Guyanas Tierwelt im Zwiespalt

Fluch und Segen des Schlingpflanzen-Wachstums

Bei den Forschungsarbeiten im Dschungel gehört der Kontakt mit den einheimischen Tieren längst zum Alltag. Vor allem Affen trifft Forscher Jörg Salzer sowohl bei seinen Kletter-Touren als auch am Schreibtisch im "heimischen" Baumhaus.

Tayra Quelle: ZDF

Etwa 70 Prozent der Landesfläche von Guyana sind von tropischem Regenwald bedeckt. Neben den großflächigen Regenwäldern befinden sich Savannen, insbesondere im Küstentiefland und im Südwesten. An den Küsten erstrecken sich Mangrovenwälder. Auch verschiedene andere Salzwassergräser wachsen im stehenden Brackwasser und schützen durch ihre Existenz die Küstenlinien.

Ameisenbär Quelle: ZDF

Typisch für die Tierwelt der Savannenlandschaften sind Faultiere und Gürteltiere, Busch-Schweine und Ameisenbären. Letztere sind vor allem dort zu Hause, wo die Landschaft offener wird. Mit ihrem langgezogenen, zahnlosen Maul saugen sie Termiten und Ameisen auf. Ameisenbären sind typische Bewohner der südamerikanischen Steppen und gehören zu den ältesten Säugetieren der Erde.

Zu Land und zu Wasser

In den zahlreichen Flüsse des Landes gibt es Kaimane und Schlangen wie die riesige Anakonda und die Wasser-Boa. Auch Leguane aus der Familie der Echsen leben in Guyana. Größter Süßwasserfisch ist der Piraucu, der eine Länge von bis zu vier Metern erreichen kann. In den Küstengewässern leben aber auch Haie und zahlreiche andere Fische.

Riesenotter-Familie Quelle: ZDF

Der Burro Burro Fluss im Herzen des Landes zieht in der Trockenzeit die Tiere der Umgebung magisch an. Eine bunte Vogelwelt findet am seichten Ufer ausgiebig Nahrung. Riesenotter waren einst fast überall in Südamerikas Tropenflüssen zu Hause. Heute leben sie nur noch an abgelegenen Flüssen, wo sie neugierig ihre Umgebung erkunden. Tapire, Wasserschweine und Kaimane hingegen ergreifen lieber eilends die Flucht, wenn Menschen den Fluss befahren.

Harmonie im Kronendach

Bis heute sind nicht annähernd alle Pflanzenarten in den Regenwäldern Guyanas identifiziert worden. Gleiches gilt auch für die Tierwelt, die diesen fruchtbaren Lebensraum bewohnt. Affen sind im Kronendach häufig anzutreffen, denn ausschließlich hier finden sie ihre Nahrung. Ob Saki-Affen, Kapuziner-Äffchen oder Klammeraffen - sie alle sind in den Baumwipfeln des Dschungels beheimatet. Dank der vielen Kletterverbindungen ist es für sie keine Kunst, Blätter, Früchte und Blüten von den Ästen zu pflücken.

Im Kronendach des Urwaldes finden sich allerdings auch andere Bewohner wie beispielsweise das Zweifingerfaultier. Trotz seiner Krallen gilt es als eines der friedlichsten Tiere unserer Erde. Es ernährt sich von Blättern und Blüten. Tagsüber schläft es zusammengerollt und praktisch unsichtbar im Grün der Bäume und Lianen.

Harpyien-Küken Quelle: ZDF

Täglicher Überlebenskampf

Als besonders artenreich gilt auch die Vogelwelt mit vielen verschiedenen Kolibris. Hinzu gesellen sich unter anderem Grünflügelaras. Sie sind auf alte Baumriesen angewiesen, denn nur hier finden sie geeignete Bruthöhlen für den Nachwuchs. Gleiches gilt auch für Harpyien. Diese brüten im Durchschnitt nur jedes dritte Jahr. Ihre gewaltige Größe mit fast drei Metern Spannweite hat ihren Preis. Es dauert fast zwei Jahre, bis das Küken groß ist. Harpyien bauen ihre Nester immer in die Kronen der höchsten Bäume. Aufgrund des massiven Schlingpflanzenwachstums finden sie jedoch kaum mehr Brutplätze. Die Folge: Ihre Zahl geht mehr und mehr zurück.

Der Boden des Regenwaldes ist ausgesprochen karg. Lediglich Früchte und Blätter aus dem Kronendach liefern noch wichtige Nahrung. Ohne die Rationen aus dem oberen Stockwerk könnten viele Bodentiere nicht überleben. Große Ansammlungen von Säugetieren sind in Regenwäldern deswegen eher selten. Der nährstoffarme Waldboden bietet nicht genug zu fressen. Mit Ausnahme der wildschweinähnlichen Peccaris ist hier das Reich der Einzelgänger, beispielsweise des Pumas.

Peccari-Herde im Dschungel Quelle: ZDF

Düstere Aussichten

Auch wenn das vermehrte Wachstum der Lianen noch keinen sichtbaren Einfluss auf die Lebensgemeinschaft im Dschungel hatte: Begraben und erdrücken Lianen die Bäume in noch größerem Ausmaß, gehören viele Vögel wie die Aras und die Harpyien ebenso wie die große Klammeraffen zu den ersten Leidtragenden. Denn erstere finden keine Brutplätze mehr und letztere sind zu schwer, um im dünnen Lianengestrüpp nach Nahrung zu suchen. Weitere Konsequenzen für die Tier- und Pflanzenwelt wären die Folge.

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