Grabung in ägyptischer Hand

Strenge Regeln und Besinnung auf historische Wurzeln

Ägypten besinnt sich auf seine historischen Wurzeln, doch die Vorarbeit wurde bereits vor 150 Jahren geleistet. Wie damals stammen heute noch viele ägyptische Altertümer aus zweifelhaften Kanälen.

Zahi Hawass Quelle: ZDF

Die oberste Antikenbehörde in Kairo kämpft mit einer ganzen Abteilung gegen eine international vernetzte Kunsthandel-Mafia, die Artefakte vor allem über Auktionshäuser anbietet.

Lizenz mit Auflagen

Um das Wildern in den Ausgrabungsstätten zu unterbinden, wurden neue Regeln aufgestellt - auch in Sakkara. Archäologische Kampagnen erhalten nur noch dann eine Lizenz, wenn sie ihre Funde der ägyptischen Altertümerverwaltung vorlegen. Der Leiter dieser Behörde, Zahi Hawass, ist selbst Archäologe und entscheidet, wer wo in Ägypten graben darf.

Ausgrabungsort Sakkara Quelle: ZDF

Hawass' Team legt in Sakkara die Grabanlage des Pharao Teti frei. Er herrschte vor 4300 Jahren und wurde vermutlich von seinen Leibwächtern ermordet. Doch die Anlage birgt nicht nur Funde aus der sechsten Dynastie des Teti. Denn der Stadtfriedhof von Memphis wurde über Jahrtausende immer wieder belegt. Entsprechend viele Funde wurden hier bereits geborgen und in jeder Grabungssaison entdecken die Forscher weitere. Wie den Sarg eines hohen Regierungsbeamten, der um das Jahr 100 vor Christus in einem sechs Meter tiefen Schachtgrab bestattet wurde. Noch viele archäologische Schätze schlummern im Sand von Sakkara. Und die wollen sich die Ägypter nicht mehr aus der Hand nehmen lassen.

Keller im Ägyptischen Museum, Kairo Quelle: ZDF

1.500.000 Fundstücke

1858 wurde in Kairo der Vorgänger des heute weltberühmten Ägyptischen Museums eröffnet. Heute steht das Ägyptische Museum mitten im Herzen von Kairo. Die Sammlung umfasst inzwischen 1.500.000 Fundstücke. Die Ausstellungsräume der Obergeschosse waren schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts überbelegt. Die neu eingelieferten Stücke mussten in den Keller eingelagert werden. Oft planlos, ohne Vermerke über den Fundort. Irgendwann ging hier jede Ordnung verloren. Was genau in dem 3000 Quadratmeter großen Gewölbe vor sich hin dämmert, wusste lange niemand. Bis 2004 zum ersten Mal eine Frau die Leitung des Museums übernahm. Waffaa El Saddik ordnete erst einmal einen ordentlichen Hausputz an.

Immer wenn der Keller neue Artefakte preisgibt, wird es im museumseigenen Konservierungslabor hektisch. Sechs Archäologen haben monatelang die unterirdischen Schatzkammern durchforstet. Jeder neu untersuchte Sarg könnte der eines Königs sein. Vieles verloren Geglaubte haben die Konservatoren bereits im eigenen Keller wiederentdeckt. Trotz akribischer Rekonstruktion: In einigen Fällen weiß niemand, woher die Fundstücke stammen, wie sie in den Kontext der über 3000-jährigen Geschichte des Alten Ägypten passen.

Konservator-Team im Ägyptischen Museum, Kairo Quelle: ZDF

Einstiger Ort für dunkle Geschäfte

So werden die Artefakte so gut es geht erfasst. Oft mit wenig phantasievollen Bezeichnungen, wie beispielsweise der Computereintrag "große Maske aus einem Sarg" zeigt. Doch einige der einst eingelieferten Funde werden nie wieder auftauchen - denn vor 150 Jahren war der Museumskeller ein Ort für dunkle Geschäfte, als die Mumien des Museums zur einträglichen Nebeneinkunft für unterbezahlte Angestellte wurden.

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