Gigantisches Gesteins-Floß

Durch die Bewegungen der Kontinentalplatten entstehen Tiefseerinnen und Faltengebirge

Sieben große, bis zu 150 Kilometer dicke Kontinentalplatten bewegen sich wie Schollen auf der zähflüssigen Schicht des Erdmantels tief unter der Erdoberfläche. Schon vor hundert Jahren hatte der deutsche Meteorologe Alfred Wegener eine Ahnung, was auf der Erdoberfläche passiert. Doch seine Theorie galt als Ketzerei.

Animation: Kontinente driften auseinander.
Animation: Kontinente driften auseinander. Quelle: ZDF

Wie für die Ewigkeit gemacht, so wirken die Alpen. Doch der Schein trügt: Schweizer Geodäten haben festgestellt, dass die Alpengipfel bis zu einem Millimeter pro Jahr aufsteigen. Damit müsste sich über Jahrmillionen eine beträchtliche Höhe ergeben. Doch während die Alpen in die Höhe wachsen, tragen Gletscher und Flüsse ihre Gipfel ab - und verhindern, dass sie so hoch sind wie der Himalaya.

Geburtsstunde der Alpen

Alpenpanorama
Die Berge der Deutschen: Alpenpanorama Quelle: ZDF

Die Alpen entstanden vor rund 55 Millionen Jahren. Auf dieser Länge kollidierten die beiden Kontinente Afrika und Europa und begannen das höchste Gebirge Europas aufzufalten. Auch der Himalaya entstand vor Jahrmillionen durch eine Plattenkollission. Der indische Subkontinent schiebt sich seitdem unter Eurasien und lässt das Gebirge noch heute jedes Jahr knapp zwei Zentimeter wachsen.

Während sich bewegende Kontinentalplatten an einer Stelle Gebirge auffalten, entstehen an anderer Stelle durch ihr Auseinanderdriften Tiefseerinnen und Ozeane. Dabei treiben aufsteigende Blasen heißen Magmas die Platten auseinander. Forscher glauben, dass Meteoriten, die in der Urzeit die Erdkruste durchlöcherten, diesen Mechanismus in Gang setzten.

Idee der Kontinentalbewegung

Infografik: Kontinentalplatten
Infografik: Kontinentalplatten Quelle: wikipedia

Noch vor 100 Jahren galten Überlegungen zur Kontinentalbewegung als Ketzerei. Nach der gültigen Lehrmeinung waren Kontinente und Berge von Gott gemacht und unveränderlich. Der deutsche Geologe und Meteorologe Alfred Wegener erlebte deshalb ein Fiasko mit seiner Theorie von der Verschiebung der Kontinente.

Auf diese Idee hatten ihn die Umrisse der Kontinente gebracht. Südamerika und Afrika schienen ideal ineinander zu passen. Für Wegener war das kein Zufall - auch nicht der Umstand, dass identische Tierarten auf mehreren Kontinenten vorkommen. Er stellte seine Theorie am 6. Januar 1912 im Frankfurter Senckenberg Museum erstmals der wissenschaftlichen Öffentlichkeit vor. Es dauerte jedoch Jahrzehnte, bis sich das Modell durchsetzte.

Landbrücken zwischen Erdteilen

Landbrücken zwischen Kontinenten
Animation: Überholte Vorstellung der Landbrücken Quelle: ZDF

Gegner Wegeners wollten seine These mit dem Argument entkräften, dass einst Landbrücken die Erdteile miteinander verbunden hätten. Dann sei der Meeresspiegel angestiegen und die vermuteten Landbrücken wieder im Ozean versunken. Niemand konnte sich vorstellen, auf einem gigantischen Floß aus Gestein auf der Welt herumzutreiben. Das hätte nicht nur das christliche Weltbild, sondern auch die gängigen Theorien der Wissenschaftsgemeinde infrage gestellt.

Es war damals leicht, Wegener zu verlachen. Denn noch konnte er nicht erklären, welcher Mechanismus die Kontinente antreibt. Wegeners Image litt darunter. Schnell sprach sich herum, hier sei kein Geologe, sondern ein Meteorologe am Werk - ein "Wetterfrosch".

Systematische Vermessung des Ozeans

Doch die Zeit gab ihm Recht. Am 16. April 1925 lief das Forschungsschiff Meteor zur "Deutschen Atlantischen Expedition" aus. Mehr als zwei Jahre waren die Wissenschaftler unterwegs, um den Ozean systematisch zu vermessen.

Berge und Täler am Meeresgrund

Sie sollten unter anderem die angeblichen Landbrücken nachweisen, die nach gängigen Theorien einst die Kontinente miteinander verbunden haben sollen. Doch monatelang suchten sie vergebens - von Landbrücken keine Spur.
Schließlich gelang ihnen mitten im Atlantik eine sensationelle Entdeckung. Auf kleinem Raum wies die Wassertiefe enorme Schwankungen auf. Von knapp 600 Metern fiel der Meeresboden auf 4000 Meter Tiefe ab. Damals war es unerklärlich, dass sich Berge und Täler am Meeresgrund befinden sollten. Später gab man der gewaltigen Gebirgskette unter Wasser den Namen "Mittelatlantischer Rücken" - und die Theorie der Landbrücken landete auf dem Abfallhaufen der Geschichte.

Grafik: Mittelatlantischer Rücken
Grafik zeigt Mittelatlantischen Rücken Quelle: ZDF

Hätte Wegener von den Kräften gewusst, die im Erdinneren wirken, wäre es ihm vielleicht gelungen, die Geologen seiner Zeit zu überzeugen. Doch damals ahnte man noch nichts vom heißen Kern der Erde. Dort wird unablässig flüssiges Gestein umgewälzt. Je heißer, desto leichter die Masse - und das Leichte steigt nach oben.

Mittelozeanische Rücken

Afar-Senke
Afar-Senke Quelle: imago/imagebroker

Die aufsteigenden Ströme bahnen sich ihren Weg, bis sie den Meeresboden durchbrechen. Dort wo die Lava austritt, bilden sich Schluchten und Berge - die Mittelozeanischen Rücken. Neuer Meeresboden entsteht und drückt die Kontinente auseinander. Der Atlantik wächst so um zwei bis drei Zentimeter pro Jahr.

Da die Wanderung der Kontinente sehr langsam verläuft - zu langsam für ein Menschenleben - offenbart die Erde nur ganz selten ihre Zugkraft und gestattet durch abrupte Ereignisse Einblicke in ihr Inneres. Wie bei der Afar-Senke in Äthiopien. Im September 2005 brach die Erde auf einer Länge von 500 Metern wie ein gewaltiger Reißverschluss auf. Afrika ist dabei, an dieser Stelle auseinander zu brechen. Hier können Forscher miterleben, wie ein neuer Ozean entsteht.

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