Geheimnisse im Eis

Abenteuerliche Fundstücke

Menschen, Mammuts, Flugzeuge - im ewigen Eis verbargen sich in der Vergangenheit unzählige, historisch bedeutsame Fundstücke. Sie dokumentieren die Fähigkeit des Eises, Dinge zu konservieren - ebenso wie die unglaubliche Kraft und Geschwindigkeit, mit der sich das Eis fortbewegt.

Flugzeug der "verlorenen Schwadron" Quelle: Bucher Verlag

Im Sommer 1942, der Zweite Weltkrieg tobte in Europa, waren viel zu wenige US-Kampfflugzeuge in Großbritannien stationiert. So starteten die Alliierten die "Operation Bolero", um ihre strategischen Streitkräfte aufzustocken. Es war riskant, die Flugzeuge per Schiff zu transportieren, da deutsche U-Boote die Konvois der Alliierten angriffen.

Daher beschloss man, einige Flugzeuge nach Großbritannien zu fliegen - mit Zwischenlandungen zum Auftanken in Labrador, Grönland und Island. Am 15. Juli waren in dieser Mission 25 Soldaten der Luftstreitkräfte mit zwei B-17 Flying Fortress-Bombern und sechs B-38 Lightning-Kampfflugzeugen unterwegs, als sie über Grönland in schlechtes Wetter gerieten, auf dem Eis landen und ihre Flugzeuge verlassen mussten.

Langstreckenbomber "Flying Fortress" Quelle: ZDF

Eis verleibt sich die Flugzeuge ein

Jahr für Jahr wurden diese von neuem Schnee bedeckt, bis sie Teil der grönländischen Eisdecke wurden. Eine Gruppe von Flugzeug-Fans kehrte 46 Jahre später zurück, um die verlorene Schwadron mit Radar zu orten und zu bergen.

Aufzeichnungen über die Schneefälle ließen vermuten, dass die Flugzeuge sich in circa 15 Metern Tiefe befanden, doch tatsächlich lagen sie unter 80 Meter Gletschereis. Das halbe Jahrhundert im Eis hatte ihnen nicht gut getan. Bei dem Versuch, eine der Flying Fortress auszugraben, stellte sich heraus, dass sie durch die ständige Bewegung ihres eisigen Grabes schweren Schaden genommen hatte.

Heimflug mit 65 Jahren Verspätung

Später gelang es, eine der Lightning B-38 zu bergen. Diese kleineren Flugzeuge konnten den Kräften des Eises offenbar mehr Widerstand bieten: Das Kampfflugzeug wurde wiederhergestellt und - mit 65 Jahren Verspätung - nach Großbritannien geflogen.

Mumifizierte Mammuts in der Eiswüste

Die verlorene Schwadron zeigte auf beeindruckende Weise, wie schnell das Eis in Grönland anwächst, was für Klimaforscher besonders interessant ist. Es wurden jedoch noch erstaunlichere Dinge im Eis gefunden. Die wohl berühmteste Entdeckung war "Ötzi", der steinzeitliche Jäger, der vor 5000 Jahren auf einem hohen Alpenpass ums Leben kam und dort begraben wurde, bis Kletterer ihn 1991 fanden. Sein Körper und die Dinge, die er bei sich trug, waren so gut erhalten, dass die Bergsteiger ihn zunächst für einen neuzeitlichen Leichnam hielten.


Ganze Mammutkadaver wurden in den gefrorenen Wüsten Sibiriens gefunden, woraufhin spekuliert wurde, man könne die Art vielleicht wieder zum Leben erwecken.

Und dann gibt es den Fall von Stardust, einem britischen Flugzeug, das 1947 bei einem Flug über die Anden verschwand. Das Wrack und einige der Opfer wurden erst 50 Jahre später in einem Gletscher gefunden, der sie den Berg hinabgetragen hatte.

Ein riesiger See im ewigen Eis

Doch erst seit wenigen Jahren weiß man, was das Eis alles verbergen kann. Bodendurchdringende Radargeräte, seismische Untersuchungen und Satellitenbilder enthüllten 1996, dass sich 4000 Meter tief unter dem größten antarktischen Eisschild ein großer See aus flüssigem Wasser befindet. Er wurde "Lake Vostok" genannt und ist seit gut einer halben Million Jahren von Eis bedeckt - womöglich schon viel länger. 1998 bohrten Forscher ein Loch in den Eisschild und entnahmen Eisproben knapp oberhalb der Wasseroberfläche. Die Proben enthielten mikrobische Lebensformen, was darauf hindeutet, dass der See ein einzigartiges Ökosystem beherbergt, das sich völlig isoliert vom Rest unseres Planeten entwickelte. Den See selbst zu untersuchen stellt die Wissenschaftler aber vor ein Problem: Um Wasserproben zu entnehmen, müssen sie das Eis komplett durchbohren. Damit würden sie höchstwahrscheinlich das reine, prähistorische Wasser des Sees kontaminieren.

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