Geologische Untersuchungen

Aufschlussreiche Funde zwischen München und Salzburg

Noch heute zeugen ausgedehnte Krater von der Wucht der Katastrophe aus dem All. Längst sind die meisten Löcher durch Erosion und Bewirtschaftung in die Landschaft integriert. Um sich ein Bild vom Ausmaß des damaligen Einschlags zu verschaffen, wollen die Forscher eine detaillierte Karte erstellen.

Immer wieder entdecken sie neue "Donnerlöcher", wie die Krater seit Jahrhunderten im Volksmund heißen. Das berühmteste ist der Tüttensee, der in einem idyllischen Landschaftsschutzgebiet bei Grabenstätt liegt.

Löcher im Chiemsee



Zwischen Salzburg und München erstreckt sich das Streufeld des Kometen. Mit 58 Kilometern Länge und 27 Kilometern Breite gehört es zu den größten seiner Art. Auch im Chiemsee landeten viele Teile des Himmelskörpers. Eine Gruppe des "Chiemgau Impact Teams" konnte durch satelliten-gestützte Echolotmessungen bereits fünf auffällige Vertiefungen am Grund des Gewässers orten - einige von gewaltigem Ausmaß.




Doch es gibt noch mehr Hinweise. Im betroffenen Areal finden Geologen haufenweise Steine mit markanten Eigenschaften. Sie präsentieren sich zertrümmert, deformiert oder glasiert. Die bizarren Spaltungen, Zurundungen und Verschmelzungen lassen eindeutig auf eine kosmische Kollision schließen. Die Erschütterung schleuderte Tonnen von Geröll bis zu 20 Kilometer hoch in den Himmel. Zudem kam es durch die extrem hohen Temperaturen zu neuartigen chemischen Verbindungen im Boden.

Poröse Steine

Am Ort des Geschehens leitet Professor Kord Ernstson von der Universität Würzburg die Untersuchung. In einer bestimmten Erdschicht stößt der Geologe auf ein Phänomen, das auch an vergleichbaren Streufeldern in Australien und anderswo festgestellt wurde. Während Steine aus der Zeit vor dem Einschlag glatt, fest und kompakt sind, lässt sich das Geröll, das dem Einschlag ausgesetzt war, mit der Hand zerbröseln.


Das poröse Material zeigt deutliche Spuren schwarzer Ablagerungen aus Graphit. Die Kristalle aus reinem Kohlenstoff könnten aus der dünnen Rußschicht stammen, die den Kern eines Kometen umgibt. Ein Experiment soll weiteren Aufschluss bringen. Mit einem Schweißbrenner erhitzen die Geologen herkömmliche Steine auf etwa 2000 Grad Celsius, etwa die Temperatur, die der explodierte Komet beim Aufschlag erreicht hat. Tatsächlich weisen die behandelten Probestücke die gleichen Merkmale auf wie die Funde aus den Kratern. Der Beweis für die Existenz eines gigantischen Einschlags im Chiemgau.

Archäologische Lücke

Der Philosoph Plutarch beschreibt das Drama im ersten Jahrhundert nach Christus: "Im Himmel wurde ein feuriger Körper von weit ausgedehnter Größe gesehen, eine flammende Wolke, die nicht an einem Orte ruhte, sondern mit verwickelten Bewegungen hinzog, so dass feurige Fragmente in alle Richtungen getragen wurden und feurig flammten, genau wie schießende Sterne es tun." Als erster Chronist datiert der Grieche das Inferno auf 467 vor Christus. Zu einem ähnlichen Ergebnis gelangt auch die moderne Forschung.


Nur wollen die Experten vom Chiemgau-Impact dafür den wissenschaftlichen Beweis erbringen. Zu diesem Zweck suchen sie nach geeigneten Erdproben und antiken Fundstücken. Dabei machen die Forscher eine wichtige Beobachtung: Die Objekte, die sie ans Licht holen, stammen ausschließlich aus Epochen vor und nach dem kosmischen Einschlag. Die archäologische Lücke umfasst immerhin mehr als 100 Jahre. Die entscheidende Erkenntnis aber bringt die Untersuchung der Steine. In speziellen Testreihen analysiert das Team die äußere Schmelzschicht der Brocken. Die Existenz von winzigen Diamantsplittern in der Glasur legt eine naturwissenschaftliche Einordnung des Unglücks zwischen 500 und 300 vor Christus nahe.

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