Geheimaktion Nikäa

Die Kreuzfahrer in Bedrängnis

Nachdem sich die Fürsten über das weitere Vorgehen geeinigt haben, verlassen die verschiedenen Kreuzfahrer-Abteilungen nach und nach Konstantinopel. Auf Schiffen des Kaisers gelangen sie nach Kleinasien. Ihr erstes Ziel: Nikäa, die Hauptstadt des Seldschuken-Sultans Qilidsch Arslan.

Strategisch günstig an einem See und einer wichtigen Ost-West-Verkehrsachse gelegen, war Nikäa bis vor kurzem ein bedeutendes byzantinisches Zentrum. Die Stadt ist bestens befestigt. Zehn Meter hohe Mauern und ein breiter, etwa fünf Kilometer langer Wall umgeben sie von drei Seiten. 200 Türme verstärken die Schutzanlagen.

Heimlicher Kontakt

Im Mai 1097 wird es ernst. Gottfried von Bouillon und seine Mannen wollen gemeinsam mit den anderen Teilarmeen und byzantinischen Einheiten Nikäa erstürmen. Die Kampfmoral der Kreuzfahrer ist hoch. Noch halten die moslemischen Verteidiger ihre Stellungen, doch der Sieg der Christen ist nur eine Frage der Zeit. Die Byzantiner schleppen Schiffe über Land zum See, um auch vom Wasser aus die Angriffe der Kreuzfahrer zu unterstützen. Doch eines Nachts nehmen Unterhändler von Kaiser Alexios heimlich, ohne Wissen der europäischen Verbündeten, Kontakt zu den seldschukischen Kommandeuren auf.

Die kaiserliche Abordnung will verhindern, dass die wohlhabende Stadt geplündert wird - ohne Verluste soll sie samt Bürgern und Besitz wieder in byzantinische Hand kommen. Schnell verstehen die Moslems, was ihnen bei gewaltsamer Einnahme Nikäas durch die Kreuzfahrer bevorstünde. Am Morgen künden die Fahnen des Kaiserreiches auf den Türmen Nikäas vom Erfolg der Geheimaktion. Der Skorpion hat seinen Stachel gezeigt.

Misstrauen gegen Alexios

Die Kreuzfahrer dürfen die Stadt nicht betreten. Um ihre Kriegsbeute von den eigenen Verbündeten betrogen, ziehen sie am 26. Juni enttäuscht ab. In ihren Herzen gären Groll und Misstrauen gegen Alexios und die Byzantiner. Auf dem Weg durch die gebirgigen Einöden Kleinasiens stehen die Christen unter ständiger Beobachtung. Sie ahnen nichts von der Gefahr. Ungesehen taxiert Sultan Qilidsch Arslan von den Höhenzügen aus die Feinde, die ihm Nikäa wieder entrissen haben.

Der Seldschuken-Fürst sinnt auf Rache für die erlittene Schmach. Er ist fest entschlossen, mit der vollen Schlagkraft seiner mehr als 50.000 Kämpfer anzugreifen. Als geeigneten Ort für den geplanten Überfall wählt er ein Tal bei Doryläum, ungefähr 60 Kilometer südöstlich von Nikäa. Die Pfade, auf denen die Kreuzfahrer vorrücken, sind schmal. Nur fünf Personen können nebeneinander gehen. So windet sich das 60.000-Mann-Heer in einer schier endlosen Schlange gen Osten.

Frühe Attacke

Die Kommandeure entscheiden, in getrennten Verbänden zu marschieren. Eine Abteilung führt Bohemund von Tarent. Im Morgengrauen des 1. Juli greifen die Reiterscharen des Sultans an. Bohemunds Männer haben mit der frühen Attacke nicht gerechnet. Die Seldschuken preschen einfach durch das nur behelfsmäßig befestigte Lager. Mit Mühe gelingt es den Kreuzrittern, Verteidigungslinien aufzubauen.

Doch gegen die Kavallerie der Moslems stehen die christlichen Kämpfer auf verlorenem Posten. Der Gegner ist zahlenmäßig haushoch überlegen. Welle für Welle sprengt heran. Dabei wenden die Seldschuken eine Taktik an, die den meisten Rittern unbekannt ist. Mit Pfeil und Bogen auf Distanz, nicht Mann gegen Mann mit Lanze und Schwert wie im Abendland üblich, beherrschen die Orientalen die Schlacht.

Zweiter Trumpf

Neben den exzellenten berittenen Bogenschützen spielt der Sultan einen zweiten Trumpf aus: die Naukia-Fußsoldaten mit besonderem Kriegsgerät. Ihre Pfeile fliegen fast 500 Meter weit. Durch den niedergehenden Geschosshagel sollen möglichst viele Gegner getötet oder verletzt und Gefechtsformationen geöffnet werden. Erst wenn sich die feindliche Schlachtordnung auflöst, gehen die Muslime zum direkten Zweikampf über.

Die Lage der Kreuzritter scheint hoffnungslos. Bohemunds 20.000-Mann-Heer hat bereits 4000 Leute verloren. Da naht endlich Verstärkung. Von einem Boten Bohemunds zu Hilfe gerufen, bringen Gottfried von Bouillon und andere Heerführer mit ihren Kampfverbänden die Wende. Geschockt und in Panik ergreifen die Truppen von Qilidsch Arslan die Flucht.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet