Gold im Überfluss

Die Grabung in Tillya-tepe

Das Grabungsteam von Viktor Sarianidi und mehr als 50 afghanische Arbeitskräfte legten im Jahr 1978 einen archaischen Feuertempel frei - und fanden "Gold wie am Fließband".

An den vier Ecken des Bauwerks fanden sie Rundtürme aus Lehm, die Viktor Sarianidi Instand setzen ließ.

Die "Mäusegruft"

Das Zentrum des Feuertempels ist ein U-förmiger Altar. Vor mehr als 3.000 Jahren wurde hier das Heilige Feuer angebetet. Es dauerte nicht lange bis das Team auf ein Grab stieß. Viktor hat dieses Grab später scherzhaft Mäusegruft genannt, denn bis auf einige Perlen gab es so gut wie keine Grabbeigaben. Sie fanden seltsame Löcher in der Wand, die sich als Mäusegänge herausstellen. Und davor lag ein Plättchen aus Gold - die Nager haben alles Stück für Stück in ihren Bau geschleppt. Ein Hort voller Goldpailletten.

Nekropole voller Schätze

Das Grabungsteam war auf eine Nekropole gestoßen - Gebeine, die über und über mit Gold bedeckt waren und eine Krone, die sich zusammenfalten lässt für lange Reisen. Die Tote hatte eine Münze im Mund - ein Ritual der Griechen, die so die Fahrt über den Totenfluss bezahlten, dazu ein griechischer Liebesgott als Ohrring.

Erste Antworten ergaben sich aus der Schichtung des Hügels. Der Feuertempel aus dem 12. Jahrhundert vor Christus war längst wieder zerfallen und zugeweht, als 900 Jahre später auf dem Hügel eine kleine Siedlung entstand. Auch sie zerfiel und wurde begraben unter Sand und Staub von Jahrtausenden. Eine genaue Analyse ergab, dass die Gräber erst nach dem Zerfall des Tempels und der Siedlung angelegt wurden.

"Gold wie am Fließband"

Sechs Gräber konnte Sarianidi öffnen, und sie gaben - wie er sagt - "Gold wie am Fließband" preis. Viktor hatte eine Sammelstelle für Gold eingerichtet. Über 20.000 Objekte wurden erfasst. Darunter schwere Gürtel und Schalen aus getriebenem Gold oder eine reich verzierte Dolchscheide. Viktor ist von den Tierdarstellungen und Ornamenten fasziniert.

Die Archäologen wussten nicht einmal, aus welcher Zeit das stammte - bis sie eine römische Münze fanden. "Caesar Tiberius, Sohn des göttlichen Augustus", stand darauf. 14 Jahre nach Christi Geburt wurde Tiberius römischer Kaiser. Die Frage der Datierung war gelöst. Aber die Herkunft der Schmuckstücke blieb umso rätselhafter. Was haben Delfine in Zentralasien zu suchen - Delfine, die von Eroten geritten werden? Das Motiv ist typisch für die antike Kunst der Griechen. Aber Athen liegt 4.000 Kilometer weit entfernt.

Die geflügelte Aphrodite

Weiter fanden sie auf der Brust der Toten ein Schmuckstück, das die griechische Liebesgöttin Aphrodite darstellte - bis auf die Flügel. Wie kamen griechische Motive nach Baktrien? Eine mögliche Antwort gab die Gürtelschnalle aus Grab vier: makedonische Waffen und makedonische Krieger. Einer Legende nach soll Alexander der Große das Land Baktrien erobert und die schöne Königstochter geheiratet haben.

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