Goldrausch und Biberkriege

Kanadas bewegte Geschichte

Bereits vor etwa 12.000 Jahren, nach dem Ende der letzten Eiszeit, wurde Kanada von Menschen besiedelt. Doch im 18. und 19. Jahrhundert verdrängten die eingewanderten Europäer die indianischen Ureinwohner Kanadas mehr und mehr von ihren angestammten Gebieten. Damals interessierten sich britische, niederländische und französische Händler vor allem für die begehrten Biberpelze, die zu Hüten und Mänteln verarbeitet wurde. Bis 1897 in einer unwirtlichen Gegend ein weitaus wertvollerer Schatz entdeckt wurde: Gold.

Historische Karte des Goldgebiets im Yukon-Territorium (Grafik)
Der Weg zur Goldgräberstadt Dawson: zu Fuß (rot) oder per Schiff (blau).

Im Yukon-Territorium kam es Ende des 19. Jahrhunderts zu einem der legendärsten Goldräusche der Geschichte. Mehr als hunderttausend Abenteurer strömten ab 1897 in die entlegenen Gebiete im äußersten Nordwesten Kanadas. Vor allem aus dem Klondike River wuschen die Goldsucher Nuggets in riesigen Mengen. Auch heute noch ist Kanada ein Gold-Land, jährlich werden hier rund 100 Tonnen des Edelmetalls gefördert. Dabei lässt sich im Wasser nur das Gold entdecken, das durch die Strömung aus dem Boden gewaschen und vom Fluss mitgerissen wird. Die wahre Quelle des Goldes konnte bis heute niemand finden. Sie liegt möglicherweise irgendwo in der 480.000 Quadratkilometer großen gebirgigen Provinz.

Run auf die Goldgebiete

Auf der Suche nach der Mutter-Goldader haben Geologen das ganze Gebiet kartiert und Bodenproben genommen. Bestimmte Quarze im Boden, die zusammen mit Gold vorkommen, sind ein Indikator dafür, in welcher Parzelle etwas zu holen sein könnte. Seit einiger Zeit gibt es im Yukon-Territorium einen neuen Goldrausch. Wer heute dem Lockruf des Goldes folgt, arbeitet in der Regel nicht mehr mit Spitzhacke und Goldwaschpfanne, sondern setzt Maschinen ein. Die aussichtsreichsten Gebiete sind per Hubschrauber erreichbar. Davon konnten die Goldsucher vor rund hundert Jahren nur träumen.

Goldsuchertreck auf den Chilkoot-Pass
Goldsucher-Treck am Chilkoot-Pass

Im Winter 1897/98 quälten sich ganze Bataillone von Glücksrittern  über den berüchtigten Chillkoot-Pass. Der alte Handelsweg der Indianer zwischen Alaska und Kanada, schon im Sommer nur mit Mühe zu bewältigen, ist im Winter lebensgefährlich. Mindestens eine Tonne Lebensmittelvorräte und Ausrüstung waren Pflicht. Wer zu wenig dabeihatte, wurde am Grenzkontrollposten wieder zurückgeschickt. Der Weg über den Chillkoot-Pass zur Goldgräberstadt Dawson war die Route der kleinen Leute. Wer es sich leisten konnte, buchte die bequemere Schiffspassage über den Yukon. Aber auch die Dampferfahrt auf dem Fluss voller Stromschnellen und tückischer Felsbrocken war nicht ungefährlich. Jeden Winter friert der Yukon zu und ist dann über Monate praktisch unpassierbar.

Nachbarschaftskrieg mit den Irokesen

Vor rund 20.000 Jahren, während der letzten Eiszeit, überlagerte ein dicker Eispanzer die gesamte Region. Die Gletscher furchten tiefe Rillen in den Boden. Als es wärmer wurde und die Eismassen schmolzen, füllten sich die Furchen mit Wasser. Das Schmelzwasser spülte große Becken aus – so entstanden die Großen Seen im Südosten Kanadas und die zahlreichen Flüsse. An ihren Ufern siedelten sich ab dem 17. Jahrhundert die ersten europäischen Einwanderer an. Zunächst kamen die Franzosen und gründeten Siedlungen wie Quebec und Montreal. Ihre Geschichte in Kanada wäre wohl anders verlaufen, wenn sie ein besseres Verhältnis zu ihren Nachbarn, den Irokesen, gehabt hätten. Die verschiedenen Stämme der Irokesen hatten sich bereits vor Ankunft der Europäer zu einer mächtigen Liga zusammengeschlossen. Die Franzosen verachteten sie als Barbaren und weigerten sich, mit ihnen zu kooperieren. So kam es zu den Biberkriegen oder Irokesenkriegen, einer langen Reihe blutiger Konflikte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Dass sich die Franzosen ausgerechnet diejenigen zum Feind machten, die mit dem wilden Land am besten vertraut waren, rächte sich. Die Engländer hatten nun ein leichtes Spiel, die Irokesen für sich zu gewinnen. Gemeinsam nahmen sie die Franzosen und deren indianischen Verbündeten in die Zange.

Irokesen handeln mit Europäern (Kupferstich)
Irokesen handeln mit Europäern (Kupferstich, 1722)

Engländer und Irokesen wurden Partner im Krieg und im Handel. Eine Abordnung von Indianern reiste sogar nach England, um das Bündnis zu besiegeln. Kanada wurde Exportland für die englische Krone. Als Ende des 18. Jahrhunderts der Pelzhandel zu florieren begann, arbeiteten viele Indianer als Jäger und Fallensteller für die Europäer. Bis ins frühe 20. Jahrhundert boomte der Handel mit Produkten aus Kanada. Die Hudson Bay Company entwickelte sich zu einem der größten Handelsunternehmen der Welt. Sie exportierte Biberfelle in riesigen Mengen, sodass die Tiere fast ausgerottet worden wären. Die Franzosen wurden im Land nur noch geduldet. Aber auch den Irokesen half das feierlich geschlossene Abkommen mit den Engländern am Ende nichts. Wie die anderen Indianervölker Nordamerikas mussten sie der Übermacht aus Europa weichen. Von ihrer einstigen Herrschaft sind nicht viele Spuren geblieben. Heute leben in Kanada etwa 700.000 Menschen indigener Herkunft, "First Nations" werden sie hier genannt.

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