Gleichnis für tibetische Geschichte

Das Silberschloss von Shang Shung

Ein paar Fluss-Kilometer weiter, sind die Zeichen menschlicher Zivilisation unübersehbar. Eine Brücke führt über den Sutlej - gibt sie den Blick zum sagenhaften Silberschloss im Garudatal frei? Ist der Shang Shung Mythos doch Realität? Offensichtlich haben sich die Wissenschaftler getäuscht - der Höhlenlama nicht.

In den Shambala-Erzählungen ist die Rede von erquickenden heißen Quellen. Und tatsächlich - an diesem zauberhaften Ort passt wirklich alles zusammen.

Zentrum der Shang Shung Kultur



Kann es noch einen Zweifel geben, dass Baumann Shambala erreicht hat, oder genauer - den Ort, an dem der Mythos geboren wurde? Aus 18 Königreichen soll die Shang Shung Kultur nach alten Schriften bestanden haben. Hier war wohl das Zentrum. Bruno Baumann scheint am Ziel. Im unerforschten Quellgebiet des Sutlej warten sensationelle Funde auf die Archäologen. Nur wenige Ausländer haben diese Ruinen je gesehen. Der italienische Tibetforscher Giuseppe Tucci hat sie vor 70 Jahren beschrieben - als buddhistisches Kloster. Das größte Geheimnis aber hat er damals schlicht übersehen.

Unter buddhistischen Gebäuderesten verbirgt sich eine alte Shang Shung Burg - das Silberschloss war Mittelpunkt eines alten Bön Reiches. Eine Entdeckung, die noch Generationen von Archäologen beschäftigen wird. Shang Shung, bislang ein asiatisches Atlantis, existierte offensichtlich doch. Einige alte Schriften behaupten, dass Shang Shung Shambala gewesen sei. Haben auch sie die Wahrheit berichtet? Sicher ist: die Burg scheint ein Gleichnis für die tibetische Geschichte zu sein. Eine Mischung aus uraltem Bön und dem später vorherrschenden Buddhismus. Bruno Baumann untersucht einige der buddhistischen Kultbauten und entdeckt eine Schrift.

Wunderbare Figuren

In den Chörten entdeckt Baumann Tschtschas, wunderbare Figuren aus ungebranntem Ton, die buddhistische Pilger als Opfergabe hinterlassen haben. Die Stadt ist viel älter als die Tonfigürchen. Die Shang Shung Kultur soll ungefähr 1500 vor Christus entstanden sein, und diese Burg war wohl jahrhundertelang Metropole des Shang Shung Groß-Reiches.





Die Kultur des Shang Shung-Reiches ist um 650 nach Christus nach erbitterten Kämpfen gegen Songsten Gampo, den 33. König von Tibet, untergegangen. Aber die Erinnerung an die einstige Pracht dieser Stadt könnte der Ursprung der Legende vom verlorenen Paradies sein. Olmolungreng, so nannten es die Bön, Shambala die Buddhisten und Hollywoods Vision erhielt den Namen Shangri La.

Schamanistischer Einfluss



Die Wandmalereien, die Baumann entdeckt, sind relativ jung, nur wenige hundert Jahre alt und auch wenn sie auf seltsame Weise an christliche Heiligenbilder erinnern, eindeutig buddhistisch. In einigen wird trotzdem der schamanistische Einfluss des Bön deutlich. Für Bruno Baumann ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Er hat einen verschollenen Schatz der menschlichen Kultur gehoben. Vielleicht hat er sogar Shambala entdeckt. Den legendären Ort, an dem weise Mönche das geistige Erbe der Welt gehütet haben.

Ein Paradies, das nicht entdeckt werden will, bis die machtbesessene Menschheit die geistige Reife erlangt hat, es zu verstehen und zu bewahren, so die Prophezeiung. Da erscheint es wenig erstaunlich, dass der Schleier nur ein wenig gelüftet wurde, das Geheimnis noch nicht gelöst ist. Für die Wissenschaft ein völlig neues Arbeitsgebiet. Es bleibt das Rätsel der Sutlej Ruinen. Wie viele unbekannte Städte mögen noch in der Gebirgswüste verborgen sein? Die Entdeckung Shang Shungs wirft in vieler Hinsicht neue Fragen auf. Welche Ideen und Weisheiten des untergegangen Reiches leben bis heute im tibetischen Buddhismus fort? Steht gar der uralte Glaube der Bön vor einer Renaissance?

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet