Geheimnisvolle Sonneninsel

Mythisches Zentrum des Inkareiches

Als die Inka den Titicacasee im 15. Jahrhundert eroberten, machten sie eine Insel zum Ursprungsort ihrer eigenen mythologischen Geschichte: die Sonneninsel. Überall auf der Insel sind Ruinen und Ritualstätten verstreut.

Der heilige Stein der Inka, la Piedra Sagrada, steht auf dem Gelände von Inselbewohner Faustino Ramos. Früher sollen hier auch Menschenopfer dargebracht worden sein, sagt er.

Der "Pumafelsen"

Ganz oben auf der Insel befindet sich eine rätselhafte Ruine. Chincana, das Labyrinth, wird sie genannt. Die Steine sind kaum bearbeitet. Über die Funktion der Anlage streiten die Gelehrten. 200 Meter weiter steht der Felsen "Titi-Khar'ka". Er gab dem Bergsee seinen Namen. Die Bewohner der Insel nennen ihn "Pumafelsen". Sie glauben, einen liegenden Puma zu erkennen.

Abglanz der Sonne

Vor der Küste, zwischen drei kleinen Inseln, soll eine versunkene Stadt liegen, Marka Pampa genannt. Archäologen wurden bei einer Tauchexpedition fündig, sie entdeckten Reste von Mauern. Der Wasserspiegel des Titicacasee lag früher bis zu 45 Meter tiefer. Es sind nicht nur Mauern, die die Taucher finden, sondern auch Ritualgegenstände. Stand hier einst ein Tempel? Ihre Ausbeute ist sensationell: eine Goldscheibe, Opferschalen aus Ton und ein goldener Becher.


Gold hatte für die Inka einen mythisch religiösen Wert. Prächtig waren die Tempel mit Goldplatten ausgekleidet. Alle Rituale waren im warmen Schein des edlen Metalls gebadet. Gold war der Abglanz der Sonne, oder ihr Schweiß. Ihre Tränen möchte man sagen, wenn man an das traurige Ende des Inkareiches denkt, als Spanier mit anderen Götzen im Kopf raubend über das Land herfielen.

Überall am Titicacasee finden man Spuren der Inkakultur. Im Ort Chucuito steht ein bemerkenswerter Bau. Inca Uyo, der Fruchtbarkeitstempel. Hier finden sich phallisch behauene Steine, deren Herkunft ungewiss ist. Sind sie Inka? Einige sind zum Boden, zu Pachamama, gerichtet, andere zum Himmel, zum Sonnengott Inti. In der Mitte steht der Königsphallus. Die sorgfältig aneinandergepassten Steine deuten auf die Inka, doch die Lupacas haben bereits vor den Inka diese Mauern errichtet. Wer hat also von wem gelernt?

Kultureller Einfluss

Am Südufer des Titicacasees, erforscht der finnische Archäologe Risto Kesseli mit seinem Team Grabtürme der Präinka-Kultur der Aymara. Diese Chullpas wurden auch noch während der Inkazeit von ihnen weitergebaut. Bestattungsart und Mumifizierung geben Kesseli Informationen über den kulturellen Einfluss der Inka auf die von ihnen besiegten Völker. Die Schädel wurden künstlich deformiert. Damals ein Schönheitsideal.

Weiter oben stehen die imposanten Mausoleen von Sillustani. Auffällig ist auch hier die exakte Bearbeitung der Steine. Haben etwa die Inka ihre Baumeister aus dieser Gegend geholt, um in Cusco die berühmten Gebäude zu errichten? War ihr architektonisches Wissen vielleicht geborgt und stammte eigentlich von den Völkern hier am Titicacasee? Bis zu zwölf Mumienbündel wurden von den Archäologen in den Chullpas entdeckt. Die Andenvölker glaubten an ein Leben nach dem Tod.

Antii Korpisaari gehört zum finnischen Archäologenteam rund um Ari Siiriänen. Auch er gräbt am Titicacasee. Besonders interessiert ihn, wie die Frühkulturen der Titicaca-Region im Imperium der Inka aufgingen. Korpisaari hat einige Fundstücke, die Tierköpfe darstellen. Stammen sie aus der Andenwelt?




Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet