Gefürchtete Tuareg

"Raubritter der Wüste"

Im August 1850 durchqueren die Expeditionsteilnehmer das Ténéré-Becken. Angst ist ein ständiger Begleiter. Die Wüste verzeiht keine Fehler - das haben viele Reisende erfahren müssen und mit dem Leben bezahlt.

In der schutzlosen Weite lauert eine tückische Gefahr, die der Expedition fast zum Verhängnis wird. Tuareg! Das Wort alleine genügt, um die Karawane in Angst und Schrecken zu versetzen.

"Liefert die Christen aus!"

Die gefürchteten "Raubritter der Wüste" beginnen nun ein geschicktes Katz- und Mausspiel, um die einheimischen Leibwächter von den "ungläubigen" Europäern zu trennen. Sie nutzen die religiösen Unterschiede und fordern immer wieder: "Liefert die Christen aus!" "Als die Dunkelheit über das Lager hereinbrach, erschienen die drei Banditen sogar zum Essen. Keiner unserer Begleiter wagte sie abzuweisen!" Jedes Vorkommnis, jede Beobachtung wird von Barth schriftlich festgehalten. Vieles von dem, was er als Erster entdeckt und wissenschaftlich interpretiert hat, ist noch heute gültig. Sein Reisebuch wird das Standardwerk aller Sahara-Reisenden.


Am Morgen sind die Wegelagerer wieder in der unendlichen Weite verschwunden. Doch die Bedrohung ist nicht zu vorbei; sie ist nur für kurze Zeit unsichtbar. Als in der Ferne ein neuer Trupp gut bewaffneter Reiter auftaucht, erkennt Barth sofort den Ernst der Lage. Es ist eine unkalkulierbare Situation, denn noch sind die Tuareg die uneingeschränkten Herren in der Wüste. Doch Barth erkennt, dass sie es nicht auf das Leben der Reisenden abgesehen haben, sondern lediglich einen Wegzoll verlangen. Das Leben der drei Christen muss teuer ausgelöst werden.

Archaische Welt

Nach der so glimpflich überstandenen Gefahr kann sich der Forscher jetzt wieder ganz auf seine Arbeit konzentrieren. Von allen bemerkenswerten Orten fertigt er Bleistiftzeichnungen an für spätere Druckvorlagen. Präzise beschreibt er die geologischen und klimatischen Bedingungen. Die Gebirge im Herzen der Sahara wirken buchstäblich wie Wolkenkratzer, wenn während der Regenzeit die Monsunwolken aus den Tropen nach Norden ziehen. Darum kommt es hier in der Bergwelt des Air alljährlich zu sporadischen Regenfällen, die ein von der umgebenden Wüste völlig verschiedenes Mikroklima schaffen.

Die Welt der Oasenbewohner ist eine archaische Welt, in der die Zeit stillzustehen scheint: eine ruhige, abgeschlossene Insel an der Quelle des Lebens, dem Wasser. Die Dattelpalme ist die Lebensgrundlage aller Oasenkulturen, denn sie verträgt am besten salziges Wasser. Die fruchtbarsten Arten können bis zu 100 Kilo Früchte tragen. Ein kompliziertes Kanalsystem leitet genau zugemessene Mengen von Wasser auf jedes einzelne Feld.

Dinosaurier-Friedhof

Wie der Garten des Paradieses mag den Menschen, die aus der Wüste kommen, die üppig grüne Welt der Oase erscheinen. Ein Wunder in der Mitte des Sandmeers. Danach ist der Aufbruch in die Wüste jedes Mal aufs Neue ein Schock - und eine Offenbarung. Für den Reisenden Barth unsichtbar, verbirgt der Sand eine Sensation: einen Dinosaurier-Friedhof. Seit Jahrhunderten sind die Nomaden in der bergigen Wüste des Niger immer wieder auf mysteriöse Knochen riesiger Tiere gestoßen. Mit fünf Metern Schulterhöhe und 20 Metern Länge erreichten diese friedlichen Pflanzenfresser 20 Tonnen Körpergewicht. Auch der versteinerte Baumstamm belegt Barths These: Damals vor 135 Millionen Jahren muss die Sahara ein üppiger Regenwald gewesen sein. Heute sichern nicht einmal 80 Meter tiefe Wurzeln den Akazien-Bäumen das Überleben. Bald sind die letzten Zeugen besserer Zeiten verdorrt.

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