Gefangen in Peking

Aufstand der Boxer

Im Frühjahr 1900 droht den europäischen Gesandten in Peking eine tödliche Gefahr. Im ganzen Land rotten sich Aufrührer zusammen - die "Boxer". Mit dem Ziel, die Fremden zu vertreiben. Es ist der Auftakt einer Krise, die das Reich der Mitte bis ins Mark erschüttern wird.

Aufständische Boxer mit Fackeln (Spielszene) Quelle: ZDF,Andre Pfennig

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts bedrohen europäische Kriegsschiffe das Reich der Mitte. Im Opiumkrieg von 1860 fügen England und Frankreich China schließlich eine vernichtende Niederlage zu. Die Sieger erzwingen die Errichtung von Botschaften in Peking und freie Handelszonen auf chinesischem Boden. Widerwillig öffnet China seine Häfen für ausländische Schiffe. Nach dem Opiumkrieg entsteht in Shanghai das Zentrum für den chinesischen Außenhandel. Doch die Europäer errichten nicht nur prachtvolle Bauten. Sie verfügen sogar über eine eigene Gerichtsbarkeit und werden damit zu Herren in einem fremden Land.

Seeschlacht vor der chinesischen Küste (Gemälde) Quelle: ZDF

Geheime Zauberkräfte

Auf dem Land keimt Widerstand auf. Das Volk ist gepeinigt von Naturkatastrophen und Ernteausfällen. Viele Chinesen glauben, dass die "Fremden Teufel" das Verhältnis zwischen Yin und Yang stören - die natürliche Balance der Welt. Sie bezeichnen sich als "Faustkämpfer der gerechten Harmonie", von den Europäern werden sie "Boxer" genannt - es sind Geheimgesellschaften von unzufriedenen jungen Männern. Sie üben sich in Kampftechniken und geloben, die Europäer zu vertreiben. Die Boxer behaupten, Zauberkräfte zu besitzen - und damit haben sie Erfolg. Öffentlich machen sie die Ausländer für das Elend auf dem Lande verantwortlich.

Christliche Missionare Quelle: ZDF

Vor allen Dingen eine Gruppe ist besonders verhasst: Missionare predigen seit den Opiumkriegen den christlichen Glauben in China - geschützt von den europäischen Mächten. Im ganzen Land breitet sich das Christentum aus. Doch es ist nicht nur die Überzeugungskraft der Missionare, die fast eine Million Chinesen zum Christentum übertreten lässt. Christ zu sein, hat auch weltliche Vorzüge: Kommt es zum Streit über Besitztümer zwischen Nachbarn, beklagen sich die Konvertiten über "religiöse Diskriminierung". Die Missionare wenden sich an ihre Botschaften und die Christen bekommen Recht. 1897 greift ein chinesischer Mob eine Gruppe von deutschen Missionaren an. Zwei von ihnen werden gelyncht - ein Zwischenfall mit Konsequenzen.

Deutsche Musterkolonie geplant

Der Mord an den Missionaren ist ein willkommener Anlass für die Deutschen einen Marinetrupp zu schicken und das Gebiet an der Küste der Shandung-Halbinsel in Besitz zu nehmen. Das deutsche Kaiserreich will ohnehin einen Stützpunkt für seine Fernostflotte errichten. Die Deutschen wollen die Stadt Tsingtao und das Hinterland dauerhaft in Besitz nehmen. Der Hafen sollte nur der Anfang sein, die Entstehung einer deutschen Musterkolonie war das Ziel.

Marinesoldaten Quelle: ZDF

Die Nachricht vom deutschen Handstreich erreicht die Verbotene Stadt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Am Kaiserhof wird nach Jahrzehnten der Stagnation gerade die "Reform der 100 Tage", ein ehrgeiziges Projekt, eingeleitet. Kaiser Guangxu will den chinesischen Staat nach westlichem Vorbild radikal modernisieren. Das Bildungswesen und die Staatsverwaltung, die Stützen der Gesellschaft, sollen erneuert werden. Doch dies widerspricht der chinesischen Vorstellung, dass nur die Wahrung des Ewiggleichen Erfolg bringt. Die konservativen Beamten halten den Kaiser für einen Handlanger des Westens, der die Traditionen verrät. Er wird daraufhin von der Kaiserwitwe Cixi abgesetzt. Der Übergriff der Deutschen passt dabei gut ins Konzept.

"Rote Laternen"

Soldaten bei einer Strafexpedition (Spielszene) Quelle: ZDF

Verschärft wird die Situation, als 1899 ein Streit um eine von Deutschland finanzierte Eisenbahnlinie eskaliert. Auf der Shandung-Halbinsel sabotieren Einheimische die neuen Eisenbahntrassen, weil diese über die Gräber ihrer Vorfahren führen. Von Tsingtao aus schicken die Deutschen daraufhin eine Strafexpedition, ungeachtet dessen, dass es sich um chinesisches Territorium handelt. Dutzende von Zivilisten werden in diesem Dorf getötet, ihre Häuser zerstört. Das Massaker spielt den Boxern in die Hände. Auf der ganzen Shandung-Halbinsel erhält die Bewegung regen Zulauf. Darunter auch junge Frauen, "Rote Laternen" genannt, denen man übernatürliche Fähigkeiten nachsagt. Die Führer der Boxer machen sich den Aberglauben der Bauern zunutze.



In der reichen chinesischen Hauptstadt schenkt die Regierung den Boxern wenig Beachtung. Am Kaiserhof kennt man die Sorgen der Landbevölkerung nicht. Jede Mahlzeit hat bis zu 100 Gänge. So ist es seit Jahrhunderten Tradition. Solange die kaiserliche Familie gut versorgt ist, schert sich die Regierung wenig um die Armut im Lande. Im Diplomatenviertel, direkt neben der Verbotenen Stadt, leben die wohlhabenden Europäer. Nur wenige von ihnen haben jemals von den Boxern gehört. Auch sie führen ein Leben der Privilegien. Champagner und Konserven aus Europa, Ausritte und Liebesaffären zum Zeitvertreib.

Wohlhabende Diplomatenfamilie in Peking Quelle: ZDF

Große Beunruhigung

Doch die Zeiten ändern sich. Eine Wetterkatastrophe sucht das Land heim. 1899 kommt es zu Dürre und Hungersnot. Die Boxer behaupten, die Gebete der Christen hätten die Regenwolken verscheucht. Bisher kümmern sich die Europäer wenig um die wachsende Unruhe im Land. Doch das soll sich bald ändern. Am Silvesterabend 1899 reist der britische Missionar Sidney Brookes durchs Landesinnere. Einen Grund, in sicherer Begleitung zu reisen, sieht er nicht. Nur chinesische Christen waren bisher Opfer von Überfällen geworden. Tags darauf wird Brookes Leichnam in einem Straßengraben gefunden. In Pekings Diplomatenviertel sorgt die Nachricht von der Ermordung des Missionars für große Beunruhigung.

Beratung der Landesvertreter (Spielszene) Quelle: ,ZDF

Der britische Botschafter, Sir Claude MacDonald, beruft ein Treffen der Landesvertreter ein. Er ist neu in China. Aus seiner Zeit in Afrika ist er es gewohnt, den einheimischen Regierungen Befehle zu erteilen. Über die Einschätzung der Situation ist man sich einig, nur wie lautet die angemessene Reaktion? Der deutsche Botschafter, Baron von Ketteler, setzt sich für ein hartes Durchgreifen ein. Auch der französische Gesandte ist um die Sicherheit der Missionare besorgt. MacDonald fordert schließlich die Diplomaten auf, alle nationalen Rivalitäten ruhen zu lassen. Gemeinsam sollte man die chinesische Regierung zwingen, die Boxer-Bewegung zu verbieten. Der amerikanische Botschafter pflichtet ihm bei. Nur durch hartes Durchgreifen kann man die Krise meistern. Es ist der Beginn des kollektiven Protests.

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