Hadrosaurier - "Kühe" der Kreidezeit?

Alte Auffassungen müssen revidiert werden

Während der Kreidezeit ziehen Herden friedlicher Pflanzenfresser durch die Ebenen Nordamerikas und Asiens: Hadrosaurier, plump anmutende Riesenechsen, wie geschaffen als Mahlzeit für Tyrannosaurus. Sie galten bisher als "Kühe der Kreidezeit" - ein Irrtum?

Hadrosaurierherde flieht vor einem Tyrannosaurus Quelle: ZDF

Hadrosaurier sind eine der jüngsten großen Dinosaurier-Gruppen. Sie entwickeln sich während der Kreidezeit und erleben ihre Blüte 80 bis 65 Millionen Jahre vor heute. Ihr typisches Merkmal ist die einem Entenschnabel ähnelnde Forderfront des Mundes. Daher sind sie auch als "Entenschnabel-Dinosaurier" bekannt.

Vegetarier mit Biss

Der zahnlose Schnabel ließ Paläontologen lange Zeit vermuten, Hadrosaurier hätten sich von weichen Wasserpflanzen ernährt. Für ein Leben in Seen, Sümpfen und Flüssen schien auch der hohe, seitlich abgeflachte vermeintliche Ruderschwanz zu sprechen. Bei einem Exemplar fanden Forscher sogar Hautreste an den Vorderpfoten, die als Schwimmhäute interpretiert wurden. Doch inzwischen sieht man die Dinge anders.

Im Schnabel selbst befinden sich zwar keine Zähne, aber in der Mundhöhle tragen die Kiefer sehr wirkungsvolle Zahnpakete. Beim Kauen wurde die Nahrung nicht auf den Zahnkronen zermahlen, sondern zwischen den seitlich aneinander vorbeigleitenden Zahnreihen zerrieben. So konnten auch härteste Pflanzenteile wie Nadeln und Zweige zerkleinert werden. Das belegen auch einige versteinerte Mageninhalte. Zahnverluste wurden immer wieder durch nachwachsende Zähne ausgeglichen.

Bunt und bizarr

Computeranimation Rüssel Hadrosaurier Quelle: ZDF

Forscher vermuten, dass die sehr hoch entwickelten Hadrosaurier in gut strukturierten Gemeinschaften lebten. Dies würde intensive Kommunikation erfordern, wozu farbige Hautmuster wie auch variantenreiche Lauterzeugung als Signalgeber gehören könnten. Über die Färbung der Körperoberfläche lässt sich nur spekulieren. Auf wirkungsvolle Akustik weisen dagegen bei einigen Arten bizarre Knochen-Konstruktionen des Kopfes hin.

Große, vom Schädeldach abstehende Hornkämme könnten, da innen hohl, als Resonanzkörper gedient haben. Vielleicht haben die Tiere ähnlich wie Elefanten trompetet. Damit könnten sie die lautesten Reptilien aller Zeiten gewesen sein. Genau weiß man dies jedoch nicht. Für Edmontosaurus, der keinen Hornkamm besaß, nehmen Forscher auf Grund von entsprechenden Schädelöffnungen eine die Laute verstärkende, aufblasbare Hautfalte auf dem Kopf an.

Mit Hand und Fuß

Skelett Hadrosaurier Quelle: ZDF

Hadrosaurier galten lange als plumpe, überwiegend zweibeinig laufende Dinos. Tatsächlich gab es jedoch eine große Artenvielfalt innerhalb dieser Saurierfamilie. Von handteller-groß bis zu 15 Meter lang waren alle Klassen vertreten. "Dakota" gehörte allem Anschein nach der großwüchsigen Spezies Edmontosaurus annectens an. Weitere Untersuchungen müssen noch abgewartet werden, ehe das Tier endgültig Bestimmt werden kann.

Die Proportionen waren von Art zu Art unterschiedlich. Alle besaßen jedoch kräftigere Hinter- als Vorderläufe. Wenn beispielsweise "Dakota" einem Tyrannosaurus entkommen wollte, lief er zweibeinig davon - immerhin mit 45 Kilometern pro Stunde. Beim Weiden und Äsen benutzte er aber auch seine kürzeren, schwächer ausgebildeten Vorderläufe. Wie die neusten Untersuchungen zeigen, waren die Tiere sehr wendig und schnell - also keine "Kühe der Kreidezeit", sondern eher "Antilopen".

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet