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Gibbons – Akrobaten und Gesangskünstler

Baumhäuser dienen Forschern als Beobachtungsplattform

Zwei Weißhandgibbons in der Baumkrone

Als Gibbonforscher sollte man keine Höhenangst haben. Als Moderator für Faszination Erde auch nicht: Dirk Steffens folgt den akrobatischen Affen am Flying Fox von Baumwipfel zu Baumwipfel.

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01.02.2015
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Der Urwald birgt üppige Schätze. Nicht alle davon befinden sich auf dem Boden. Von den Baumwipfeln erschallt kaum zu überhörendes Gebrüll. Die Verursacher des Lärms sind Gibbons. Diese Primaten verbringen – im Gegensatz zu vielen ihrer Verwandten – den Großteil ihres Lebens auf den Bäumen. Am liebsten sind sie in 30 bis 70 Meter Höhe unterwegs.

Um den Schreihälsen auf Augenhöhe begegnen zu können, haben sich die Forscher in der Region Bokeo in Nordlaos etwas einfallen lassen: Sie haben Baumhäuser in die Wipfel gebaut, die ihnen als Beobachtungsplattform und zugleich als Unterkunft dienen. Auf diese Weise können die Wissenschaftler ihren Forschungsobjekten ganz nah sein.

Einmalige Fortbewegungsart

Die Gibbons wiederum kümmern sich um ihre neuen Nachbarn recht wenig. Sie schwingen sich mit mehr als 50 Stundenkilometern von einer Baumkrone zur nächsten. Diese Fähigkeit haben sie nicht nur trainiert, sie ist ihnen angeboren. Die Arme eines stehenden Gibbons reichen bis zu den Fußknöcheln. So können sie selbst weit entfernte Äste problemlos greifen. Das ist aber noch nicht die Spitze der Anpassungen. Denn wer lediglich von Ast zu Ast klettert, erreicht noch lange nicht die atemberaubenden Geschwindigkeiten eines Gibbons.

Gibbons beherrschen nämlich eine im Tierreich einmalige Fortbewegungsart: das „Schwinghangeln“. Selbst nach einem 15 Meter weiten Sprung können sie sich einfach mit einer Hand auffangen. Dazu haben ihre Greifhände eine im Tierreich einzigartige anatomische Besonderheit. Wird der Arm gestreckt, beugt sich die Hand aufgrund der verkürzten Beugesehne zu einem Haken. Das geschieht völlig ohne Kraftaufwand. So können Gibbons problemlos stundenlang hangeln, ohne müde zu werden.

Spektakuläre Sprünge, opernreife Gesänge

Damit die Forscher den flinken Tieren auf ihrem Flug von Wipfel zu Wipfel trotzdem folgen können, haben sie unter den Baumkronen Plattformen errichtet und Drahtseile gespannt. An denen kann man als Mensch mit einem Flying Fox fast genauso schnell wie ein Gibbon durch den Urwald rasen. Wissenschaftler müssen eben erfinderisch sein, wollen sie im unwegsamen Gelände die Baumbewohner studieren. Dabei haben sie schon einiges in Erfahrung bringen können. Zum Beispiel, dass Gibbons bei Weitem nicht so unfehlbare Könige der Baumwipfel sind, wie es scheinen mag. Im Gegenteil: Bei Röntgenuntersuchungen hat man festgestellt, dass viele von ihnen verheilte Knochenbrüche haben. Und für diese Brüche gibt es eigentlich nur eine vernünftige Erklärung: Auch mit langen Armen greift man manchmal ins Leere, auch ein Gibbon kann „stolpern“ – wenn auch auf deutlich spektakulärere Weise als ein Mensch.

Und noch in einer anderen Eigenschaft sind uns die Gibbons ähnlich, denn sie brüllen nicht nur, sie singen. Mit einem komplizieren Vokalapparat können sie die Grundfrequenz ihrer Stimmen abwandeln, sie singen also quasi nach Noten. Männchen tun das sogar in Konzertlänge, bis zu zwei Stunden. Sie beginnen mit einfachen Tönen und bauen den Gesang immer komplexer auf. Ihre Lieder werden bis zu zwei Kilometer durch den Wald getragen. Um deren Bedeutung zu verstehen, musste man sich eben in die Baumwipfel wagen: Gibbons singen, um Artgenossen vor Gefahren zu warnen, um ihr Revier zu markieren und manchmal auch im Duett, um die Bindung an ihre Partnerin zu stärken.

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