Gibt es eine zweite Erde?

Auf der Suche nach außerirdischem Leben

Kaum etwas beflügelt unsere Fantasie so sehr wie der Gedanke, dass irgendwo im Universum noch eine zweite Erde existieren könnte. Allein die unendlich große Zahl an Sternen würde es nahelegen, dass es einen Planeten ähnlich dem unsrigen da draußen gibt. Doch falls dem tatsächlich so wäre: Das Leben dort würde ganz anders aussehen, als wir es gewohnt sind.

Kleiner Exoplanet (Trickbild)
Die moderne Astronomie sucht unter anderem nach erdähnlichen Planeten. Quelle: dpa/eso

Von den 300 Milliarden Sternen unserer Galaxie werden nach Schätzungen der Astronomen etwa zehn Prozent von Planeten umkreist. Von der Erde aus wollen Forscher Himmelskörper finden, die ähnlich günstige Bedingungen für die Entstehung von Leben aufweisen wie die Erde.

Wobbelnde Sterne

Die Methoden zum Aufspüren von Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, sogenannten Exoplaneten, werden immer ausgeklügelter. Mit Weltraumteleskopen wird der Himmel nach geeigneten Kandidaten abgesucht. Das Problem dabei ist: Nur die Sterne leuchten, die Planeten selbst sind nicht zu erkennen. Indirekt aber verrät ein Stern, ob er von einem Planeten umkreist wird. Denn die gegenseitige Anziehungskraft zerrt mit jedem Umlauf so stark an ihm, dass er ins Wanken gerät - die Astronomen nennen das "Wobbeln". Von der Erde aus kann man diese Bewegung messen. Aber nur große Gasplaneten, wie Jupiter in unserem Sonnensystem, bringen einen Stern aus dem Gleichgewicht. Auf ihnen ist Leben aber nicht möglich, da der feste Untergrund fehlt. Im Schatten von Riesenplaneten könnten sich jedoch kleinere, erdähnliche Planeten verbergen. Bisher hat man zwar schon über 300 Exoplaneten entdeckt, doch die meisten von ihnen sind Riesenplaneten.

Teleskop Kepler (Animation)
Das neue Weltraumteleskop Kepler Quelle: dpa/nasa

Mit dem neuen NASA-Weltraumteleskop Kepler, das Anfang März 2009 ins All startete, sollen nun gezielt erdähnliche Planeten aufgespürt und genauer untersucht werden. Kepler überwacht gleichzeitig 100.000 Sterne. Er registriert dabei nicht ihre Schwankungen, sondern sucht direkt nach den Trabanten. Jedes Mal, wenn ein Planet an einem sonnenähnlichen Stern vorbeizieht, verdunkelt er ihn kurzzeitig. Das ist für das Teleskop ein wichtiger Hinweis, diesen Planeten genau ins Visier zu nehmen.

Die richtige Distanz zur Sonne

Damit aber auf einem Exoplaneten Leben entsteht, muss eine ganze Reihe von Bedingungen erfüllt sein. Eine der wichtigsten ist der Radius seiner Umlaufbahn um die Sonne, der sich mit Kepler ermitteln lässt. Zu nah an der Sonne würde bedeuten, dass flüssiges Wasser sofort verdampfen würde. Wäre die Bahn zu weit weg, wäre alles Wasser zu Eis gefroren. Unser blauer Planet hat genau den richtigen Abstand zur Sonne, um die Fülle des Lebens, wie wir sie heute kennen, hervorzubringen.

Im Lauf der Evolution haben sich die Organismen an die Bedingungen auf unserem Planeten angepasst. Die Besonderheiten der Landschaften und die Zusammensetzung der Atmosphäre schaffen eine Umwelt, in der sich eine Fülle spezifischer Lebensformen entwickelte. Andere Planeten jedoch bieten andere Bedingungen. Wenn sich dort Leben entwickelt hat, so muss die Evolution dort andere Wege gegangen sein, die zu uns völlig unbekannten Lebensformen geführt haben. Die Astronomen suchen Sonnensysteme mit Planeten, die sich in möglichst wenigen Merkmalen von unserer Erde unterscheiden. Dort ist die Chance für Leben am größten.

Bericht aus einer exotischen Welt

Wie könnten die Tiere und Pflanzen in einer solchen fernen Welt aussehen? Begeben wir uns einmal in unserer Fantasie auf die Reise zu einem der fernen Planeten und werten wir das aus, was wir vorfinden. Unsere Bestandsaufnahme könnte etwa folgendermaßen lauten:

Außerirdische Luftfische (Animation)
Vielleicht sieht so außerirdisches Leben aus? Quelle: ZDF

"Die Atmosphäre der zweiten Erde ist viel dichter als die unsrige. Mit einem fast doppelt so hohen Sauerstoff- und zehnfachen Kohlendioxidgehalt umschließt sie den Planeten wie eine Glocke. Der immense Treibhauseffekt sorgt dafür, dass es dort kein Eis gibt. Das Leben hat sich an die ungewöhnlichen Bedingungen angepasst. Riesige fischähnliche Wesen gleiten durch die Luft. Sie werden von der dichten Atmosphäre getragen. Im Unterschied zur Erde, auf der das Leben vom Wasser über das Land die Lüfte eroberte, ist hier offenbar der Sprung von den Ozeanen direkt in die Luft gelungen. Die Anpassungen an das Leben im Wasser dienen zugleich dem Schwimmen in der Luft.

Ballonpflanzen auf dünnen Stengeln

Auch die Pflanzenwelt hat sich an die besondere Atmosphäre angepasst. Sie hat Pflanzen mit ballonartigen Fruchtkörpern auf zierlichen Stämmen hervorgebracht. Die Atmosphäre bietet genug Auftrieb, sodass die Pflanzen mit den riesigen Fruchtkörpern nicht einknicken. Das Innere der Ballons ist mit Gas gefüllt, das von Mikroorganismen produziert wird. Um sich zu verbreiten, lösen sich die Ballons vom Stamm und gleiten durch die Atmosphäre. Der hohe Sauerstoffgehalt in der Luft führt zu einer weiteren Besonderheit dieses Planeten. Kommt es zu einem Gewitter, entstehen zahlreiche Brände. Das machen sich die Ballonpflanzen zunutze. Sobald die Hitze des Feuers im Innern zu einer Gasexplosion führt, zerplatzen die Ballons und streuen so ihren Samen. Auf dieser zweiten Erde hat sich ein perfekt abgestimmtes Ökosystem entwickelt."

Doch dieser Bericht wird wohl für immer Fantasie bleiben - die beschriebene Lebenswelt bleibt für uns Menschen unerreichbar. Wollten wir in ferner Zukunft den nächsten interessanten Exoplaneten bereisen, bräuchten wir mit heutiger Antriebstechnik mindestens 400.000 Jahre.

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