Geologische Besonderheiten

Zerklüftete Region am Parnass

Die tiefen Schluchten und steilen Felswände in der zerklüfteten Region um Delphi zeugen von einer Verschiebung der Landmassen, von Vulkanismus und Erdbeben.

8Schon bei seinem ersten Besuch kam dem Geologen Jelle de Boer der Gedanke, dass es in Delphi früher Erdgas gegeben haben muss.

Häufige Erdstöße

Die Verschiebung von Landmassen erzeugt eine enorme Hitze. Dabei verflüchtigen sich Teile der erdölhaltigen Schichten zu Kohlenstoffgas. Beim Austritt des Gases spielen die geologischen Falten bei Delphi eine wichtige Rolle. Sie bewegen sich ständig, da der Peloponnes gegenläufig zum Festland rotiert. Grund für häufige Erdstöße.


Um im Labor das Entstehungsalter der Steinformation festzustellen, muss De Boer Proben nehmen. Die glatte, oberirdisch sichtbare Felswand ist nur Teil einer riesenhaften Gesamtstruktur. Sie reicht bis zu zehn Meter tief in die Erde und bildet dort eine undurchdringliche Barriere. Das unterirdische Hindernis kann sich über viele Kilometer erstrecken.

Blockade im Bauch der Erde

Wenn es auf dem Parnass regnet, läuft das Wasser entlang der Falte ab - vorbei an vielen Sedimenten. Die Blockade im Bauch der Erde verhindert, dass sich das Nass verteilt. Es fließt bis zum Ende der Felswand und wird durch nachströmendes Wasser auf der Rückseite wieder hoch gedrückt. Dabei schwemmt es die Gase aus den erdölhaltigen Schichten, führt sie mit und tritt an der Oberfläche als Quelle zutage. Angereichert mit Gasbläschen, die sich sofort mit der Luft vermischen. Nahe den Thermopylen - knapp 30 Kilometer nördlich von Delphi - ist das Phänomen noch heute deutlich zu sehen.

Am Fuß eines Bergmassivs sind zahlreiche Quellen entsprungen, in denen es ständig brodelt. Für de Boer ein wichtiger Beleg seiner Theorie: Die Wassermengen steigen entlang einer steilen Falte auf und bringen die blubbernden Hydrokarbongase mit sich. Sie gehen direkt in die Atmosphäre über. Ein Prozess, wie er sich auch im Tempel abgespielt haben dürfte. Bei den Thermopylen dringt nur Methan an die Oberfläche. Es wirkt nicht bewusstseinsverändernd. Die Bläschen sind jedenfalls der sichtbare Beweis für Gasvorkommen in der Umgebung von Delphi. Die Aussagen Plutarchs können also nicht erfunden sein.

Außergewöhnlicher Kultgegenstand

Zudem erwähnt der Schriftsteller Plutarch einen außergewöhnlichen Kultgegenstand, den kegelförmigen Omphalos. Das heißt "Nabel". Der Sage nach ließ Göttervater Zeus an den Enden der Erde zwei Adler aufsteigen. Ihre Bahnen kreuzten sich über Delphi. Der Mittelpunkt der Welt war gefunden, heißt es. Die Stelle markierte ein steinernes Mal, der Omphalos.

Französische Archäologen haben 1892 zwei Nachbildungen ausgegraben. Offenbar Schauobjekte für die neugierige Öffentlichkeit. Eine der Kopien ist mit einem Netz überzogen. Seine Bestimmung kennt niemand. Doch wo ist das Original? Es wurde ein kleiner Stein gefunden, welcher der Originalnabel gewesen sein kann. Er war von oben bis unten durchbohrt. Vielleicht spielte er beim Orakel eine wichtige Rolle. Das seltsame Objekt ist in den Grabungsberichten verzeichnet, inzwischen aber verschollen. De Boer hält den Omphalos für den Schlüssel zum Verständnis der Weihestätte. Seine Forschungen krempeln die bisherige Lehrmeinung über das Heiligtum völlig um.

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