Gefahr aus der Tiefe des Universums

Bedrohen Gammastrahlenblitze die Erde?

Am 16. Juli 1945, in der Wüste von New Mexico, USA, wurde zum ersten Mal eine Atombombe gezündet. Es war der Auftakt einer Serie von über 2.000 Nuklearwaffentests, mit denen sich die Atommächte - allen voran die USA und die Sowjetunion - während des Kalten Krieges ein zerstörerisches Wettrennen lieferten.

Die Folgen der Atomwaffentests für die Umwelt, die Sicherheit und Personen, die sich in der Nähe der Testgelände aufhielten, waren verheerend. 1962 kam die Wende: Nach einer Übereinkunft der Supermächte sollten Atombomben künftig nicht mehr oberirdisch getestet werden. Um dieses Verbot zu kontrollieren, schoss man Satelliten in den Orbit, die die Strahlung von Atombombenexplosionen registrieren konnten.

Atomwaffentests im Weltall?

Doch fünf Jahre später passierte etwas Ungeheuerliches: Der amerikanische Überwachungssatellit empfing das eindeutige Zeichen einer radioaktiven Explosion. Bald stellte sich heraus, dass das Signal seinen Ursprung nicht auf der Erde hatte. Fieberhaft brüteten die Experten über der Ursache. Da die Amerikaner den Sowjets fast alles zutrauten, kamen sie bald zu dem Schluss, dass das Signal von der Rückseite des Mondes stammen müsse. Sollte dort ein geheimes russisches Testgebiet entstanden sein? Ein absurder Gedanke.

Schwarzes Loch
Schwarzes Loch - ein Monster im Universum Quelle: ZDF

Doch erst sechs Jahre später wurde in den Tiefen des Alls, fernab unserer Galaxie, der wahre Urheber der geheimnisvollen Signale entdeckt: Sterne, die bis zu 25 Mal schwerer sind als unsere Sonne. Wenn ein solcher massereicher Stern stirbt, kommt es zu einer gewaltigen Explosion, einer Hypernova. Dabei werden die Materieschalen des Sterns nicht wie bei einer Supernova nach außen geschleudert, sondern brechen in sich zusammen und konzentrieren sich in einem kleinen Punkt. Das Gravitationsfeld des kollabierten Sterns ist so groß, dass ihm nichts mehr entkommen kann - nicht einmal das Licht. Ein kosmisches Monster ist geboren: ein Schwarzes Loch.

Energie aus Schwarzen Löchern

Wenn ein Schwarzes Loch entsteht, werden gewaltige Energiemengen frei. Diese strahlen aber nicht gleichmäßig in alle Richtungen. Vielmehr bündelt das Schwarze Loch seine gesamte Energie in einem Strahl, dem sogenannten Jet. Diese konzentrierte Energie jagt in Form von Gammastrahlen in die Tiefe des Universums. Gammastrahlen sind elektromagnetische Wellen von sehr kurzer Wellenlänge, die beim radioaktiven Zerfall entstehen.

Gammastrahlen rasen durch das Weltall (Trick)
Ein Gammastrahlenblitz jagt durch das All. Quelle: ZDF

Was die Satelliten 1967 registriert hatten und was man für das Signal einer Atombombenexplosion gehalten hatte, war die Botschaft von der Geburt eines Schwarzen Lochs, weit entfernt in der Dunkelheit des Alls. Was aber würde passieren, wenn eine solche Explosion in unserer Galaxie stattfände und ein Gammastrahlenblitz - in der Sprache der Astrophysiker ein Gamma Ray Burst - die Erde mit voller Wucht treffen würde?

Massensterben durch Gammastrahlen?

Forscher haben dieses Szenario durchgespielt. Das Ergebnis ist beängstigend: Durch die Gammastrahlen würde die Ozonschicht komplett zerstört. Das Leben wäre der Sonnenstrahlung fortan schutzlos ausgeliefert und hätte kaum eine Chance. Tatsächlich gibt es Indizien, die darauf hindeuten, dass die Erde schon einmal in ihrer Geschichte von einem Gammstrahlenblitz getroffen worden sein könnte: Vor 450 Millionen Jahren kam es zu einem Massensterben, bei dem 60 Prozent aller Arten ausgelöscht wurden.

Über die Ursache rätseln Forscher noch heute. Sollte ein Gammastrahlenblitz den Ozon-Schutzschild der Erde zerstört haben, wäre eine Aussterbewelle von unvorstellbarem Ausmaß die Folge gewesen. Und man müsste sich fragen, wie groß die Gefahr ist, dass sich ein solches Ereignis wiederholt. Inzwischen vermuten die Forscher aber, dass das Aussterben eine andere Ursache hat. Denn eine reale Bedrohung kann nur von solchen Gammastrahlenblitzen ausgehen, die in unmittelbarer Nähe im Universum entstehen. In unserer Galaxie gibt es aber kaum Kandidaten für eine Hypernova. Die Wahrscheinlichkeit für eine solche kosmische Katastrophe ist daher verschwindend gering.

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