Goten auf der Flucht

Beginn der großen Völkerwanderung

Die Donau in Budapest war einst Grenze des Römischen Reiches. Nachdem die Hunnen die Goten nördlich der Donau vertrieben hatten, wurde dieser Teil Ungarns zu ihrem Reich.

Die Ostgoten hatten zu den ersten Völkern gehört, über die die Hunnen im Jahre 375 herfielen. Ihr legendärer König Ermanarich war wegen seiner kriegerischen Taten gefürchtet. Er regierte über ein riesiges Reich. Aber die Hunnen hatten schon die Nachbarstämme überfallen, beraubt und unterworfen.

Ermanarich wusste, auch seine Ostgoten würden die Freiheit verlieren. Er selber, so erzählt es Ammianus Marcellinus, wollte das weder erleben noch verantworten: Angesichts der Schrecklichkeit der drohenden Gefahren und aus Furcht vor den großen Entscheidungen, setzte er seinem Leben ein Ende. Er starb, weil er das Wüten der Hunnen nicht ertragen konnte. Sein Tod jedoch gab ihnen die Macht über sein Volk.

Bündnispartner Roms

Anders als die Ostgoten, wollten sich die Westgoten den Hunnen nicht unterwerfen. Im Jahre 376 nach Christus kamen die Westgoten über die Donau. Es ist der Beginn der großen Völkerwanderung. Gut 100.000 Kinder, Frauen und Männer, darunter zehntausende Krieger, sind auf der Flucht vor den Hunnen.

Die Vertriebenen werden im Römischen Reich aufgenommen. Sie müssen sich zwar Rom unterwerfen, dürfen aber all ihre Waffen behalten. Denn das Imperium war auf das Heer der Westgoten angewiesen. Die Westgoten wollten Reichsangehörige werden, am Wohlstand und den Errungenschaften der römischen Zivilisation teilhaben. Die Westgoten waren die ersten Germanen, die als Bündnispartner Roms im Imperium sesshaft wurden, als Staat im Staate. Südlich der Donau wurden sie als wehrhafte Mauer des Reiches gegen die Hunnen angesiedelt.

Königlicher Schatz

Was die Flüchtenden jenseits der Donau zurückließen, ist heute in Bukarest verwahrt. Auch die rumänische Hauptstadt lag einst im Land der Goten. Im Nationalmuseum wird einer der größten und bedeutendsten Funde der Völkerwanderung aufbewahrt: Der Schatz von Pietroasa ist ein königlicher Schatz, mit mehr als 40 Kilogramm Gold und Edelsteinen.

Die Goten vergruben ihn aus Angst vor den Hunnen. 1837 wurde er von Bauern in den Karpaten gefunden. Für die Lebenden waren die unendlich wertvollen Schätze Statussymbole. Für die toten Könige der Goten eine angemessene Mitgift für das Jenseits: mit roten Almandinen besetzte Sattelbeschläge, Schnallen und Prunkfibeln - die weltberühmten Adlerfibeln aus dem Schatz von Pietroasa. Die Goten machten den königlichen Greifvogel zu ihrem Zeichen. Für die Archäologen ist das Adlermotiv oft die einzige Spur ihrer Wanderwege durch ganz Europa.

Vierzigjährige Odyssee

Im Jahr 395 allerdings mussten sie ihr Siedlungsgebiet südlich der Donau verlassen: Auf ihrer vierzigjährigen Odyssee zogen sie durch Griechenland, den ganzen Balkan, weiter Richtung Italien. Der Heimat durch Hunnen und Römer beraubt, den feindlichen Waffen entkommen, suchten sie in der Fremde eine neue Bleibe.

Fast 100.000 Westgoten waren im Römischen Reich unterwegs. Zu ihrem König hatten sie Alarich erhoben: Als Eroberer Roms wird er in die Geschichte eingehen. Er führt den zusammengetriebenen Treck von Flüchtlingen aus mehr als zehn Völkern, bei denen nicht Abstammung, sondern Mut und Tapferkeit entscheiden, wer zu ihnen gehört.

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