Die Mond-Story als "Mords"-Story

Williams Charles Kaysing veröffentlicht 1976 "We never went to the moon"

Die Weltöffentlichkeit ist geradezu betäubt von den unglaublichen Berichten zur geglückten Apollo 11-Mission im Juli 1969. Anders als bei sonstigen wissenschaftlichen oder technischen Errungenschaften üblich, hat sie einer publicitywirksamen Inszenierung beiwohnen können, die zwar ungläubiges Staunen, aber zunächst keinen Zweifel aufkommen lässt – zunächst.

Wer kann auch schon ein derart komplexes technologisches Unternehmen beurteilen? Aber genau da liegt der Hase im Pfeffer. Einer der ersten Zweifler, die sich nennenswerte Aufmerksamkeit verschaffen, ist William Charles Kaysing. Als Bachelor of Arts ist Bill Kaysing weder Naturwissenschaftler noch Ingenieur. Er hat sich als Autor mit Themen aus den verschiedensten Wissensgebieten beschäftigt. Von 1957 bis 1963 war er jedoch Leiter der Technischen Dokumentation beim NASA-Zulieferer Rocketdyne. Diese Firma stellte Triebwerke der Saturn-V-Raketen her. 1976 veröffentlicht Kaysing sein Buch «We Never Went to the Moon». Wie der Titel ahnen lässt, bestreitet der Autor die Mondlandungen rundheraus. Dabei verkauft er sich geschickt als Insider, der intimen Einblick in die Mercury-, Gemini- und Apollo-Programme der NASA gehabt habe.

Flatternde Fahnen, falsche Schatten

Hier ist kein versponnener Esoteriker am Werk, sondern hier schreibt einer, der es wissen muss – so setzt er sich zumindest in Szene. Die NASA sei technisch gar nicht auf dem Stand gewesen, einen Menschen zum Mond zu bringen. Außerdem will er eine ganze Reihe Ungereimtheiten im Foto- und Filmmaterial entdeckt haben: im Vakuum flatternde Fahnen, markierte Mondfelsen, falsche Schatten, fehlende Landekrater und zahlreiche Kleinigkeiten, die für Kaysing zu entscheidenden Indizien werden. Sie geben ihm klare Hinweise auf eine großangelegte Verschwörung von NASA, CIA und anderen Organisationen. Die verbrannten Astronauten von Apollo 1 sieht er als Mordopfer.

Einer von ihnen, Virgil Grissom, hatte sich in der Tat unerhört kritisch zur gesamten Apollo-Technik geäußert. Apollo sei ein Eimer Schrauben, hatte er in einem öffentlichen Interview gesagt. Immerhin waren vor dem Feuer 20.000 Fehlfunktionen bei Apollo 1 festgestellt worden. Seit dann auch noch der mit der Untersuchung des Vorfalls beauftragte Ermittler Thomas Ronald Baron samt seiner Familie auf dubiose Weise ums Leben kam, riecht es für Kaysing ganz eindeutig nach einem Komplott – und wirklich aufgeklärt sind die Ereignisse tatsächlich bis heute nicht. Offiziell war es eine Verkettung unglücklicher Umstände.

Die Schar der Verschwörungstheoretiker wächst

Kaysings Buch macht Furore. Es ist ja auch eine «Mords»-Story. Die Schar der Verschwörungstheoretiker wächst. Es erscheinen weitere Publikationen, die viele Argumente aufführen, um die Öffentlichkeit an den Mondlandungen zweifeln zu lassen. Jedes Detail wird unter die Lupe genommen, und immer mehr Widersprüche – scheinbare oder reale – geraten in den Fokus. Dabei werden viele Behauptungen aufgestellt, ohne wissenschaftlich exakte Belege vorzuweisen – eine einfache, aber wirksame Methode.

Doch die NASA setzt sich kaum ernsthaft mit dieser Szene auseinander, vielleicht in der Hoffnung, dass durch Ignorieren die Attacken ins Leere laufen. Die Vorwürfe müssten ja wohl erst einmal von der Gegenseite bewiesen werden. Doch die Geschichten bleiben im Umlauf und erreichen Hollywood. Top-Regisseur Peter Hyams bringt 1977 seinen Science-Fiction-Film «Unternehmen Capricorn» in die Kinos. Er erzählt die Geschichte einer gefakten bemannten Mars-Mission – also im Grunde genau die Story, die der NASA von den Verschwörungstheoretikern unterstellt wird, nur eben auf einen anderen Himmelskörper bezogen.

Auf den ersten Blick durchaus glaubwürdige Behauptungen

Auch in diesem Film werden drei Astronauten zum Schweigen gebracht, und zwar indem man mit der Ermordung ihrer Ehefrauen droht – eine Geschichte ganz nach dem Geschmack von Verschwörungstheorieanhängern. Im Jahr 2001 geht der als Dokumentation bezeichnete Film von John Moffet «Conspiracy Theory: Did We Land on the Moon?», an dem Bill Kaysing mitwirkt, beim US-Sender FOX über den Äther. Er wird wenig später auch in Deutschland ausgestrahlt. Erneut werden viele Behauptungen aufgestellt, die auf den ersten Blick durchaus glaubwürdig wirken. Der Bericht beschreibt auch die Ansicht der Mondlandungsleugner, wesentliche Teile der Apollo-Story seien in geheimen Filmstudios auf dem mysteriösen militärischen Sperrgebiet «Area 51» in der Wüste von Nevada gedreht worden. Alles scheint möglich, nur reale Mondlandungen nicht.

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