Gene als wichtiger Ernährungsfaktor

Das Zusammenspiel zwischen Genen und Ernährung

Für Kinder und Alte, für Frauen und Männer, für Afrikaner, Europäer und Asiaten wird es "maßgeschneiderte" Lebensmittel geben. Denn unsere Ansprüche ändern sich mit dem Alter, und auch die Gene bestimmen, was uns bekommt und was nicht. Das Paradebeispiel dafür ist der Milchzucker Laktose.

Bei vielen Afrikanern und Asiaten löst Milch Übelkeit und Durchfall aus. In Europa jedoch hat sich nach jahrtausendelanger Milchviehhaltung ein Gen durchgesetzt, das dafür sorgt, dass wir auch als Erwachsene noch Laktose verdauen können. Traditionell ernähren sich die Völker der Welt äußerst unterschiedlich. Die Globalisierung unseres Speiseplans ist ein junges Phänomen, das durch den Siegeszug der großen Fast-Food-Ketten allerdings zügig vorangetrieben wird.

Ernährungsplan nach Genprofil

Die so genannte Nutrigenomik untersucht das Zusammenspiel zwischen Genen und Ernährung. Noch steckt die Forschungsrichtung in den Kinderschuhen. In fünfzig Jahren jedoch könnte es individuelle Ernährungspläne geben - angepasst an das eigene Genprofil. Klaas Westerterp, Professor für Humanbiologie an der Universität Maastricht, arbeitet daran, dass diese Vision wahr wird. Er will herausfinden, warum der eine Mensch sein Leben lang schlemmen kann und dabei schlank bleibt, während sein Nachbar bei gleicher Kost immer runder wird. Liegt die Antwort in den Genen?

An der ersten Versuchsreihe nehmen vierzehn Probanden teil. Eine Woche lang werden sie eingesperrt - ein Hochsicherheitstrakt ist nichts dagegen. Jeder Atemzug wird kontrolliert. Kein Lufthauch gelangt unbemerkt in die Zelle. So können die Forscher später genau berechnen, wie viel Energie ihre Probanden verbraucht haben.

Testperson wird gewogen und vermessen




Eine der Versuchspersonen heißt Peter. Bevor der schlanke junge Mann in seine Zelle darf, bestimmen die Forscher den Fettgehalt seines Körpers und nehmen eine Gewebeprobe. Sie interessieren sich für ein ganz spezielles Gen: PPAR-Gamma spielt eine wichtige Rolle beim Fettaufbau. Zu Beginn des Versuchs hat Peter nur 17 Prozent Körperfett. Die Aktivität von PPAR-Gamma ist bei ihm relativ hoch.

Kalorien schlagen nicht bei jedem an

Jetzt fällt die dicke eiserne Tür hinter Peter ins Schloss. In seiner winzigen Zelle stehen Bett, Klo und Fernseher - das ist die gesamte Ausstattung. Durch eine Luke wird Peter - genau wie die anderen Probanden - mit Essen versorgt. Jeden Tag serviert ihm Professor Westerterp genau 50 Prozent mehr Kalorien, als er verbraucht. Was Peter damit macht, bleibt ihm überlassen. Er kann die Mahlzeit aufessen oder stehenlassen.

Nach sieben Tagen dürfen Peter und die anderen Probanden ihre Zelle wieder verlassen. Wer hat wie viel zugenommen? Und besteht irgendein Zusammenhang zwischen Zunahme und dem Fetterspeicher-Gen PPAR-Gamma? Am Ende des Versuchs ist Peter genauso schlank wie zuvor. Er hat nur 300 Gramm zugelegt, bei anderen Probanden schlägt die kalorienreiche Kost allerdings mit einem Plus von drei Kilo zu Buche. Woher kommen diese Unterschiede?

Gewicht hängt auch von Genen ab

PPAR-Gamma liefert zunächst keine Erklärung. Zumindest die Aktivität zu Beginn der Untersuchungen hatte keinen Einfluss drauf, wie viel eine Person zunahm - eine Enttäuschung für die Forscher. Dann jedoch testen sie die Genaktivität nach dem Ende der siebentägigen Einzelhaft. Und tatsächlich haben sich die Werte bei allen Probanden verändert - jedoch unterschiedlich stark.

Die Personen, bei denen die Aktivität des Gens stark anstieg, aßen fast immer alles auf. Das angekurbelte PPAR-Gamma-Gen sorgte dafür, dass die zusätzliche Energie effektiv in Fett umgewandelt wurde. Folglich nahmen die Testpersonen zu. Bei Personen wie Peter dagegen hat sich die Aktivität von PPAR-Gamma kaum verändert. Sein Körper wandelt die zusätzlichen Kalorien nur in geringem Maße in Fett um. Ob ein Mensch dick wird oder nicht, hängt also auch von den Genen ab. Der Weg von dieser Erkenntnis zur Wunderpille für eine schlanke Linie ist noch weit. Doch in den Labors der Lebensmittelindustrie wird intensiv daran geforscht. Es winkt ein riesiger Markt mit enormen Absatzchancen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet