Gruft mit Spezialgewölbe

Aufwändige Sicherheitsmaßnahmen für die "Vampirprinzessin"

Das Begräbnis in Krumau verlief deutlich anders als im Hochadel damals üblich. Zwar wurden im ganzen Land Hunderte von Totenmessen für Eleonore bestellt und bezahlt. Aber zu ihrem Begräbnis kam kein einziger Vertreter der Aristokratie oder des hohen Klerus.

Kapelle des Heiligen Nepomuk Quelle: ZDF

Sogar der Platz ganz vorne in der Schlosskapelle blieb leer: Er war für Eleonores Sohn, Joseph Adam Schwarzenberg, bestimmt. Doch selbst er blieb den Trauerfeierlichkeiten fern. Die eigentliche Beisetzung fand am 10. Mai in der mächtigen St. Veits Kirche in Krumau statt. Eleonore wurde seltsamerweise in der Nacht beerdigt. Um acht Uhr abends setzte sich der Trauerzug vom Schloss zur Kirche in Bewegung. Eleonore hatte in ihrem Testament ausdrücklich bestimmt, dass "die armen Leute von Krumau" an ihrem Begräbnis teilnehmen sollten.

Eleonores Grabplatte Quelle: ZDF

Grab ohne Wappen und Namen

Das Grab der Fürstin befindet sich nicht in der Hauptkirche, sondern im extra angebauten Teil der Kapelle des heiligen Nepomuk. Heute deutet in der Kapelle nichts mehr auf ihr Grab hin. Der Grabstein der Fürstin liegt unter einem roten Teppich verborgen. Unter einem Furcht erregenden Totenkopf ist ihr Sterbedatum angegeben. Der 5. Mai des Jahres 1741. Der Totenkopf war damals ein üblicher Schmuck, ungewöhnlich ist viel mehr, dass das Grab an sich so schlicht ist - ohne Familiennamen, ohne Adelstitel, ohne Wappen.

Regelrecht eingemauert

Knoblauch und Kreuz

Die Rückkehr der Toten muss für die Bevölkerung ein Schock gewesen sein. Vermutlich ergriffen die Menschen alle damals verbreiteten Maßnahmen gegen Vampire: Sie verbarrikadierten ihre Häuser und versuchten sich durch Knoblauch und Kreuze zu schützen. Die Jagd nach Vampiren begann üblicherweise auf dem Friedhof und hier endete sie auch, wenn die Leute gefunden hatten, wonach sie suchten. Für die Suche nach Vampiren gab es genaue Anleitungen. In dem Grab, vor dem ein Rappe mit einem Jüngling auf dem Rücken scheute, lag angeblich ein Vampir. Wurde auch Eleonores Grabstätte manipuliert?



Das Bild einer Geo-Radar-Untersuchung zeigt eine auffällige Unregelmäßigkeit oberhalb der Stelle, an der sich der Sarg befinden müsste. Mit einer Sonde werden menschliche Knochenreste in Friedhofserde sichtbar, die auf das Grab geschüttet wurde. Die Anomalie darunter entpuppt sich als gemauertes Gewölbe, das offenbar mit großem Aufwand eigens in die Gruft eingebaut worden war, um den Zugang zu versperren. Eleonores Sarg wurde regelrecht eingemauert. Offenbar hatten die Zeitgenossen gründlich Vorsorge getroffen, um Eleonore am Verlassen ihres Grabes zu hindern. Über das gemauerte Gewölbe der Gruft wurde eine Schicht mit Friedhofserde gelegt. Darauf kam der tonnenschwere Grabstein, und darüber stand noch die mächtige St. Veits Kirche. So konnte die Vampirprinzessin nie mehr entkommen.

Untersuchung Grab mit Geo-Radar Quelle: ZDF

In den folgenden Jahren musste sich der Leibarzt von Königin Maria Theresia, Gerard van Swieten, wissenschaftlich mit der immer heftiger werdenden Vampirhysterie in Böhmen beschäftigen. Er kam zu dem Schluss, dass "Vampire nur dort erscheinen wo die Unwissenheit noch herrscht", für ihre reale Existenz fand er keine Beweise. Maria Theresia verbot daraufhin jede Vampirverfolgung und alle Abwehrmaßnahmen wie das Köpfen, Pfählen oder Verbrennen.

Einflüsse bei "Dracula"

Um 1890 begann Bram Stoker mit der Arbeit an seinem Roman "Dracula". Er kannte die Vampirrituale aus Eleonores Zeit. Auch die Geschichte der Vampirprinzessin floss in die Urfassung von Dracula ein. Ursprünglich wollte Stoker seinen Roman mit einem spektakulären Kapitel beginnen, das eine Vampirattacke beschreibt, die in der Nacht zuvor stattfindet: Auf einer windigen Hochebene unweit von München entdeckt Jonathan Harker das Grabmal einer österreichischen Adeligen. Als er sich nähert, zuckt ein Blitz nieder und eine Vampirin erscheint aus dem Grabmal. Harker fällt in Ohnmacht. Als er erwacht, sitzt ein Wolf auf seiner Brust, um sein Blut für die Untote warm zu halten.

Es bleibt sein Geheimnis, weshalb er die weibliche Vampirfigur vor Erscheinen wieder aus dem Manuskript strich. Stoker kannte zweifellos die Berichte der kaiserlichen Untersuchungskommissionen. Er nahm sogar den Ermittler ihrer Majestät, Gerard van Swieten, zum Vorbild für seinen Vampirjäger Abraham van Helsing. Stokers Geschichte ist nicht frei erfunden, sondern Literatur, die auf historischen Fakten beruht. Aber erst sein Roman machte die Vampire wirklich unsterblich.

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