Sie sind hier:

Geflügelte Einsteins

Vogelhirne sind nicht immer Spatzenhirne

Doku | Terra X - Geflügelte Einsteins

Bei den Dreharbeiten zu "Terra X: Supertiere" mit Dirk Steffens verzückt der kleine Ameisenbär Guillermo das gesamte Dreh-Team.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 25.10.2021, 15:12

Cleverness ist bei Vögeln höchst unterschiedlich verteilt - wie ja auch bei anderen Wesen. Manche mögen die sprichwörtlichen Spatzenhirne haben, und "dumme Hühner" gibt es auch in der gefiederten Welt, doch beruhen derartige Zuweisungen oft auf Fehleinschätzungen eines eher ahnungslosen Betrachters. Spatzen besitzen zwar naturgemäß kleine Hirne, was aber gar nichts über ihren wahren Grips aussagt. Immerhin gehören zu den Sperlingsvögeln auch Raben, und die haben es richtig drauf.

Kea
Kea Quelle: ZDF

Hühner hingegen sind bislang nicht durch intellektuelle Höhenflüge aufgefallen. Man muss aber auch kein Einstein sein, um sich in der Natur zu behaupten. Bei manchen macht's die Masse, bei anderen ein einfacher Trick aus der Tarnen-und-Täuschen-Kiste. Wieder andere sind Opportunisten und nehmen die Dinge, wie sie kommen - wohingegen Spezialisten sich in Nischen einrichten, in denen andere gar nicht zurechtkommen. Trotz allem kann Cleverness nicht schaden, und nach diesem Motto hat die Evolution einige gefiederte Schlaumeier hervorgebracht, die es selbst mit den gewieftesten Säugetieren aufnehmen können.

Kreative Keas

Sie leben am Ende der Welt. Ihr Spieltrieb ist legendär. Ihre Kreativität hat sie bei Einheimischen verhasst und bei Wissenschaftlern begehrt gemacht: Keas. Die grünen Papageien aus der grandiosen Gebirgslandschaft der Southern Alps in Neuseeland sind immer für Überraschungen gut. Sie erschrecken arglose Camper, indem sie plötzlich die Zeltplanen hinunterrutschen, Vorräte plündern oder Autos zerlegen. Gummi- und Plastikteile sind in Nullkommanichts von den Karossen entfernt und dank der kräftigen Schnäbel zerstückelt. Dabei zeigen sie großen Einfallsreichtum und enorme Kooperationsfähigkeit. Auch Mülltonnen werden durchwühlt und - in Neuseeland ein Sakrileg - Schafe in den Steiß gepickt und so verletzt.

Keas auf einem Autodach
Keas auf einem Autodach Quelle: ZDF

In der rauen Hochgebirgswelt kommt den Keas ihr Spieltrieb sehr zugute. Denn schon früh müssen sich die Jungen mit ihrem Lebensraum vertraut machen, soziale Beziehungen ausloten und alle Überlebensmöglichkeiten kennen lernen. Was diese Vögel tatsächlich auf dem Kasten haben, konnte in wissenschaftlichen Untersuchungen gezeigt werden. Um an Futter zu gelangen, können Keas komplizierte Testkonstruktionen mit Hebeln und Knöpfen bedienen. Wenn einer allein nicht weiterkommt, holt sich dieser einen Kumpel, der beispielsweise einen Deckel hochhält oder einen Kran bedient, damit er selbst die verborgenen Schätze heben kann - und umgekehrt. Kaum ein Problem, dass Keas nicht lösen können.

Raffinierte Raben

Wer beim Autofahren einmal darauf achtet, welche Vögel dem Straßenverkehr zum Opfer fallen, wird alsbald feststellen, dass bestimmte Arten fehlen, obwohl sie überall vorkommen und sich oft auf und neben den Fahrbahnen aufhalten: Raben, Krähen, Elstern und Co. Diese geflügelten Einsteins haben sich zum einen gemerkt, dass Fahrzeuge aller Art eine Bedrohung darstellen und zum anderen gelernt, Entfernung und Geschwindigkeit eines herannahenden Wagens abzuschätzen. Geradezu provokant lässig spazieren sie vom Asphalt, wenn es für sie gefährlich wird. Es gibt Krähen, die Nüsse an Zebrastreifen auf die Fahrbahn werfen, die harten Schalen von Autoreifen knacken lassen und dann die Leckerbissen holen, wenn Fußgänger queren und die Autos warten müssen.

Kolkrabe
Kolkrabe Quelle: ZDF

Raben und Krähen sind gewiefte Tüftler und hervorragende Beobachter. Überall auf der Welt benutzen sie Gegenstände als Werkzeuge und stellen sogar eigenes Equipment her, indem sie Stöckchen, Federn oder Blätter so bearbeiten, bis sie die geeignete Form haben, um irgendein Problem zu lösen. Forscher haben entdeckt, dass etwa zweieinhalb Monate alte Krähen von sich aus mit Werkzeuggebrauch beginnen, ohne dies bei anderen Vögeln oder bei Menschen gesehen zu haben. Andererseits lernen die schwarzen Vögel auch vom Zugucken. Hat einer von ihnen einen Trick entdeckt, wie er beispielsweise Futter aus einer Flasche herausholen kann, wird sein Nachbar diese Technik sehr bald ebenso beherrschen.

Hübsche Häuslebauer

Technik ist aber nicht alles. Viele der erstaunlichsten Verhaltensweisen sind Vögeln einfach angeboren. Dass und wie ein gefiederter Häuslebauer sein Nest konstruiert, ist ihm in die Gene geschrieben. Zweifellos lernen die Vögel aber auch durch Versuch und Irrtum und perfektionieren so mit der Zeit ihre Methoden. Zu den geschicktesten Heimwerkern gehören die Webervögel. Die Männchen müssen in tagelanger Fleißarbeit an einer freien Zweigspitze eines Baumes ein Eigenheim aufhängen, das im Endstadium wie ein aufgeblasener Strumpf aussieht. Im blinden oberen Ende befindet sich die Brutkammer, am offenen unteren Ende der Eingang.

Nester von afrikanischen Webervögeln
Nester von afrikanischen Webervögeln Quelle: ZDF

Nur wenn das Männchen exakt gearbeitet hat, also jede Menge Grashalme oder andere geeignete Pflanzenteile tausende Male verknotet und verwoben hat - nur mit dem Schnabel und ohne jegliche Hilfsmittel - und alles stimmt, hat er die Chance, von einem Weibchen erhört zu werden. Daher gehen manche Juniorarchitekten anfangs leer aus, weil ihre Bauwerke noch Mängel aufweisen. Immerhin sollen die Behausungen in luftiger Höhe sicher vor Feinden sein, und davon hängt der Aufzuchterfolg ab. Da will jede Mutter in spe auf Nummer sicher gehen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Abo beendet

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.