Gorillas in der Forschung

Was wir heute über die imposanten Tiere wissen

Seit rund 100 Jahren interessieren sich Wissenschaftler für Berggorillas. Am bekanntesten wurde die Amerikanerin Dian Fossey. Sie studierte zwanzig Jahre lang intensiv das Verhalten dieser Großaffen. Obwohl ihre Methoden nach wie vor umstritten sind, lieferte ihre Arbeit wertvolle Grundlagen für die heutige Gorillaforschung.

Vier Berggorillas im Regenwald Quelle: ZDF

Die 1932 geborene Zoologin und Verhaltensforscherin Dian Fossey siedelte 1967 nach Ruanda über, gründete dort das Karisoke-Forschungszentrum und begann ihre Langzeitstudie bei den Berggorillas. 1985 wurde sie ermordet - vermutlich wegen ihrer Gegnerschaft zur touristischen Erschließung des Gebietes.

Nähe, die gefährlich werden kann

Dian Fossey und Berggorilla Quelle: ZDF


Fossey sah ein wesentliches Ziel ihrer Arbeit darin, den Gorillas so nah wie möglich zu kommen. Um Verhalten und soziale Organisation der Tiere zu studieren, gewöhnte sie sie vier Jahre lang an ihre Nähe. Dabei kam es auch zu Berührungen, Affenmütter vertrauten der Forscherin sogar ihre Babys an. Nie zuvor war ein Mensch den Berggorillas so nah gekommen.

In den sechziger Jahren war man sich nicht bewusst, dass diese Nähe den Tieren zum Verhängnis werden kann: 98 Prozent der Gene von Mensch und Gorilla stimmen überein. Diese enge Verwandtschaft macht es Krankheitserregern leicht, die Artengrenze zu überspringen. Und das Immunsystem der Menschenaffen bietet keinen Schutz vor infektiösen Keimen, die die Menschen mitbringen. Selbst Erreger, die für uns harmlos sind, können für wilde Gorillas fatale Folgen haben. Heute halten die Wissenschaftler Abstand - mindestes sieben Meter, so lautet die Verhaltensregel. Und wenn die Gorillas selbst einmal den Forschern zu nahe kommen, hilft das Imitieren grunzender Laute und das Abwenden des Blicks, um eine Provokation zu vermeiden. Das ist eine wichtige Vorsichtsmaßname, denn die Tiere können bis zu 1,75 Meter groß und bis zu 200 Kilo schwer werden.

Leben in der Gruppe

Obwohl Dian Fossey in Forscherkreisen wegen ihrer Methoden stets umstritten war, lieferte sie wichtige Beiträge zum Verständnis der komplexen Sozialstruktur der Gorillas. Die sanften Giganten leben in Gruppen von etwa fünf bis zehn Tieren, darunter ein oder - häufiger - zwei Männchen. Das ranghöchste Männchen, der Silberrücken, gibt den Ton an. Inzwischen weiß man jedoch, dass nicht alle Nachkommen von ihm abstammen. Manche Weibchen gehen fremd, und neben liebevoller Zuneigung gibt es auch Eifersucht in der Gruppe.

Gorillamutter mit Baby
Gorillamutter mit Baby Quelle: ZDF

Im Bwindi Impenetrable Forest, dem Schutzgebiet im Südwesten Ugandas, gibt es noch etwa 300 Gorillas, und auch weltweit zählen die Forscher inzwischen nur etwa 700 Berggorillas. Ob so eine kleine Zahl überhaupt ausreicht, um dauerhaft eine stabile Population zu garantieren, wissen die Forscher nicht. Doch selbst in besonders geschützten Nationalparks gibt es für die Gorillas keine hundertprozentige Sicherheit.

Immer noch vom Menschen bedroht

Vor allem im Kongo haben die Gorillas grausame Feinde. Rebellen dringen in die Schutzgebiete auf kongolesischer Seite vor und töten einzelne Tiere. Dadurch wollen sie verhindern, dass sich Tourismus entwickelt, der der Regierung Einnahmen bringt. Denn Reiseveranstalter versprechen Naturfreunden eine unvergessliche Begegnung mit Berggorillas. Das Kalkül der Rebellen: Tote Tiere passen nicht ins Bild und schrecken potenzielle Besucher ab. Den Rangern, die zum Schutz der Tiere eingesetzt sind, bleibt oft nur, traurige Bilanz zu ziehen. Bei insgesamt nur 700 Tieren bedeutet die Tötung durch Rebellen eine ernste Bedrohung für den Bestand.

Erschossene Gorillas im Kongo Quelle: dpa

Besonders weitreichende Konsequenzen hat es, wenn das Leittier, der Silberrücken, getötet wird. Denn die Weibchen werden nur alle vier Jahre trächtig. Stirbt der Silberrücken, in den meisten Fällen der Vater der Jungen, muss sich ein neues Männchen als Clan-Oberhaupt durchsetzen. Dieses tötet die Babys des Vorgängers, um selbst Nachwuchs zu zeugen und das eigene Erbgut zu verbreiten - so hat es die Natur eingerichtet.

Vergleich des Erbguts

Wie lange wird es die Berggorillas unter diesem Druck noch geben? Eine Antwort darauf wissen auch die Forscher nicht, die schon seit vielen Jahren herkommen und einzelne Familienclans studieren. Schon die aktuelle Populationsgröße zu ermitteln, ist schwierig. Früher schätzte man die Zahl der Tiere anhand ihrer Nester. Heute sammeln die Wissenschaftler Exkremente für DNA-Analysen. So können sie nicht nur die einzelnen Tiere erfassen, sondern auch deren Verwandtschaftsverhältnisse untersuchen.

Dabei stellten sie fest, dass selbst rangniedere Männchen insgesamt viel häufiger als erwartet Nachkommen zeugen. Die gute Nachricht ist, dass es heute erstaunlich viele Jungtiere im Bwindi-Nationalpark gibt. In den letzten zehn Jahren ist die Population der Berggorillas dort um etwa zehn Prozent gewachsen. Trotz aller Gefahren scheint sich der Schutz von Rückzugsgebieten auszuzahlen.

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