Geologische Fingerabdrücke

Vulkan-Ablagerungen helfen bei der Aufklärung des Ausbruchs

Das Spektakel von Thera entwickelte sich in mehreren Phasen. Selbst Ablagerungen aus der Anfangsphase der Eruption lösen die Forscher mit ihrem Tauchroboter aus den Felsformationen im Meer. Die unscheinbaren Brocken sind eine kleine Sensation. Denn in einem Stück ist Magma aus zwei unterschiedlichen Stadien verschmolzen.

Tauchroboter entnimmt Bodenprobe

Die Zusammensetzung des Materials erlaubt Rückschlüsse auf den Ablauf des damaligen Geschehens. In den unterseeischen Magma-Herden bauten enorme Hitze und giftige Gase als Haupttriebkraft vulkanischer Aktivität mächtigen Druck auf. Das Eindringen frischer Gesteinsschmelze brachte das Fass dann zum Überlaufen. Der Gehalt an Kieselsäure im Magma entscheidet über die Explosionskraft und über die Menge des Auswurfs.

Geologe Floyd McCoy auf Spurensuche

Viel diskutierter Ausbruch

An Land macht sich der Geologe Floyd McCoy an Land auf Spurensuche. Der amerikanische Professor sammelt seit mehr als 20 Jahren Fakten über den viel diskutierten Ausbruch. Jeder Vulkan hinterlässt seinen geologischen Fingerabdruck in dem ausgeworfenen Material. Für das Tuffgestein, das der McCoy dem Naturschauspiel zuordnet, finden die Kollegen eine Entsprechung auf dem Meeresgrund.

Die Sprengkraft muss so hoch gewesen sein, dass die Aschewolke die gesamte Region für Tage in Dunkelheit hüllte. Vom Niederschlag betroffen waren die Ägäis, die Türkei, Ägypten und der gesamte Vordere Orient. Daher fahnden die Wissenschaftler auch in großer Entfernung von der Insel nach Hinterlassenschaften des Vulkans. Am Meeresgrund müssen die richtigen Sedimente aufgestöbert werden. Denn im Schlick ruhen Ablagerungen unterschiedlicher Ausbrüche. Als das Team um Bob Ballard endlich die entscheidende Stelle ausmacht, ergeht das Kommando, mit dem Greifarm eine Probe zu nehmen. In der Kapsel schlummern mehr als 3.000 Jahre alte vulkanische Überreste.

Karte der von der Aschewolke betroffenen Regionen

Identische Muster

Im Labor fällt ein dunkler Abschnitt in der sandfarbenen Masse auf. Der Ausstich enthält eindeutig zwei unterschiedliche Materialien. Unter dem Mikroskop können die Geologen die Zusammensetzung genau erkennen. Ihr Augenmerk gilt dem Mischungsverhältnis von vulkanischer Glaslava und Mineralien. Es muss mit der an Land genommenen Probe übereinstimmen. Die beiden Muster sind tatsächlich identisch. Das bedeutet: Das Auswurfmaterial von Thera flog viele hundert Kilometer weit. Im Rückkehrschluss können die Experten daraus die Stärke der Explosion errechnen.

99 Prozent der Asche aber stiegen in die Stratosphäre, vermutlich mit globalen Folgen. Denn Vulkanasche ist ein sehr feines Material. Sie legt sich wie eine dichte Decke um den Erdball. Nach dem Ausbruch des Tambora im Jahre 1815 in Indonesien, verdunkelte die dichte Aschewolke das Land im Umkreis von 500 Kilometern für drei Tage. Ein globaler Klimasturz war die Folge. In England fiel mitten im Juni Schnee. In ganz Europa und Amerika kam es zu Missernten, Hungersnöten und Epidemien. Manchmal kollabieren die Aschewolken aber auch. Statt aufzusteigen, rasen sie als pyroklastischer Strom mit bis zu 400 Stundenkilometern über das Land. Die hochgiftigen Lawinen sind das Produkt von extrem gashaltigem Magma.

Außergewöhnliche Reichweite

Auch der Vulkan von Thera spuckte stark gashaltiges Magma, das aus vielen Kammern schoss. Daher seine immense Explosionskraft und die außergewöhnliche Reichweite des todbringenden Niederschlags. In einem Radius von 30 Kilometern um die Insel Santorin stoßen die Forscher auf zahlreiche Sedimente der Minoischen Eruption. Bis zu 80 Meter hoch ragen die unterseeischen Ablagerungen empor.

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