Götterberg und Zaubersee

Vulkane schaffen extreme Lebensräume

Der Ol Doinyo Legai ist einmalig: Er produziert als einziger Vulkan auf der Erde weiße Lava und wird deshalb von den Massai als heiliger Berg verehrt. Mitten in der trockenen Savanne schuf er einen Lebensraum voller Überraschungen.

In der Sprache der einheimischen Massai bedeutet Ol Doinyo Lengai "Berg Gottes". Der aktive Vulkan gilt ihnen als Wohnstätte der höchsten Gottheit Engai. Wenn der Vulkan im Abstand von wenigen Jahren ausbricht, dann, so glauben die Massai, ist Engai zornig. Mit Tänzen versuchen die Männer ihn gnädig zu stimmen. Hilft das nicht, sollen Tieropfer den wütenden Gott besänftigen.

Die kälteste Lava der Welt

Aber nicht nur für die Bewohner der Region ist der Ol Doinyo Lengai ein besonderer Berg, sondern auch für Wissenschaftler. Die geologischen Verhältnisse machen ihn zu einem Unikat, denn er ist Zeuge des sich unaufhaltsam vergrößernden Ostafrikanischen Grabenbruchs. Hier weicht die Erdkruste jährlich drei Millimeter weiter auseinander. Die an der Sohle schon 300 Kilometer breite, tiefe Narbe in der Kruste macht den Weg frei für Magma aus dem Erdmantel.

Der Ol Doinyo Lengai spuckt bei einer Eruption schwarze Lava
Lengai spuckt Lava Quelle: Marc Szeglat

Obwohl die Lava aus diesen extremen Tiefen kommt, ist sie dennoch mit nur etwa 600 Grad Celsius die kälteste weltweit. Sie enthält über 50 Prozent Karbonate. Als schwarzbrauner Schlamm tritt die Lava aus. Nach dem Erkalten erscheint sie aufgrund einer chemischen Reaktion mit der Luftfeuchtigkeit weiß, überpudert mit einer Salzkruste. Das Gestein, Karbonatit, ist eines der seltensten auf der Erde und gibt dem Berg sein unverwechselbares Gesicht.

Leben in extremen Verhältnissen

Doch das ist nicht das einzige Naturwunder, das der Ol Doinyo Lengai bewirkt. An seinem Fuß sammelt sich das Wasser, das die Minerale aus dem Gestein lösen, und bildet einen außergewöhnlichen See: den Lake Natron. Durch die eingespülten Mineralien ist der See extrem alkalisch. Ein anderer Effekt verstärkt dies noch: Wasser, das versickert, wird durch das Magma in der Tiefe erhitzt, steigt von Konvektion getrieben nach oben und löst auf seinem Weg weitere Natrium- und Karbonatsalze aus dem Gestein. Da der Natronsee überdies keinen natürlichen Zufluss hat, ist die Salzkonzentration im Wasser ungewöhnlich hoch.

In dieser lebensfeindlichen Brühe können nur Spezialisten existieren. Und doch ist der See voller Leben, denn in dem Sodawassser gedeiht eine bestimmte Art von Plakton hervorragend: Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt - Fotosynthese betreibende Bakterien. Von diesen Mikroorganismen ernähren sich Millionen von Flamingos, die die Uferzone des Lake Natron bevölkern.

Flamingo-Kolonie

Für die Flamingos ist der See ein Schlaraffenland. Da in der konzentrierten Lauge kaum Fische überleben können, müssen die Flamingos keine Nahrungskonkurrenz fürchten. Ihre dicken, in der Mitte geknickten Schnäbel sind hochspezialisiert auf ihre Hauptnahrung, den Plankton. Kopfüber, mit der Schnabeloberseite nach unten durchseien die langbeinigen Vögel das Wasser. An den Schnabelrändern besitzen sie feine Lamellen. Damit filtrieren sie diejenigen Organismen aus der Lauge, die kleiner als einen halben Millimeter sind.

Flamingos im Flug
Flamingos im Flug Quelle: ZDF

Der Nahrungsreichtum führt dazu, dass sich am Natronsee die größten Flamingokolonien der Welt versammeln. Wie ein rosa Saum umgeben die Vögel das Gewässer. Manchmal bewegen sich Hunderttausende im Gleichklang wie in einer geheimnisvollen Choreografie. Wenn Gefahr droht, folgen die Flamingos blind den ersten auffliegenden Tieren. Am Ufer lauern Schakale. Startet ein Flamingo zu spät, bekommen auch sie ihre Chance.

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