Großreich am Indus

Mit Dholavira wird ein weiterer Mosaikstein erforscht

Harappa und Mohenjo-Daro sind keine Einzelphänomene. Inzwischen sind zahlreiche Orte entdeckt worden, die viel mit ihnen gemein haben. Sie liegen im heutigen Pakistan und in Indien - auf einer Fläche, die etwa drei Mal so groß ist, wie Deutschland. Auch der abgelegene Ort Dholavira im indischen Bundesstaat Gujarat gehörte vermutlich einst zur Indus-Zivilisation.

Karte Indus-Zivilisation Quelle: ZDF

Was Harappa, Mohenjo-Daro und Dholavira miteinander verbindet, ist die Nähe zum großen Strom und seinen Zuflüssen, die damals wie heute saisonal austrocknen. Michael Jansen inspiziert mit seinem indischen Kollegen Ravindra Bisht die Ruinenstadt. Einen besseren Begleiter gibt es kaum: Bisht hat die gewaltige Stadt ausgegraben und eine komplexe Anlage mit Wasserbecken freigelegt. Wer bei dem örtlichen Klima überleben wollte, musste die Ressourcen der Regenzeit nutzen.

Mauern aus Sandstein

Bauforscher Jansen sucht akribisch nach Parallelen zu Mohenjo-Daro. Haben die Indus-Baumeister den Ort Dholavira nach ähnlichen Prinzipien errichtet? Im Unterschied zu Mohenjo-Daro, Harappa und anderen Siedlungen der Induskultur bestehen die Mauern der Stadt nicht aus Ziegeln, sondern aus behauenem Sandstein. Dieser Rohstoff war zwar nicht so unendlich reproduzierbar wie Lehmziegel, doch er bot Stabilität gegen die schweren Niederschläge des Monsun und das zerstörerische Salz.

Charakteristischer Lehmziegel Quelle: ZDF

Die Stadt ist zwar aus Naturstein errichtet, es wurden aber auch Lehmziegel verwandt. Auf einer kleinen Plattform lässt Ravindra Bisht die Oberfläche säubern. Dort vermutet er das charakteristische Baumaterial zu finden. Und tatsächlich, das Maß der Ziegel ist das gleiche wie in Mohenjo-Daro. Die Industal-Forschung ist noch ein junges Forschungsgebiet. Obwohl mehr als 1500 Siedlungen bekannt sind, sind nicht mehr als etwa 15 Siedlungen näher erforscht, dazu gehört jetzt auch Dholavira.

Große Stauanlagen

Wasserbecken Quelle: ZDF

Die Wasserversorgung scheint auch in Dholavira das Geheimnis des Erfolges zu sein. Im Gegensatz zu anderen Städten am Indus finden die Forscher aber nur einen einzigen Brunnen. Das Grundwasser muss ungenießbar gewesen sein. Stattdessen wurde der Wasserbedarf der Stadt mit Hilfe großer Stauanlagen gedeckt, in denen sich der Monsunregen sammelte. Die Anlage verfügte über diverse Zwischenbecken, die wie ein Filtersystem funktionierten.





Vieles spricht dafür, dass auch die Ruinen von Dholavira einst Teil des Großreichs am Indus waren. Ein Volk genialer Baumeister - aber lebten in den Städten auch Kaufleute, die mit benachbarten Kulturen handelten? Bereits Marshalls Funde aus den 1920er Jahren deuten auf eine bronzezeitliche Wirtschaftsmacht hin: Überall tauchen einheitliche Maße und Gewichte auf.

Sonnenuntergang über dem Indus Quelle: ZDF

Despot aus der Bronzezeit

Der Indus ist der perfekte Weg für den Warentransport. In einem verwirrenden System aus Flüssen und Meeresarmen mündet der Strom in das Arabische Meer. Dort an den Ufern des Persischen Golfs, so rühmt sich der sumerische König Sargon, habe er den Handelsschiffen aus dem Osten das Anlegen gestattet. Die Spur ermöglicht eine Datierung: Sargon, der Despot aus der Bronzezeit herrschte um 2250 vor Christus.

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