Haenke im Atacama-Fieber

Landschaft im Urzustand

Das Schicksal meint es offenbar nicht gut mit dem ehrgeizigen Doktor der Philosophie: Der Traum von einer großen Forscherkarriere scheint früh zu scheitern. Der Pechvogel verpasst im Jahr 1789 das Segelschiff, das ihn mit auf eine Expedition um den Erdball nehmen sollte.

Doch der junge Mann aus dem österreichischen Kronland Böhmen gibt nicht auf. Der unbekannte Kontinent schreckt ihn nicht. Ganz auf sich allein gestellt, durchquert er Südamerika. Auf seinem Ritt bezwingt er eisige Gebirgspässe und den Glutofen der Pampa.

Im Auftrag der spanischen Krone

Noch sind viele Gebiete des Vizekönigreichs Neuspanien weiße Flecken auf der Landkarte. Haenke erkennt seine Chance, als Erster will er sie im Auftrag der spanischen Krone erkunden. An Chiles Küste reist er nach Norden und stößt ins Landesinnere vor. Flüsse, Berge, ganze Landesteile wird er in Chile, Peru und Bolivien erforschen, aber das Atacama-Fieber wird ihn nicht mehr loslassen, immer wieder kehrt er in die Wüste zurück.

Seit Menschengedenken ist in der Atacama kein Tropfen Regen gefallen. Die Temperaturen schwanken zwischen plus 40 Grad Celsius am Tag und minus 15 Grad in der Nacht. Die Atacama ist zwar eine Feindin jeglichen Lebens, aber sie ist keine geborene Mörderin - sagen Eingeborene. Vor 400 Millionen Jahren erstreckte sich hier ein Meer in dem Riesenkrokodile und gewaltige Dinosaurier jagten. Noch im Erdmittelalter, im Mesozoikum, war alles von Wasser bedeckt. Die ganze Atacama war einst von großen Tannenwäldern bewachsen, wie man sie heute nur noch im Süden Chiles kennt.

Harte Naturgesetze

Die Wüste ist keine absolute Todeszone. Wer sich ihren harten Gesetzen unterwirft, überlebt. Das lehrt das Studium der Tiere und Pflanzen in der Atacama. Haenke ist einer der ersten Feldforscher, der den "elfenbeinernen Turm" des Gelehrten verlässt und sich der Reise ins Ungewisse ausliefert - abhängig nur von seinen Pferden und den Launen der Natur.

Obwohl inzwischen Generationen von Wissenschaftlern die Atacama durchforscht haben, sind viele ihrer Rätsel noch immer ungelöst. Am Ende des 18.Jahrhunderts ist die Wüste ein völlig unbekanntes Gebiet. Ihr größtes Geheimnis hat der böhmische Gelehrte aus dem Sudetenland bereits kurz nach dem Beginn seiner Streifzüge entdeckt. Wie von der Hitze ausgeschwitzt, bedecken Salzkristalle den Boden. Die Konsistenz des Materials ist ihm zwar fremd. Der Geschmack erinnert aber an das vertraute Kochsalz.

Die Untersuchung hilft nicht weiter. Der Ehrgeiz raubt ihm den Schlaf: Noch unterwegs unterzieht er den Fund in seinem Reiselabor chemischen Versuchen. Er versetzt das Pulver mit kalihaltiger Asche, um es auszulaugen. Das Ergebnis ist überwältigend: Kalisalpeter. Im Filter kristallisiert magischer Grundstoff für Düngemittel und Schießpulver. Thaddäus Haenke ist auf "Weißes Gold" gestoßen.

Leichte Beute

Einmalige Bilddokumente aus einem Privatarchiv in Santiago belegen: Nie zuvor hat sich ein Bodenschatz so leicht ausbeuten lassen. Die Salz führende Schicht liegt in einer Tiefe von nur wenigen Metern. Sie muss nur herausgesprengt werden und kann dann unter anderem zu hochwirksamen Düngemitteln verarbeitet werden. Haenkes Entdeckung wird der Landwirtschaft weltweit eine enorme Ertragssteigerung bringen. Den Preis dafür zahlt die Natur: Der Blick aus großer Höhe lässt das ganze Ausmaß der Umweltzerstörung erkennen. Der Salpeter-Boom hat ganze Regionen in Mondlandschaften verwandelt.

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