Geheimnisvolle Südsee

Wie die Inselwelt die Menschen prägt

Inmitten der unendlichen Weite des Pazifiks liegen weit verstreut mehrere Tausend Inseln. Diese Region galt seit der Entdeckung der westlichen Eroberer als Paradies auf Erden. Doch im Verborgenen schlummern viele Geheimnisse, die es noch zu enträtseln gilt: Wie konnten die Inseln, umgeben vom riesigen Pazifik, überhaupt besiedelt werden, und wohin verschwanden die Zwergenmenschen von Palau?

Ein Mann aus Pentecoste konzentriert sich auf seinen Sprung. Quelle: ZDF

In einer Höhle in Palau wurden Tausende menschlicher Knochenreste gefunden, versteinert und uralt. Auffallend ist die seltsame Form der Schädel. Eine Rekonstruktion ergibt: Diese Menschen waren Zwerge, verglichen mit unserer Durchschnittsgröße nur so groß wie ein fünfjähriges Kind. Handelt es sich hier um ein bisher unbekanntes Kapitel der Entwicklungsgeschichte des Menschen?

Evolution im Zeitraffer?

Die Analyse von 12.000 Knochenproben ergab, dass dieses kleinwüchsige Volk nur etwa 1500 - 3000 Jahre alt ist, also zeitgleich mit normalgroßen Menschen lebte. Wissenschaftler vermuten, die Menschen könnten als Folge des geringen Nahrungsangebotes auf den isolierten Inseln nicht größer geworden sein. Die Veränderung im Körperbau könnte eine Anpassung an die karge Umwelt gewesen sein. Doch die Inseln wurden erst vor 4000 Jahren besiedelt. Dass sich Menschen in wenigen Hundert Jahren so verändern, galt bisher als undenkbar. Ein Hinweis stützt diese These: Forscher fanden Zähne, die ungewöhnlich groß waren. Zähne verändern sich sehr langsam im Laufe der Evolution. Das stärkt die Theorie, die Höhlenmenschen könnten sich überraschend schnell verändert und so an die Nahrungsknappheit angepasst haben. Die Zähne hinkten dieser Entwicklung hinterher.

Plan fundorte Südsee 2

Doch ein Rätsel bleibt: Was geschah mit dem geheimnisvollen Zwergenvolk von Palau? Kamen einst fremde Stämme auf die Inseln? Haben die Vorfahren der heutigen Palauer die Höhlenmenschen im Krieg um Ressourcen ausgelöscht? Das wäre denkbar. Doch beim Vermessen der Lage der Fossilien fällt auf, dass die Knochenreste gehäuft in den hintersten Ecken der Höhle liegen. Zudem sind viele der Fossilien von Meeressediment bedeckt. Könnten sie in die Höhle hinein geschwemmt worden sein? Vielleicht hat ein Tsunami das Zwergenvolk ausgelöscht? Gut möglich. Denn der paradiesische Schein trügt. Die Südseebewohner sind der ständigen Bedrohung durch Naturgewalten ausgeliefert. Denn unter dem Meeresboden brodeln geologische Urgewalten.

Ein geologisches Pulverfass

Mehr als zehntausend Meter tief fallen die Steilhänge der Inselberge hinab bis auf den Grund des Pazifiks. Hier quillt heißes Magma aus dem Innern der Erde. Durch den Kontakt mit kaltem Wasser kühlt es ab. So entsteht stetig neuer Ozeanboden. Angetrieben von der Kraft aus dem Innern der Erde schieben sich Erdplatten aufeinander zu. Im Westpazifik drückt die philippinische die pazifische Platte nach unten. Es entstehen kilometertiefe Wunden in der Erdkruste. So bildete sich auch die tiefste Stelle unseres Planeten, der Marianengraben.

Der Meeresgrund liegt hier über elf Kilometer tief unter dem Ozean. Immer wieder verhaken sich Erdplatten, Spannung baut sich auf, die sich urplötzlich entladen kann. Dann schnellt ein Teil der Erdkruste mehrere Meter hoch: Ein Tsunami entsteht und rast als unscheinbare Welle über das Meer. Riesenwellen türmen sich erst auf, wenn der Tsunami auf eine flache Küste trifft. Denn das bremst seine Front ab, während der hintere Teil weiterrast und sich die Wellen tückisch überlagern.

Meisterhafte Seefahrer

Doch die Riesenwellen sind nicht die einzigen Naturgewalten, die in der Südsee wüten. Über dem warmen Wasser brauen sich oft schwere tropische Wirbelstürme zusammen. Sie saugen sich über dem endlosen Pazifik voll Energie. Dennoch haben Menschen diese unwirtliche Region besiedelt und dabei Tausende Kilometer tosenden Ozeans überwunden. Wie konnte es vor 3000 Jahren gelingen, die weite Inselwelt zu kolonisieren, mit schlichten Booten, ohne Kompass oder Sextant?

Auslegerboot Südsee 2 Quelle: ZDF

Es waren die Vorfahren der Polynesier, die den Eroberungszug begannen. Von den Gewässern nördlich Australiens drangen sie in kleinen Gruppen von Generation zu Generation immer weiter nach Osten vor. Der vorherrschende Wind, der Nordostpassat, blies ihnen ins Gesicht, und auch die Meeresströmungen stellten sich den Eroberern entgegen. Dass es dem Seefahrervolk gelang, gegen diese Widrigkeiten anzugehen, zeugt von erstaunlichen Fähigkeiten.

Ein abenteuerlicher Brauch


Eroberungsfahrten der Polynesier waren präzise geplante Expeditionen. Nicht wissend, welche Bedingungen sie auf einer neuen Insel erwarten würden, brachten sie ihre Nutzpflanzen und ihre Tiere mit - und auch ihre Rituale. Durch die Isolation der Inseln hat sich in der Region eine Vielfalt kultureller Ausdrucksformen entwickelt. Doch eines haben viele Bräuche gemein: Im Mittelpunkt steht die Fruchtbarkeit des Bodens, denn das Überleben der Sippe hängt davon ab, ob ihre Kulturpflanzen gedeihen. Mit verschiedensten Ritualen sollen die Götter milde gestimmt werden, damit sie für eine gute Ernte sorgen.

Ankunft Polynesier Südsee 2 Quelle: ZDF

Ein abenteuerlicher und nicht ganz ungefährlicher Brauch ist auf der Insel Pentecost entstanden. Die Männer stürzen sich von einem bis zu 30 Meter hohen schwankenden Gerüst, gehalten von nichts als um die Füße gebundenen Lianen. Die Männer beweisen mit einem hohen Sprung ihren Mut, aber die halsbrecherische Aktion hat noch einen tieferen Sinn: Sie ist ein Appell an die Götter. Die Stirn des Springers muss den Erdboden berühren. Nur so kann er hoffen, dass die Götter den Boden fruchtbar machen. In der Südsee sind Anbauflächen knapp. Genügend Essbares zu finden, ist eine ständige Herausforderung.

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