? Mit Hilfe von Rampen, Rollen und Hebeln zogen tausende Arbeiter die Steinriesen durch den Fluss und beförderten sie schließlich den Berg hinauf.

Mauerreste Machu Picchu Quelle: ZDF

Terrassen stützen die Anlage

Die Gemäuer beweisen das handwerkliche Geschick der Baumeister. Ohne Mörtel und Lehm ließen die Architekten Wände errichten, in denen jeder Stein genau auf dem anderen sitzt. Keine Messerspitze passt dazwischen. Die archäologischen Grabungen Valencia Zegarras führten zu der Erkenntnis, dass eine noch weitaus größere Leistung der Architekten unter der Erde liegt. Die Statik der Stadt basiert auf den terrassierten Feldern, die beide Seiten der steilen Abhänge säumen. Schichten aus Gras, Erde und Steinen werden von Mauern gehalten. Sie stützen die Anlage.

Eine der größten Leistungen der Inka-Architekten ist die Anlage eines Leitungssystems. Durch einen fast 800 Meter langen Graben wurde das Quellwasser aus 3000 Meter Höhe über einen stetig geneigten Kanal nach Machu Picchu geleitet. Kenneth Wright leitet ein paläohydrologisches Institut in Denver. Jahrelang hat er die Wasseranlagen von Machu Picchu erforscht. Seine Untersuchungen ergaben, dass zur Blütezeit der Stadt jährlich knapp 2000 Millimeter Regen fielen. Eine Bewässerung der Terrassenfelder war deshalb nicht notwendig. Denn die Bewohner Machu Picchus litten nicht wie sonst üblich unter Dürreperioden und Wassermangel; Sie hatten mit Überschwemmungen zu kämpfen. Doch auch hier schufen die Architekten der Inka Abhilfe.

Wirtschaftsfaktor Landwirtschaft

Bis heute ist die Landwirtschaft der größte Wirtschaftsfaktor Perus. Doch die Anden sind eine Landschaft der Extreme. Im Tagesverlauf können Temperaturschwankungen bis zu 40 Grad auftreten. Die unterschiedlichen Klimazonen werden seit tausenden von Jahren genutzt. Ernteausfälle in einer Zone können so durch Erträge aus einer anderen ausgeglichen werden. Wissenschaftler gehen inzwischen davon aus, dass die Inka sogar Versuchsfelder anlegten. Ein beeindruckendes Beispiel dafür ist die Anlage von Moray. Auf den Terrassenfeldern, die unterschiedlicher Sonneneinstrahlung ausgesetzt waren, testeten die Inka die besten Bedingungen für ihre Pflanzen.

Terrassenfeld Machu Picchu Quelle: ZDF

Auch in Machu Picchu wurde die größte Fläche für den Anbau genutzt. Denn: In der sozialen Organisation der Inka war die Landwirtschaft ein Erfolgsfaktor der mächtigen Herrscher. Durch einen ausreichenden Vorrat an Nahrungsmitteln konnte das Volk in Notsituationen wie zum Beispiel Dürreperioden verpflegt werden. Noch zu Zeiten Binghams werden die Terrassenfelder von der ansässigen Bevölkerung genutzt.

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