Gottgleiche Königin

Großer Kult um Arsinoe II.

In Alexandria treibt das Geschwisterpaar den Kult um die vergöttlichte Königin in bisher ungekannte Dimensionen. Sogar ein neues Weltwunder plant der ehrgeizige Regent.

Im heiligen Bezirk will er einen Tempel errichten lassen - mit einer schwebenden Figur im Zentrum des Bauwerks. Kein Herrscherdenkmal für den Pharao, sondern ein Sinnbild der gottgleichen Arsinoe. Als Zeichen ihrer wundersamen Fähigkeiten und Erhabenheit. Eine schwebende Statue - gehalten durch die unsichtbare Kraft des Magnetismus. So die Vorstellung des Königs. Doch Ptolemäus Traum scheiterte an den Gesetzen der Schwerkraft. Stattdessen schmückte ein Standbild aus Topas den Tempel der Arsinoe.

Als Verwandte der Himmelswesen wird die ptolemäische Herrscherin zur Weltenschöpferin. Ihr Reich umfasst Ober- und Unterägypten mit den fruchtbaren Ebenen entlang des Nils und den Oasen mitten in der Wüste. Hunderte von Wasserrädern verteilen das kühle Nass in den ausgedehnten Feldern. Die Grüne Insel Fayum erhebt Ptolemäus sogar zu einem eigenen Regierungsbezirk und benennt ihn nach seiner Schwester. "Nomos Arsinoite" - die Kornkammer des Landes.

Königin zweier Völker

Unter Ptolemäus II. erfolgt auch die Gründung der Stadt Karanis. Noch in römischer Zeit ein einträglicher Umschlagplatz für Getreide. Das Geld, das der Regent dort einnimmt, steckt er weitgehend in den Kult um Arsinoe. Per Dekret ordnet der Herrscher an, das Bildnis der Gottgleichen in jedem Tempel des Reiches aufzustellen. Auch in Privathäusern zieren Darstellungen von Arsinoe die Altäre. Schon bald verehren Griechen und Ägypter gleichermaßen die erste Frau im Staate.

Das Ägyptische Museum in Berlin hütet weitere Hinweise auf jene Epoche. Im Magazin lagern seit Jahrzehnten Hunderte von Mumienhüllen. Die reich verzierten Sarkophage sind stumme Zeugen des Lebens zur Zeit der Pharaonen. Doch nicht Form und Bemalung der Kartonagen wecken das Interesse der Forscher. Die Hüllen selbst enthalten versteckte Informationen in Form von uralten Papyri: Erbschaftsdokumente und Besitzurkunden. In einem Pachtvertrag aus der Zeit Arsinoes steht, der König verleiht ein Gründstück an einen Soldatenbauern griechischer Herkunft. Der Gutsbesitzer vermietet das Land weiter an einen ägyptischen Bauern. Die Rollen sind klar verteilt: Die Griechen halten die Macht - Ägypter sind Menschen zweiter Klasse.

Im Kreis der Allmächtigen

Über all der Ungleichheit wacht das allgegenwärtige Herrscherpaar. Die Standbilder Arsinoes und Ptolemäus II. begrüßen schon am Hafen von Alexandria die Reisenden aus aller Herren Länder. Die Ankömmlinge blicken hoch zu einer berühmten Königin. Insgesamt zwölf Städte in der antiken Welt tragen den Namen Arsinoe. Neun Jahre lenkt sie die Geschicke des Landes. Im Jahr 270 vor Christus stirbt die Gottgleiche. Gemäß der griechischen Tradition verbrennen die Angehörigen den Leichnam, damit die Seele der Unsterblichen zum Himmel aufsteigen kann. Für die Ägypter eine unerträgliche Vorstellung, denn nur ein unversehrter Körper garantiert im Jenseits ewiges Leben.

Auf dem Friedhof der Ptolemäer bettet die Familie die Urne der Königin zur letzten Ruhe - direkt neben das Grab von Alexander dem Großen, heißt es. Wie einst der legendäre Makedone steigt nun auch Arsinoe auf in den Kreis der Allmächtigen. Dort vereint sie sich mit Re, dem Sonnengott. So zumindest lässt es der Regent von zeitgenössischen Geschichtsschreibern in Stein meißeln. Nach ihrem Tod richtet Ptolemäus II. ein eigenes Priesteramt für den Kult um seine Gemahlin ein. Niemals zuvor wurde die Frau eines Herrschers so verehrt.

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