Glanz und Niedergang

Mit dem Verlust von Handelsmonopolen beginnt der Stern Venedigs zu sinken

Albrecht Dürer hat Venedig zu dessen Glanzzeit besucht, die Stadt, die durchdrungen war vom Geist der Renaissance. Und er hat in mehrfacher Hinsicht von der Begegnung mit den venezianischen Meistern profitiert.

Die perspektivische Darstellung und neue Techniken, wie zum Beispiel die Verwendung des Netzgitterapparates beeinflussten sein späteres grafisches Werk entscheidend.

Bilder als Werbeträger

Aber Dürer hat auch erfahren, welche besondere Stellung einem Künstler in einer Stadt wie Venedig zukommt. Wer vom internationalen Handel lebt, muss seinen Geschäftspartnern sein wirtschaftliches Potenzial über große Distanzen signalisieren. Bilder dienen nicht allein der religiösen Unterweisung, sondern haben zunehmend eine wirtschaftliche Funktion - als Werbeträger des Mittelalters. Das Bild von Gentile Bellini beweist, welches Venedig Dürer damals sah. Es sind dieselben großartigen Gebäude, die sich heute noch genau so zeigen. Rund um den Markusplatz. Die große Basilika mit ihrem Campanile, der ganz Venedig überragt.


Im Frühjahr 1495 erreicht Dürer Nachricht aus Nürnberg. Die Schreckenszeit der Pest ist vorbei. Gibt es noch einen Grund länger in Venedig zu bleiben? Er will nach Hause, um dort einen Plan umzusetzen. Seine Initialen sind ab jetzt sein Markenzeichen und Qualitätssiegel. Er will den Menschen eine neue Art Bilder verkaufen, die sie noch nie gesehen haben. Seine Werke hängen heute in den bedeutendsten Museen der Welt.

Voller Ehrgeiz zurück nach Nürnberg

Dürer hat durch Kolb außerdem die Vorarbeiten zur großen Stadtansicht Venedigs mitverfolgen können. Beeindruckt vom Unternehmergeist der Venezianer und angespornt von den Werken der großen Meister kehrt Dürer nach Nürnberg zurück - voller Ehrgeiz, es den Größten seiner Zeit gleichzutun. Als Künstler und als Geschäftsmann macht er sich einen Namen. Als Dürer 10 Jahre später ein zweites Mal nach Venedig reist, eilt ihm der Ruf eines Genies voraus.

Den ersten Abdruck von Kolbs Stadtansicht hatte Dürer nicht mehr in Venedig miterleben können. Sie wurde erst im Jahr 1500 fertig gestellt. Von da an hing sie in allen großen Handelskontoren - auch in Nürnberg. Das Projekt war eine der aufwändigsten PR-Aktionen jener Zeit. Tatsächlich war es der verzweifelte Versuch, das wirtschaftliche Überleben der Stadt zu retten. Der Stern Venedigs begann bereits zu sinken. Im Osten kontrollierten spätestens seit 1453 die Türken den Schwarzmeerhandel.

Beunruhigende Nachrichten

Wichtige Handelsmonopole Venedigs geraten zunehmend in Gefahr. Vor allem der Handel mit Gewürzen und Luxuswaren aus dem Vorderen Orient. Beunruhigende Nachrichten erschüttern die Stadt. Im Westen schicken Portugiesen und Spanier Schiffe auf Entdeckungsreisen und erschließen neue Handelsrouten mit neuen Märkten.

Das Mittelmeer verliert schnell seine Bedeutung als Wirtschaftsregion. Darauf ist Venedig nicht vorbereitet. Kolumbus entdeckt Amerika, und als portugiesische Karavellen Afrika umrunden und so den Seeweg nach Indien finden, ist Venedigs Niedergang nicht mehr aufzuhalten. Portugal reißt den Gewürzhandel - Venedigs letztes Monopol - an sich.

Produktive Phase

Vielleicht ist es kein Zufall dass die neuen Gedanken der Renaissance ausgerechnet über Venedig nach Europa kamen. Nur in einer Stadt, die ständig neue Lösungen für Probleme suchen musste, um den Anforderungen internationalen Handels gerecht zu werden, konnten Wissenschaft und Kunst in ungeahnter Weise gedeihen. In dieser Metropole war das Mittelalter keine Zeit der Stagnation, sondern eine äußerst produktive Phase, deren erstaunliche Erfindungen weit in die Neuzeit hinein wirken.

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