Geschickter Spionageakt

Mongolische Botschafter tauchen beim Lyoner Konzil auf

Das christliche Großreich des Priesterkönigs kann der Kirchenkundschafter Wilhelm von Buruk nicht ausfindig machen. Zumindest erwähnt er davon nichts in seinem Reisebericht - obwohl einige Fakten aus dem Land der Mongolen mit Angaben aus dem Brief des rätselhaften Regenten übereinstimmen. Doch in Lyon kommt es zu einer unverhofften Begegnung mit Vertretern des Mongolenreichs, neue Hoffnung keimt auf.

Mongolei-Botschafter Quelle: ZDF

Am 7. März 1274 ist die Kathedrale von Lyon Schauplatz einer wegweisenden Versammlung für die Christenheit. Papst Gregor X. ruft zum Konzil. Die Zukunft der Glaubensgemeinschaft steht auf dem Spiel. Der Heilige Vater will unbedingt die Einheit der östlichen und westlichen Kirche wieder herstellen. Darüber hinaus sucht er bei den 400 Delegierten aus Europa und Byzanz nach Verbündeten für einen neuen Kreuzzug. Die Unterstützung kommt aus völlig unerwarteter Richtung.

Kathedrale Lyon Quelle: ZDF

Abenteuerliche Geschichte

Mitten in die schwierigen Verhandlungen platzt eine Truppe von Männern, die nicht eingeladen waren. Sie stammen offensichtlich aus der Region, die der Kundschafter Wilhelm von Rubruk zwanzig Jahre zuvor bereiste. Es sind Botschafter aus der fernen Mongolei, geschickt vom Großkhan persönlich. Sie erzählen dem Kirchenoberhaupt eine abenteuerliche Geschichte. Die stolzen Krieger aus dem Osten berufen sich auf den Herrscher, den das Abendland über ein Jahrhundert sehnsüchtig erwartete. Auf dem die Hoffnung der gesamten Christenheit im Kampf gegen den Islam ruhte. Die Fremden behaupten, sie seien im Auftrag des Priesterkönigs Johannes unterwegs - ausgerechnet jenes Mannes, der nie zu fassen war.

Der Papst hofft vergeblich

Mongolischer Spion Quelle: ZDF

Ihre "allerchristlichste Königin Doquz Kathun" sei keine Geringere als die leibliche Tochter des Sagen umwobenen Regenten. Als Zeichen ihrer Verbundenheit wollen sich drei Gesandte sogar auf dem Konzil taufen lassen. Ihr Vorgehen deuten Forscher als geschickten Spionageakt. Wie es um die abendländische Macht bestellt und wie leicht sie zu bezwingen ist, das herauszufinden steht tatsächlich hinter der Offerte an den Papst. Doch Gregor X. vertraut den Worten und nimmt den Mongolenkhan als künftigen Schwertarm gegen die Heiden an.



Die Konzilsakten dokumentieren: Am Ende der Veranstaltung ergeht der Aufruf zu einem Feldzug nach Jerusalem. Die unvermutete Hilfe des Presbyters käme zur rechten Zeit. Denn die Kreuzritter halten in der Fremde nur noch die Festung Akkon. Verzweifelt verteidigen die Männer den letzten Brückenkopf in Palästina. Doch Papst Gregor hofft vergeblich. Als Akkon 1291 fällt, hat kein einziger Mongole den Fuß ins umkämpfte Gebiet gesetzt.

Zerstörung der Kirchen durch die Mongolen Quelle: ZDF

Im mongolischen Herrschaftsgebiet brechen Konflikte aus. Die Großkhane können nicht verhindern, dass sich immer mehr Monarchen selbständig machen. Vielleicht war das der Grund, warum die Steppenreiter die Kreuzritter im Stich ließen. 1295 bekennt sich Ilkhan Ghazan zum Islam. Als Regent in Persien befiehlt er die Zerstörung aller Kirchen und Kapellen, die seit 40 nach Christus überall im Land entstanden. Das war das endgültige Aus für den europäischen Traum von einem Zangenangriff gegen die Muslime - und das Ende für die Vorstellung, das Reich des Priesterkönigs liege im Osten.





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