Gegensätzliche Kulturen

Mauren im Süden, Wikinger im Norden

Beschleunigt durch eine abrupte Abkühlung des Klimas findet Roms Herrschaft ein jähes Ende. Missernten und Hungersnöte zwingen die Völker Nord- und Osteuropas, ihre Heimat zu verlassen. Sie rücken teilweise bis nach Norditalien vor. In Spanien etablieren sich die Mauren, Nordstämme erkunden fremde Gewässer.

Im Norden erobert die Wildnis verlassenes Kulturland zurück. Es ist, als bräche eine neue Eiszeit herein. Zum ersten Mal seit Jahrhunderten frieren Rhein und Donau zu. Ungehindert stoßen die Barbarenheere über die Grenzflüsse vor.

Präsente Zeugnisse römischer Herrschaft

Fast Tausend Jahre hat Rom Europa beherrscht. Nun bröckelt seine Macht in wenigen Jahrzehnten und mit ihr die Paläste, die Städte und Straßen. Dennoch bleiben die Zeugnisse der römischen Herrschaft in den europäischen Landschaften noch für Jahrtausende präsent: ob in den Weinbergen entlang des Rheins oder mit dem Hadrianswall im Norden Englands.


Auch wenn die Präsenz der Römer in ganz Europa allgegenwärtig schien, so sind dennoch einige Regionen innerhalb des riesigen Reiches völlig unberührt geblieben. Ungenutzt, abgeschrieben als wertloses Ödland warten sie noch auf ihre Blüte. Spanien zum Beispiel ist ein durstiges und ausgedörrtes Land. Hoch über der Wüste gibt es schneebedeckte Gipfel. Die höchsten der Iberischen Halbinsel befinden sich in der Sierra Nevada. In diesen Bergen liegt der Schlüssel zum Reichtum ganz Andalusiens: Schmelzwasser. In den richtigen Händen wird dieser Schatz reichlich Früchte tragen.

Bewässerungsspezialisten aus Afrika

Nach dem Fall Roms sind fremde Völker aus allen Richtungen durchgezogen. Eines ist sesshaft geworden: ein Volk von Kanalbauern - Berber vom Nordrand der Sahara. Sie haben Erfahrung mit trockenem Land. Über Tausende von Jahren haben sie das Schmelzwasser der marokkanischen Berge genutzt und die Wüste zum Blühen gebracht. Die Mauren, wie sie später genannt werden, sind Bewässerungsspezialisten. Ab dem achten Jahrhundert bringen sie ihr Können nach Spanien. Sie bauen Dämme, Staubecken, Aquädukte und ein weit verzweigtes Netzwerk großer bis winziger Kanäle - Zehntausende Kilometer lang.

Damit ein Feld bewässert werden kann, muss es vollkommen eben sein. Ein paar Jahrhunderte nach Ankunft der Mauren ist nahezu jeder Hang in der Reichweite eines Kanals terrassiert. In 700 Jahren lassen die Einwanderer Europas trockenste Ecke ergrünen. Die Früchte, die sie aus ihrer Heimat mitgebracht haben, erinnern überall an die afrikanischen Wurzeln Südspaniens. Mit Wasser schaffen die Mauren wahre Wunder. Die schönsten Gärten des Kontinents gehören bis heute dazu. Die Alhambra, Granadas Königspalast, ist eine einzige Verherrlichung des Lieblingselements maurischer Kultur. Eine Fantasie von Fontainen, Wasserbecken und Kaskaden. Geschnitzt in Marmor und Alabaster.

Sonnenlose Winter im Norden



Seit dem Untergang des römischen Imperiums werden Europas Landschaften von den gegensätzlichsten Kulturen geprägt. Dies geschieht im Süden ebenso wie hoch im Norden. Am arktischen Saum des Kontinents herrschen kalte Nebel und sonnenlose Winter. Der Boden ist karg, aber das Meer voller Leben. Hier mischt sich der warme Golfstrom mit kaltem, nährstoffreichem Wasser aus dem Norden. Üppiges Plankton lockt riesige Fischschwärme an. Und auch die Jäger der Lüfte holen sich ihren Anteil.

So hoch im Norden hängt das Leben an Land direkt vom Leben im Meer ab. Seit an diesen Küsten die Gletscher der Eiszeit geschmolzen sind, haben sich hier Menschen angesiedelt. Sie leben von dem, was das Meer ihnen bietet. Doch die Enge zwischen Meer und Bergen zwingt die wachsende Bevölkerung immer wieder in die Ferne, auf der Suche nach grüneren Küsten.

Seefahrer und Händler

Die Nordstämme werden Seefahrer und Händler. Ihre Schiffe sind für schwere Lasten gebaut. Frischer und luftgetrockneter Kabeljau ermöglicht den Wikingern lange Seefahrten, von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer und zum Mittelmeer. Fünfhundert Jahre vor Kolumbus sollen sie sogar Amerika erreicht haben.
In Skandinavien gibt es noch Holz im Überfluss. Die Wikingerschiffe bringen es nach Süden, wo nun selbst die Wälder gerodet werden, welche die Römer haben stehen lassen. Europas alte Baumriesen sind gefallen. Sie schufen Platz für immer neues Ackerland, Häuser und Schiffe wurden gebaut.

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