Generalprobe für Mini-U-Boot Alicia

Erste Testfahrt nach Monaten der Ungewissheit

Nach drei Fehlversuchen, einem Jahr Verzögerung und enormen Mehrkosten hat die Glaskuppel des Mini-U-Bootes "Alicia" den Brennofen fehlerfrei verlassen. Ein Inspektor des "Bureau of Shipping" - eine Art TÜV für Schiffe - macht die Abnahme. Der amtliche Stempel beendet die lange Phase der Ungewissheit.

Die Spezialisten arbeiten im Akkord. Tausende von Einzelteilen finden ihren Platz. Das Mini-U-Boot nimmt Gestalt an - und im Januar 2004 ist es vollbracht. Vor der Jungfernfahrt aber muss sich das Gefährt noch einer harten Bewährungsprobe unterziehen: dem Drucktest von Stahlhülle und Glaskuppeln. Die Aktion findet im schottischen Aberdeen statt.

Letzte Trockentests



An den neuralgischen Punkten von Stahlhülle und Acrylkanzel werden Sensoren angebracht. Während des Tests messen sie ständig die Belastung des Materials. Die so gewonnen Daten sollen Aufschluss geben, bis zu welcher Maximaltiefe die "Alicia" gefahrlos tauchen kann. Die Türen der Druckkammer schließen sich. Schnell erhöht sich der Druck in der Kammer auf elf Bar. Das entspricht 100 Meter Tiefe. 300 Meter haben die Experten angepeilt. Alles darüber hinaus ist ein willkommener Bonus. Mehr als 300 Meter will Peter Robbins nicht abtauchen. Die Hülle des U-Boots - eine Mangan-Legierung - muss laut Vorschrift dann auf 450 Meter getestet werden. Das Material könnte sogar 600 Meter verkraften. Doch der Amerikaner will nichts riskieren.



Im Juli 2004 ist die vollendete "Alicia" auf dem Weg zu ihrem ersten Einsatz unter natürlichen Bedingungen. Im Hafenbecken von Plymouth darf das schnittige Gefährt zeigen, was es kann. Um die Sicherheit künftiger Expeditionen zu garantieren, ließ Peter Robbins extra einen der besten U-Boot-Piloten der Welt einfliegen. Patrick Lahey übernimmt das Training der Crew. In einem Schnellkurs lernen die Männer Grundregeln und nützliche Tricks. Einen offiziellen Führerschein gibt es nicht. Theoretisch darf jeder Laie ein Mini-U-Boot lenken.

Alles klar zum Abtauchen

Die Teilnehmer des ersten Tauchgangs gehen an Bord - ausgesucht nach strengen Kriterien von Patrick Lahey. Nur die beiden Konstrukteure sind zugelassen. Die anderen müssen an Land bleiben. Selbst Peter Robbins. Ans Steuer der zwölf Meter langen "Alicia" setzt sich Richard Dawson. Er kennt jede Schraube auf dem Boot. Bevor es ernst wird, erteilt der Ausbilder letzte Anweisungen. Dann werden die Ballasttanks mit Seewasser gefüllt - Voraussetzung für den Sinkvorgang. Es folgen das Abfragen der Checkliste und die Überprüfung der Funkanlage.

In nur wenigen Minuten stellt sich heraus, ob die Tauglichkeitsprüfung ein Erfolg wird. Das Hafenbecken bietet zwar nur zehn Meter Tiefe. Aber die Gegebenheiten reichen aus für die entscheidende Frage: Ist die "Alicia" sicher genug, um auf große Fahrt zu gehen? Fast lautlos gleitet das Gefährt abwärts zum Meeresboden. Die Systeme an Bord funktionieren ohne Beanstandung. Dann hat das Boot Grundberührung. Patrick Lahey meldet über Funk: Gegenwärtige Tiefe - zehn Meter. Jetzt können die Männer den nächsten Schritt wagen: das Starten des Elektromotors. Der umweltfreundliche Antrieb mit stufenloser Beschleunigung bringt das Schiff unter Wasser vorwärts. Bei Bewegungen nach Steuerbord oder Backbord sorgen Seitenpropeller für eine stabile Kurvenlage.

Harmloser Spaziergang



Die Crew hat keine Mühe, die 18 Tonnen schwere "Alicia" zu navigieren. Die Generalprobe klappt wie am Schnürchen. Einziger Wermutstropfen: die geringe Sichtweite in dem trüben Gewässer. Das Ganze hat nicht länger als eine Stunde gedauert. Nicht mehr als ein harmloser Spaziergang unter Wasser. Ganz anders als im Ärmelkanal. Dort erwartet das Mini-U-Boot eine unberechenbare See.

Mit der Flagge seines Heimatstaates Arizona nimmt der stolze Eigner die "Alicia" offiziell in Betrieb. Der Weg ist frei für die Expedition zur U-1195. Auch weitere Tests besteht das Boot erfolgreich. Doch völlig unerwartet braut sich neues Unheil zusammen. In letzter Minute droht das Projekt an den Tücken der Bürokratie zu scheitern. Der königliche Hafenmeister von Portsmouth hat sein Veto eingelegt. Denn die U-1195 liegt im Hoheitsgebiet der britischen Behörde. Peter Robbins darf nicht zum Wrack tauchen. Fatal, aber das Recht ist auf Seiten des Beamten. Er verfügt, die "Alicia"-Expedition zu verschieben.

Von der neuen Situation weiß U-Bootveteran Rudi Wieser noch nichts. Peter Robbins klärt ihn auf. Der Hafenkommandant verlangt aus Sicherheitsgründen eine neue Tauglichkeitsprüfung der "Alicia". Die Probefahrten in den Gewässern von Portsmouth sollen unter Beobachtung der englischen Behörde erfolgen. Die Prozedur dauert ein weiteres Jahr.

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