Geheimnisse im Meer

Tauchfahrt in die Vergangenheit - Die Korsaren von Saint-Malo

Noch immer regen die Korsaren, eine spezielle Gattung der Seeräuber, die Phantasie der Menschen an. Saint-Malo verdankt seinen Wohlstand dem Handel und Fischfang, seinen Ruhm jedoch den Freibeutern.

"Musektiere der Meere"

Festungsmauern boten den Korsaren im 18. Jahrhundert Zuflucht. Unter der Herrschaft Ludwig XIV. kämpfte Frankreich um die Vormachtstellung in Europa. Vor allem die englische Handelsschifffahrt fürchtete die Freibeuter aus Saint-Malo. Die "Musketiere der Meere" leisteten dem Sonnenkönig wichtige Dienste und verschafften ihrem Heimathafen einen einzigartigen Ruf. Die zivilen Seeleute waren als mutige Kämpfer und Strategen bekannt, ihre Flotte galt als äußerst schnell und wendig. Wenn sich das Wrack von Natiére tatsächlich als Korsar erweist, würde sich manche Wissenslücke schließen.

Legale Beutezüge

Beamte des Königs stellten den so genannten Kaperbrief aus, einen Kriegsauftrag, der die Räuberei legitimierte. Mit dem Schriftstück an Bord waren die Beutezüge der Kapitäne völlig legal. Fielen Kapermannschaften in feindliche Hände, wurden sie nicht als Piraten behandelt: sie galten als Kriegsgefangene. Die Korsaren verbrachten Monate, manchmal Jahre auf See und jagten Handelsschiffe ohne Eskorte. Obwohl nur für 150 Personen gebaut, fuhren auf den Malouiner Schiffen oft bis zu 400 junge Matrosen. Die meisten von ihnen waren noch keine 20 Jahre alt.

Perfekte Koordination

Angesichts der Größe des Grabungsfeldes und der in ihm ruhenden Geheimnisse wollen Michel L'Hour und Elisabeth Veyrat keine Risiken eingehen. Auch das Team für die zweite Expedition besteht fast ausschließlich aus professionellen Archäologen, allesamt erfahrene Taucher. Die Arbeiten müssen perfekt koordiniert sein, um die kurze Tauchzeit optimal zu nutzen. Alle sichtbaren Gegenstände werden erfasst und ihre Lage im Detail kartografiert. Mit Spezialgeräten rekonstruieren die Taucher den gesamten Fundort dreidimensional. Die Sammlung der Daten ist eine langwierige Aufgabe und sie erfordert größte Sorgfalt. Die Identifizierung des Havaristen scheint nur eine Frage der Zeit. Tausende Anhaltspunkte liegen vor den Forschern ausgebreitet, doch noch dürfen sie nichts davon berühren. Mit den am Meeresboden ermittelten Messdaten nimmt die Gesamtstruktur des Wracks allmählich Form an. Auf einem Plan wird jeder einzelne Gegenstand - soweit erkennbar - festgehalten.

Verwirrende Anhäufung

Mit jedem Tag der Expedition vervollständigt sich das Bild der Archäologen von dem Unglück vor rund 300 Jahren. Immer weitere Details werden in die Skizze eingefügt. Die Anordnung der einzelnen Teile lässt möglicherweise Rückschlüsse auf die Ursache des Schiffbruchs zu. Die Forscher entwickeln eine Vorstellung davon, wie die Fregatte damals auf den Grund des Hafens von Saint-Malo gesunken sein könnte und die schwere Ladung die Bordwände durchschlug. Das Wrack blieb der Zeit und dem Meerwasser überlassen. Die korrodierten Teile liegen wie Blätterteig in Schichten zusammengedrückt übereinander. Eine verwirrende Anhäufung von Elementen und Bruchstücken, umgeben von Ablagerungen und Algen.

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