Geheimnisvolle Verwerfungen

Geologische Formationen deuten auf eine Serie von Erdstößen

Einige Forscher versuchten, in Clermont-Ferrand noch weiter in die Vergangenheit vorzustoßen. Der Geologe Mark Davies ließ sich durch einen Teil des französischen Zentralmassivs fliegen, um sich einen Überblick über den Verlauf der Verwerfungen zu verschaffen.

Verwerfung Clermont-Ferrand, Frankreich Quelle: ZDF

Clermont-Ferrand liegt auf einer ausgedehnten Ebene - es ist alles sehr flach. Wenn man aufblickt, sieht man plötzlich ein riesiges Plateau, das sich nach allen Seiten ausdehnt. Auf dem Plateau liegt eine Vulkankette, die aus rund 100 Vulkanen besteht. Vulkane sind - wie Erdbeben - meist in den heißen, unruhigen Rändern der Kontinentalplatten zu erwarten. Aber die sind weit entfernt. Die Existenz der Vulkane mitten in Europa beweist, dass es hier Verwerfungen gibt, die vor über 150.000 Jahren den Vulkanismus in Gang hielten.

Basaltabbau Quelle: ZDF

Mitten ins Herz

In einem der Vulkane baut man Basalt ab, die der Feuerberg während seiner heftigsten Eruptionen ausgespuckt hatte. Der Steinbruch verläuft mitten ins Herz des Vulkans, wo das Magma durch den Bruch an die Oberfläche gedrückt wurde. Die Arbeiter haben eine komplette Seite des Bruches abgetragen, aber die eigentliche Verwerfung, die für die Eruption verantwortlich war, unangetastet gelassen.

Vulkane und Verwerfungen gehören also zusammen. Die Frage, welche Gefahren die geheimnisvollen geologischen Formationen noch zu bieten haben, führt nach Belgien. Dort trifft der Geologe Mark Davies auf den Palaeoseismologen Thierry Camelbeeck. Camelbeecks Team hat 2005 eine weitere Verwerfung freigelegt. Die Ergebnisse sind verblüffend: Es gibt eine klare Grenze. Die Sedimente auf beiden Seiten der Verwerfung unterscheiden sich deutlich in Farbe und Körnung. Aber die Wissenschaftler wollen es genauer wissen.

Aufteilung der Verwerfung in Quadranten Quelle: ZDF

Serie von Erdstößen

Das Team poliert die Wände des Grabens und teilt die Verwerfung in Quadranten ein. Die Linien aus hellem und dunklem Sand verlaufen horizontal. Schließlich identifiziert Camelbeek nicht nur eine einzige Verwerfung, sondern eine breite Verwerfungszone. Selbst für das ungeübte Auge ist leicht zu erkennen, dass diese Sedimentschichten massiv gestört sind. Die Schicht, die normalerweise oben verlaufen wäre, wurde um etwa 1,2 Meter nach unten verschoben. Hier muss es also im Verlauf weniger Jahrtausende eine ganze Serie von Erdstößen gegeben haben.

Computergrafik Verwerfungssystem bis nach England Quelle: ZDF

Einige Seitenarme der alten Verwerfungssysteme durchqueren sogar den Ärmelkanal. Großbritannien hielt man lange Zeit für völlig erdbebensicher. Heute warnt der britische Erdbebenspezialist Dr. Roger Musson vor zu viel Selbstvertrauen: Musson wies zahlreiche Beben in London nach. Trotzdem ist die Stadt wie die meisten europäischen Metropolen völlig unvorbereitet. Sieben Millionen Menschen wären betroffen. Die meisten könnten nicht aus der Erdbebenzone evakuiert werden. Der Verkehr bräche zusammen. Herabfallendes Glas und Ziegel bedrohte die Menschen auf den Straßen. Züge entgleisten und die Stadt würde im Chaos versinken.

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