Gescheiterte Mission

Untergang der Seemacht zeichnet sich ab

Im Juli 1622 hat die Flotte von Francisco da Gama die Meerenge zwischen Mosambik und Madagaskar erreicht. Pater Lobo reist an Bord der Sao Carlos. Er segelt als Missionar mit Francisco da Gama nach Goa. Der Jesuitenpater hat den Schicksalsweg der Flotte aufgezeichnet.

In seinen Aufzeichnungen berichtet er von den Orfas d'el Rey, den Waisen des Königs. Die jungen adligen Frauen ohne Familie sollen hohe Beamte in Goa heiraten - ihre Aussteuer ist großzügig. Die Frauen auf der Sao José wissen nicht, welches Schicksal sie erwartet.

Flucht als Ausweg

Das Flaggschiff hängt noch immer dem Verband hinterher - "viel zu weit", wie Pater Lobo feststellt. "Manchmal verloren wir es fast aus den Augen." Ihre große Distanz zu den übrigen Schiffen wird der Sao José zum Verhängnis.



Vor der Küste Mosambiks, auf der Höhe von Mogincual, kreuzt die Fleet of Defense von Holländern und Briten. In der abgeschlagenen Sao José finden sie ein leichtes Opfer. Stundenlang verfeuern sie ihre Munition - so viel wie niemals zuvor im Indischen Ozean, brüstet sich später ein englischer Kapitän. Die Alliierten vermuten in dem Flaggschiff eine reiche Beute. Die anderen portugiesischen Schiffe versuchen zu helfen - doch bald sehen sie nur die Flucht als Ausweg. Francisco da Gama muss die Sao José zurücklassen. Und mit ihr das gesamte Vermögen.

Englische Verfolger dicht auf den Fersen, steuern die Santa Teresa und die Sao Carlos den nächsten rettenden Stützpunkt an - Ilha de Mocambique. Am Eingang der Bucht thront seit 1558 das Fort Sao Sebastiao. Das Bollwerk trägt den Namen von König Sebastian - jenes Monarchen, der ohne Thronfolger starb und damit sein Land in die Hände der Spanier trieb - Der Anfang vom Ende der portugiesischen Seemacht. Islamische Kaufleute aus Sansibar führten hier schon Jahrhunderte vor der Ankunft der Portugiesen blühenden Handel. Die Insel, bis 1898 Hauptstadt und Namensgeberin der Kolonie Mosambik, ist ein Hort der Erinnerungen. Sinnbild für die Sehnsucht Portugals nach den fernen Ufern des Ostens. Nach den Schätzen und Gewürzen Asiens.

Welterbe der UNESCO

Als Europa im Namen Christi die Ozeane an sich riss, kam es auch auf Ilha de Moçambique zu blutigen Fehden mit Mohammeds Anhängern - Religion als Rechtfertigung für das Streben nach Wirtschaftsdominanz. Heute mischen sich Muslime, Christen, Hindus und Anhänger afrikanischer Religionen auf der 1,5 Quadratkilometer kleinen Insel, die wegen ihrer Kolonialbauten zum Welterbe der UNESCO zählt.

Auf dem Weg nach Indien traf Vasco da Gama als erster Weißer den damaligen Scheich der Insel. Diese Begegnung soll freundlich verlaufen sein - das berichtet jedenfalls das portugiesische Nationalepos. Die Einheimischen nennen ihre Insel Muipiti - was soviel bedeutet wie Ort der Zuflucht.
Unerreichbar für die Sao José. Manövrierunfähig geschossen, treibt das Schiff auf ein Riff zu und sinkt. Holländer und Engländer erbeuten nur einen Bruchteil der Fracht. Teil ihrer Beute: Die Orfãs d' el Rey. Die Waisenfrauen werden nun mit holländischen Siedlern auf Java verheiratet. Ob sie mit ihrem neuen Lebensweg haderten ist nicht bekannt.

Schiffe zerschellen

Währendessen sind die Santa Teresa und die Sao Carlos noch immer auf der Flucht. "Wir fuhren die ganze Nacht - alle waren müde und das Essen knapp", notiert Pater Lobo. Kurz vor Ilha de Mocambique drehen die Verfolger ab. Die Portugiesen wähnen sich in Sicherheit. Zu früh. Ihre Schiffe zerschellen in den Untiefen nahe des Forts. Alle überleben - aber die Ladung beider Schiffe geht verloren.

Nach langer Wartezeit tritt Francisco da Gama mit neuen Schiffen seine Weiterreise an. Auf einem Zwischenstopp in Oman erfährt er, dass Hormuz verloren ist. Und damit, neben Goa in Indien und Malakka in Malaysien einer der drei wichtigsten Pfeiler des portugiesischen Wirtschaftsgefüges im Estado da India. Vielleicht die entscheidende Niederlage, die den Untergang der Seemacht besiegelt. Auch in Goa spitzt sich die kritische Lage zu. Engländer und Holländer errichten immer häufiger Seeblockaden. Der Handel stagniert. Korruption und Schmuggel greifen um sich.

Im Herz des Weltreichs tief getroffen, verliert Portugal zusehends an Einfluss, den es auch nach der Unabhängigkeit von Spanien nicht zurück erlangt. Den letzten Glanz verschlingt mit apokalyptischem Paukenschlag der Tsunami von 1755 in Lissabon - als wollte das Meer dem Land der Seefahrer seine Grenzen zeigen.

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