Giganten am Ende der Welt

Patagonischer Größenwahn

Vor Millionen von Jahren lebten in Patagonien die größten Dinosaurier aller Zeiten. Der größte von ihnen, der Argentinosaurus, war unvorstellbare 40 Meter lang mit einem Gewicht von etwa 80 Tonnen! Warum nahmen die Tiere gerade hier am Ende der Welt solche Riesenformen an?

Argentinosaurus Quelle: getty images

Auch Flugsaurier mit einer Spannweite von über sieben Metern flogen am Himmel. Heute sind die Kondore die uneingeschränkten Herrscher der Lüfte über Patagonien. Während andere Arten spezielle Anpassungen und besondere Strategien entwickeln, um mit den heftigen Stürmen leben zu können, profitieren Kondore von den windigen Verhältnissen. Die Winde helfen ihnen, Energie zu sparen.

König der Lüfte

Mit einer Spannweite von mehr als drei Metern gehört der Kondor zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt. Kondore sind perfekte Gleiter. Nur so können sie, getragen vom Wind, ihr Gewicht lang genug in der Luft halten. Sie legen weite Strecken bis zu 500 Kilometer am Tag zurück, denn der Nachwuchs ist extrem gefräßig. Und für Aasfresser bietet die karge Gegend nicht gerade Nahrung im Überfluss.

Zwei Kondore Text 4 Quelle: ap

Ein Jungvogel frisst täglich ein Kilogramm (Fleisch) und wächst dadurch schnell heran. Anfangs taugt das weiche Gefieder nicht zum Fliegen. Erst im Alter von sieben Monaten gelingen die ersten Flugversuche. Dann haben starke Deckfedern die jugendlichen Daunen ersetzt. Die Federn sind ineinander verhakt und bilden so eine windundurchlässige Tragfläche, die dem Kondor das mühelose Gleiten ermöglicht.

Flugjets der Urzeit

Heute sind die Kondore die uneingeschränkten Herrscher der Lüfte über Patagonien. Doch vom theoretischen Größenlimit flugfähiger Tiere sind sie weit entfernt. Vor Millionen Jahren lebten fliegende Wesen, die diese Grenze erreichten. Einige waren dreimal so groß wie Kondore. Manche konnten es in der Spannweite mit Militärjets aufnehmen. Die wahren Giganten der Lüfte.

Flugsaurier waren die ersten Wirbeltiere, die überhaupt fliegen konnten. Um ihren massigen Körper in der Luft zu halten, entwickelten sie zahlreiche Anpassungen. Die Tragfläche zum Beispiel war extrem beweglich. So gelang es, selbst das laueste Lüftchen noch optimal zu nutzen.

Zeugnisse der Urzeit

Die Flugsaurier spannten ihre riesigen Tragflächen an einem einzigen extrem verlängerten Finger auf. Der Vorteil dieses Modells war, dass die Tiere trotz der großen Flügel immer noch die Hände frei hatten. Die freien Finger dienten wahrscheinlich der Fortbewegung am Boden. Ganz ähnlich wie bei Fledermäusen.

Abdruck eines Sauriers Text 4

Die Zeit der Flugsaurier war die Zeit der Giganten in Patagonien. Sie beherrschten den Lebensraum über Millionen Jahre. Um Spuren ihrer Existenz zu finden, muss man in uralte Gesteinsschichten vordringen - und Glück haben. So fand man in unscheinbaren Felsblöcken verborgen Fossilien des größten Dinosauriers aller Zeiten: dem Argentinosaurus - ein Pflanzenfresser. Mit einer Länge von 40 Metern stellt er alle anderen Dinosaurier in den Schatten.

Größe als Vorteil

Forscher sind einem Rätsel auf der Spur: Warum wurden die Dinosaurier ausgerechnet hier in Patagonien so groß? Die Suche nach einer Erklärung führt in die Erdgeschichte. Mit dem Auseinanderbrechen des Urkontinents Gondwana wurde das Leben in andere Klimazonen getragen. Neue Küstenlinien schufen isolierte Landmassen. Die Evolution musste neue Wege gehen. Patagonien war damals ein grünes Paradies. Das üppige Angebot machte Größenwachstum überhaupt erst möglich. Und Größe war ein Vorteil.

Pflanzenfresser erschlossen Nahrungsquellen, die sie vorher nicht erreichen konnten. Vielfältige Anpassungen begünstigten den Gigantismus. Die Riesen haben ihre Nahrung nicht gekaut, sondern in großen Happen geschluckt. Ohne aufwendige Kaumuskulatur konnte der Kopf klein bleiben und effizient über den langen Hals mit Blut versorgt werden. Das Atmungssystem glich dem heutiger Vögel. Ausgedehnte Luftsäcke verringerten das Körpergewicht.

Wie lebten die Saurier?

Dino mit Opfer Text 4 Quelle: getty images


Das grüne Patagonien war Heimat der Giganten. Doch die Entwicklung der Riesen blieb nicht ohne Folgen. Denn je größer die Pflanzenfresser, desto größer die Jäger. In Patagonien finden sich daher auch Spuren des größten Raubsauriers aus jener Zeit: des Giganotosaurus.

Nirgendwo sonst auf der Welt entwickelten sich Vertreter von Jäger und Beute zeitgleich zu solcher Größe. Patagonien könnte Schauplatz eines einmaligen Wettlaufs zum Gigantismus gewesen sein.

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