Geografische Besonderheiten

Die Taiga ist nur ein Teil des "schlafenden Riesen"

"Die Kraft und der Zauber der Taiga liegt nicht in gigantischen Bäumen und nicht in einer Grabesstille, sondern darin, dass vielleicht nur die Zugvögel wissen, wo sie zu Ende ist." Dies schrieb Anton Tschechow während seiner Reise zur Insel Sachalin, die ihn quer durch Sibirien führte. Doch die Taiga ist nur ein Teil des "schlafenden Landes", wenn auch für uns Mitteleuropäer vielleicht der Vertrauteste.

Ein Land aus Eis und Schnee, scheinbar tot und öde, fast das ganze Jahr erstarrt, dann ein sehr kurzer, explosionsartiger Sommer, der den Permafrostboden nur oberflächlich auftaut, bevor wieder Kälte und Dunkelheit hereinbrechen.

Reuchtümer und Strapazen

So war es hier seit Menschengedenken. Und doch bahnten sich bereits im 14. Jahrhundert mutige Männer ihren Weg durch die endlose Tundra, auf der Jagd nach Polarfüchsen und dem heißbegehrten Zobel. Hier zu leben, welch ein Gedanke! Aber es entstanden große Siedlungen, Städte wie Salechard, Norilsk, Workuta, denn die Reichtümer der Natur, seltene Bodenschätze, glänzende Diamanten entschädigten für die Strapazen des alltäglichen Lebens.

Und vielen Menschen ist es gewiss so ergangen wie dem Dichter Iwan Gontscharow: "Sibirien erstaunt und verblüfft nicht sogleich, es zieht einen langsam und als ob ungewollt, so doch kühl kalkuliert fest in seinen Bann. Man ist Sibirien erlegen. An jedem Ort und zu jeder Zeit spürt man Enge, Kummer und Gram, quält man sich mit der unbestimmten Unzulänglichkeit seiner Selbst oder des Teils seiner Selbst, den man für immer an Sibirien verloren hat."

Sibiriens Westen

Im Westen Sibiriens war der Ural, auch der "Große Felsen" genannt, für lange Zeit Russlands "Ende der Welt". Heute bildet er die natürliche Grenze zwischen Europa und Asien. Es waren Kosaken, die im 16. Jahrhundert den Flüssen folgend, den Ural überwanden und nach Westsibirien vordrangen.


Sie stießen in die größte Tiefebene der Welt vor, die vom Ural bis zum Jenissei reicht. Unendliche Wälder, die viel besungene Taiga, mussten sie durchqueren. Heute wissen wir: Die Taiga ist die größte geschlossene Grünfläche der Welt, noch größer als der tropische Regenwald.

Sibiriens Süden

Im Süden des "schlafenden Landes": schneebedeckte Berggiganten, saftige Hochtäler, der Baikal, das "Heilige Meer" oder die "Perle Russlands". Doch Sibiriens südliche Ränder waren schon lange mehr als nur ein Naturschauspiel.



Noch vor der russischen Eroberung trafen sich hier Kulturen aus Ost und West, verliefen hier Handelswege, herrschte ein reger Austausch mit kostbaren Waren aus China, Persien und dem Mittelmeerraum. Es war auch das Durchzugsgebiet der Reitervölker aus dem Inneren Asiens, die auf ihrem Weg nach Westen andere Völker in den kalten Norden abdrängten - in das "schlafende Land".

Sibiriens Osten

Noch einmal ein Ende der Welt mit gigantischen Felsen, die in den Ozean stürzen. Sechzig Jahre, nachdem die ersten Kosaken, den Ural überschritten hatten, war die Ostküste erreicht. Welch einzigartiges Abenteuer! So wie Sibirien eben. Man muss sich darauf einlassen und erlebt den Widerspruch. Großartige Naturschauspiele, Reichtümer ohnegleichen, doch auch Schrecken, Bedrohung und Katastrophen.

Eisenbahnen und Flugzeuge haben Sibiriens Grenzen scheinbar schrumpfen lassen, diese gigantische Landmasse von gut zehn Millionen Quadratkilometern. Dennoch: Drei völlig verschiedene Klimazonen, fünf Zeitzonen, über 50.000 Flüsse, eine unglaublich vielfältige Topographie, Flora und Fauna mögen für sich sprechen.

Eigene Maßstäbe

Allein in Sibirien verlaufen fünf der zwölf größten Ströme der Welt. Irtysch (4248 Kilometer), Ob (4338 Kilometer), Jenissei (4102 Kilometer), Lena (4440 Kilometer) - diese vier fließen in das Eismeer, also nach Norden. Der Amur (4440 Kilometer) bildet die russisch-chinesische Grenze, mündet in den Pazifik. Und der Baikalsee, das größte Süßwasserreservoir unseres blauen Planeten, umfasst eine Oberfläche von 31.500 Quadratkilometern und ist damit in etwa so groß wie Belgien. Man kann es nicht leugnen: Sibirien hat seine eigenen Maßstäbe.

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